Anlagestrategie
Euphorie bei Biotech-Aktien verfrüht

"Wir werden den nächsten Weltmarktführer der Biotech-Branche bilden.“ James Mullen und William Rastetter geben sich nicht gerade bescheiden, wenn sie für die Fusion ihrer Unternehmen trommeln. Die beiden Vorstandssprecher von Biogen und Idec Pharmaceuticals wollen einen Biotech-Giganten mit 14 Milliarden Dollar Börsenwert schaffen. Fusionsfantasien und positive Nachrichtien zu künftigen Krebsmedikamenten haben der Biotech-Branche nach drei mühsamen Jahren einen Schub gegeben. Einen Schub, der sich an steigenden Aktienkursen ablesen lässt. Anleger greifen wieder beherzt zu bei den hochspekulativen Biotech-Aktien. Im Juni erreichten die Umsätze im iShares Indexfonds Nasdaq Biotechnology Rekordhöhen.

wiwo DÜSSELDORF Doch möglicherweise ist die aktuelle Euphorie ähnlich verfrüht, wie sie es zur Jahrtausendwende war: Vor drei Jahren hatten sich die Anleger weltweit die Finger verbrannt, als nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms die Branche den Durchbruch und hohe Zuwachsraten bei Umsätzen und Gewinnen versprach. Viel geblieben ist von diesen Versprechen nicht. Nach einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young haben die 613 weltweit börsennotierten Biotech-Unternehmen im vergangenen Jahr zwar immerhin 41,4 Milliarden Dollar umgesetzt - aber damit einen Verlust von 12,5 Milliarden Dollar produziert. Nur wenige Unternehmen wie Amgen oder Genentech sind überhaupt profitabel. Dennoch sind selbst Unternehmen mit Mini-Umsätzen und hohen Verlusten an der Börse Milliardenbeträge wert.

Das Risiko zu minimieren, ist gerade bei Biotechnologie-Aktien das Hauptproblem für den Anleger. Deshalb bietet sich wie für kaum eine Branche sonst ein Investment in Fonds an. Eigentlich. Doch auch bei der Fondsauswahl stehen Anleger vor einigen Hürden. Nicht überall, wo Biotech draufsteht, ist auch Biotech drin. Auf dem Fondsmarkt reicht das Angebot von reinen Biotech-Produkten bis hin zu Mischformen mit hohem Pharmaanteil. Von einem echten Biotechfonds kann der Anleger erst ausgehen, wenn der Fonds zu mindestens 80 Prozent in Biotech-Werte investiert. Weiteres Problem: Die meisten Fonds können keine Erfolgsgeschichte nachweisen - sie sind zu kurz auf dem Markt. Der erste in Deutschland zugelassene Biotechfonds, Pharma/wHealth von Oppenheim, ist noch keine zehn Jahre alt. Das Gros der Fonds legten die Gesellschaften im Hype des Jahres 2000 auf.

In vielen Fonds finden Anleger zudem immer wieder dieselben Aktien: gleicher Inhalt, anderes Etikett. Die meisten Biotech-Fondsmanager kaufen vorwiegend die großen US-Player wie Amgen, Genzyme oder Gilead. Erschreckend schwach ist die Rendite der meisten Fonds im Vergleich zum weltgrößten Vergleichsindex, dem Nasdaq Biotech. Der legte in den zwölf Monaten bis Ende Juni um ein Drittel zu. Die meisten Fonds schafften dagegen in diesem Zeitraum nur eine negative oder einstellig positive Performance. 2003 liefen bisher nur vier von 50 Fonds besser als breite Index.

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