Anlagestrategie
Experten: Börsenerholung ist nur ein Strohfeuer

Nach der jüngsten Kurserholung werden Anleger wieder mutiger. Doch die Lage an den Börsen ist nach wie vor schwierig: Stecken wir in einer Jahrhundertkrise oder bietet sich die Chance des Jahrzehnts? Die meisten Experten haben hierauf eine eindeutige Antwort.

STUTTGART. Rund tausend Punkte hat der Deutsche Aktienindex in den vergangenen Wochen gewonnen - nachdem er zuvor allerdings um mehr als 4 000 Punkte zurückgefallen war. Gleichwohl schürt die jüngste Erholung bei einigen Anlegern Hoffnungen auf mehr, Hoffnungen vor allem auf ein baldiges Ende der Abwärtsbewegung an den Börsen.

Die meisten Börsenexperten sind allerdings deutlich skeptischer. Die fundamentale Situation ist deutlich ernster, als es die aktuelle Börsenlage widerspiegelt, sind sich prominente Aktienstrategen und Vermögensverwalter einig: "Es gibt noch massive Risiken und wir müssen davon ausgehen, dass nicht nur das Jahr 2009, sondern auch die ersten Monate des kommenden Jahres über sehr schwierig bleiben", sagte Markus Zschaber, Geschäftsführer der VMZ Vermögensverwaltungsgesellschaft, auf einer Podiumsdiskussion der Verlagsgruppe Handelsblatt auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart. Zwar habe sich der Absturz der Wirtschaft etwas verlangsamt, der Boden sei fundamental aber noch lange nicht gefunden.

Aus Sicht von Zschaber bedrohen vor allem drei Risiken die ökonomische Stabilität und damit auch die Aktienmärkte: die nach wie vor enormen Kreditrisiken, die bisher noch verdeckten Verbindlichkeiten von Banken und anderen Finanzdienstleistern sowie die Rolle der Konsumenten. Das alles spiegele sich in den düsteren Wirtschaftsprognosen wider.

"Wenn man auf die nächsten Jahre schaut, muss man sich warm anziehen", sagt auch Alexander Seibold, Vermögensverwalter und Geschäftsführer von Dr. Seibold Capital GmbH. "Wer heute investiert, sollte dies langfristig tun - etwa mit einem Horizont bis 2014 oder 2015", empfiehlt er. Als zentrale Risiken, die bisher noch vernachlässigt würden, sieht er einen starken Anstieg der Ausfallraten bei Kreditkartenverbindlichkeiten und bei Leasingverträgen sowie zunehmende Probleme von Hedge-Fonds. Gefahr drohe letzteren vor allem durch die Regulierungsbestrebungen in vielen Staaten. "Ich fürchte, dass auf die zu liberale Regulierung der vergangenen Jahre nun eine zu strikte Regulierung folgt, die den Handlungsspielraum der Hedge-Fonds einengt und sie in Nöte bringt", sagt Seibold.

Mit seiner Extremprognose eines BIP-Rückgangs in Deutschland um zehn Prozent im laufenden Jahr steht Seibold zwar alleine da. Unumstritten ist aber unter Experten, dass die deutsche Wirtschaft länger brauchen wird, um aus der Krise zu kommen als beispielsweise die USA. Dies liegt vor allem an der starken Abhängigkeit vom Export sowie den Industriebranchen Automobil und Industrie. "Wir haben in Deutschland eine ähnliche Lage wie vor 15 Jahren und es wird auch diesmal eine Weile dauern, um aus dem Tief rauszukommen", sagt Georg Thilenius, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Dr. Thilenius Management. Allerdings, so Thilenius weiter, gibt es wie in jeder Krise auch jetzt Chancen: "Eines ist sicher: Die Welt wird auch dieses Mal nicht in einem schwarzen Loch verschwinden, sondern sich irgendwann wieder berappeln", sagt er.

Seite 1:

Experten: Börsenerholung ist nur ein Strohfeuer

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%