Anlagestrategie
Generation Sicherheit

Kurswechsel in der Geldanlage: Angesichts von Börsengewitter und Schuldenkrise verfolgen Anlageprofis und Finanzchefs der Firmen dieselbe Strategie - sie bauen Sicherheitspolster auf und horten Höchstbeträge an Bargeld.
  • 1

FrankfurtBundeskanzler Schröder pflegte zu sagen: "Es gibt Zeiten für Wasser und Zeiten für Wein." So sehen es auch Anlageprofis und die Finanzchefs deutscher Dax-Konzerne. Die Zeiten der großen Börsenparty sind vorbei, die Schuldenkrise hat alles verändert. Die Zocker an den Börsen und die auf Gewinnmaximierung bedachten Manager sind von der Generation Sicherheit abgelöst worden.

Die Finanzprofis hoffen auf ein baldiges Ende der Schuldenkrise und setzen bis dahin auf Sicherheit. Wie die einst für ihre Risikoscheu belächelten Privatanleger parken Banken und Vermögensverwalter derzeit Milliardensummen am Geldmarkt oder auf Zinskonten.

Angesichts der massiven Kursschwankungen an den Kapitalmärkten - der Dax hat seit Jahresbeginn 17 Prozent verloren und damit 170 Milliarden Euro Börsenkapital vernichtet - sei diese Strategie auch ratsam, sagt Björn Robens, Chef der BHF-Bank. Für Kunden mit mittlerer Risikoneigung legt das Institut heute rund ein Viertel des Vermögens in Geldmarktfonds oder als Termingeld an - rund zehnmal so viel wie vor der Finanzkrise.

Eine Umfrage des Handelsblatts unter namhaften Vermögensverwaltern zeigt, dass viele Geldmanager sogar bis zur Hälfte ihres Kundenvermögens am Geldmarkt parken. Privatanlegern ist Sicherheit wichtiger als hohe Gewinne. Laut Bundesbank stieg das in Bargeldeinlagen oder Sparbriefen und auf Tages- und Festgeldkonten angelegte Vermögen allein im zweiten Quartal 2011 um 20 Milliarden auf 1,9 Billionen Euro - obwohl die Inflation den durchschnittlichen Zinsertrag eines Tagesgeldkontos von 1,8 Prozent gleich wieder auffrisst. Aber Sicherheit zählt derzeit mehr als Rendite.

Das gilt auch für die Dax-Unternehmen. "Cash is King in diesem volatilen Umfeld", sagte Siemens-Chef Peter Löscher vor gut zwei Wochen bei der Bilanzpräsentation. Die deutschen Konzerne horten massiv Geld. Nach den erwarteten Rekordgewinnen in diesem Jahr bereiten sie sich so auf den befürchteten Abschwung vor. Die 25 im Deutschen Aktienindex notierten Industriekonzerne und Dienstleister (ohne Finanzbranche) haben ihre Bargeldbestände seit 2007 bis Mitte dieses Jahres um 16 Milliarden Euro auf 86 Milliarden Euro erhöht. Sie wollen mit Liquidität für jede Herausforderung gewappnet sein.

Zusätzlich wappnen sie sich mit einer hohen Eigenkapitalquote, die bei durchschnittlich fast 37 Prozent liegt. Denn auf dem Höhepunkt der Finanzkrise waren zuerst jene Firmen mit wenig Eigenkapital und viel geliehenem Geld wie der Zulieferer Continental in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Das soll der Generation Sicherheit nicht noch einmal passieren.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Anlagestrategie: Generation Sicherheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hört sich eigentlich sehr vernünftig an,jetzt müßten nur die Banken zu etwas mehr Anstand gezwungen werden und die Zinsen auf Tages- und Festgeld endlich erhöhen.Sie haben sich doch lange genug an Überziehungszinsen gesund gestoßen,die viele Leute in der Krise in Anspruch nehmen mußten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%