Anlagestrategie
Die Risiken der Sachwerte

Viele Anleger glauben: Aktien sind riskant, Edelmetalle und Immobilien dagegen sichere Geldanlagen. Der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt allerdings ein anderes Bild. Wie riskant reale Werte wirklich sind.
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DüsseldorfFast sechs Jahre ist es her, als die Investmentbank Lehman im September 2008 Insolvenz anmelden musste. Turbulente Jahre für Vermögende, die Anlegern enorme Chancen und Risiken boten. Der Blick auf die vergangenen Jahre bietet überraschende Erkenntnisse.

Die Angst vor einer großen Inflation war bislang unbegründet. In Deutschland pendelte die Inflationsrate zuletzt um zwei Prozent, laut Eurostat betrug sie im Juni 1,9 Prozent, 30 Basispunkte mehr als in der gesamten Euro-Zone. Auch der Euro blieb relativ stabil. Seit 2008 schwankte die Gemeinschaftswährung zwischen 1,6 und 1,2 US-Dollar. Trotz Schuldenkrise und superlockerer Geldpolitik ist der große Währungs-Crash bislang ausgeblieben.

Trotzdem raten Vermögensverwalter und Banker zum Kauf von realen Werten wie Aktien, Immobilien oder Gold.  Ein Tool, das die Privatbank Donner & Reuschel für Handelsblatt Online entwickelt hat, zeigt, welche Chancen und Risiken diese Anlageklassen bieten.

Aktien

„Es gibt keine risikolose Anlageklassen mehr“, sagt  Carsten Mumm, Leiter Asset Management bei Donner & Reuschel. Bei Anleihen drohen Kursverluste bei einer Zinswende und Renditen unterhalb der Inflationsraten. Aktien können für Rendite sorgen und Risiken aus dem Anleihemarkt als Differenzierung des Depots abfedern. „Wir empfehlen bei vorsichtigen Anlegern Aktienquoten von bis zu 20 Prozent, bei dynamischen Anlegern deutliche mehr“, sagt Mumm.

Mit dem Risiko-Rendite-Radar lassen sich Chancen und Risiken berechnen von Aktieninvestments in der Vergangenheit berechnen. Seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 1998 lag der maximale Verlust bei einem Investment in den Dax bei fast 44 Prozent per annum – und zwar wenn Anleger im Jahre 2001 einstiegen und im Folgejahr wieder verkauften. Die maximale Gewinnspanne lag bei rund 39 Prozent bei einem Anlauf im Krisenjahr 2008 und Verkauf im Folgejahr. Auf lange Sicht sieht die Bilanz weniger erschreckend aus. Seit 1998 schaffte der Dax auf Jahresbasis bis 2013 ein Plus von gut drei Prozent pro Jahr.  

Gold

Was viele Anleger beim Kauf nicht erwartet hatten: Auch Gold-Investments sind hoch spekulativ. Wer 2009 kaufte und 2010 verkaufte erzielte 38 Prozent Gewinn. Zwischen 2012 und 2013 ging es allerdings knapp 26 Prozent runter. Seit 1998 beträgt das Plus bis zum Jahresanfang noch gut acht Prozent pro Jahr.

Die hohe Volatilität zeigt: Gold ist ein Spielball institutioneller Investoren, die mit Derivaten auf das Edelmetall spekulieren. Da der Rohstoff keine Erträge abwirft und Kosten für die Lagerung anfallen, lohnt ein Investment nur als Wette auf eine Preissteigerung. „Wir empfehlen Quoten von maximal fünf Prozent als Absicherung gegen einen großen Notfall auf dem Finanzmarkt“, sagt Mumm.

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Anleger verkennen Risiko bei Immobilien

Kommentare zu " Anlagestrategie: Die Risiken der Sachwerte"

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  • @pool: Sie haben recht, soweit es um "Aktien-Kursgewinn-Spekulationsstrategien" geht. Davon sollte man die Finger grundsätzlich lassen. Da Mr. Market nun einmal manisch-depressiv ist, sind Tänze mit ihm brandgefährlich.

    Daher sind Dividenden Trumpf!!! Da hat Mr. Market überhaupt kein Wörtchen mitzureden. Das Geld ist vor der Verteilung bereite verdient.

  • @Inflate_Or_Die
    Völlig d'accord was den eingebauten Selbstzerstörungsmechanismus unseres Geldsystems betrifft. Wobei die Zinseszinsdynamik tatsächlich nicht das Hauptproblem ist. Es ist zwar völlig korrekt, dass das Geld, um Zinsen zu bezahlen tatsächlich zu keinem beliebigen Zeitpunkt im System existieren kann und es ist auch richtig, dass die Geldmenge schließlich exponentiell wachsen muss, um die Zinsen zu bedienen - tatsächlich liegen diese Systemkiller aber von uns aus gesehen weit in der Zukunft.

    Warum ist das System kurz vor dem Reset? Es liegt an der Geldmenge, die seit den 80ern extrem aufgebläht worden ist, aber nicht deswegen, weil Zinsforderungen es notwendig gemacht hätten sondern im Zuge der Transformation der freien, sozialen (Real-)Marktwirtschaft zum Finanzmarktkapitalismus die sich seit den frühen 80ern enorm beschleunigt hat und sich nach wie vor jeden Tag weiter beschleunigt.

    Die Geldmenge explodiert, weil der Fehler in unserem System Fractional Reserve Banking heißt. Geschäftsbanken schöpfen Geld ex nihilo - aber nicht deswegen, weil sie es an die Realwirtschaft verleihen wollen (was über weite Strecken im letzten Jahrhundert der Normalfall war) sondern weil sie es in einem selbstbezüglichen Finanzprodukte-Markt, dem Global Casino der Derivate, "vermehren" wollen.

    Unvorstellbare Mengen Giralgeld schwappen um den Globus auf der Suche nach...steigenden Preisen, dort bleiben sie haften, erhöhen die Nachfrage und sorgen damit für...steigende Preise. Das Ergebnis: Asset Price Bubbles, in den Bilanzen der Banken vervielfachen sich die scheinbaren Werte der scheinbaren Aktiva, die Banker verdienen Millionen-Boni....

    Der Rest der Geschichte ist bekannt, so bekannt dass eigentlich inzwischen auch jeder Flusskrebs auf dem Mond ahnt, dass das Ende mit 300 Sachen auf uns zugerast kommt und es inzwischen absolut keinen gangbaren Ausweg mehr gibt

    Jeder stopft sich noch die Taschen voll so gut es geht

    http://dollardaze.org/blog/posts/00762/Ms.png

  • Da (Papier-)Geld = Schuld(en), und Schulden in der Summe nicht zurückgezahlt werden können, erfolgt der "Schuldenabbau" letztendlich durch die Schulden-Deflation, bei der das überschüssige "Geld" wieder vernichtet wird, und zwar selbstverständlich bei den Gläubigern. Wer sind nun die "Gläubiger"? ;-)
    Deshalb sind Sachwerte im derzeitigen ökonomischen Winter das beste Investment, aber nicht alle: Immos auf gar keinen Fall, da vielfach mit billigem Kredit und immer noch "subprime" = unter der Prime Rate finanziert. Wenn die Hypothekenzinsen hier wieder steigen (und das werden sie letztendlich trotz z.B. der Rekordaufkäufe der faulen Mortgage Debts in den USA durch die Fed), geht der Immo-Markt endgültig in die Knie.

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