Anlagestrategie
Gut gewappnet gegen den Preisverfall

Droht Europa eine Deflation? Für Anleger hätte das fatale Folgen, denn sinkende Preise sind Gift für die Wirtschaft und damit für die Aktienmärkte. Wie Investoren ihr Depot vor Deflation schützen.
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DüsseldorfKaum ist das Inflationsgespenst vom sprichwörtlichen Hof gejagt, geistert die nächste große Bedrohung für das Ersparte durch die Handelssäle: die Deflationsgefahr. Sinkende Preise könnten das Wirtschaftswachstum bedrohen, gar abwürgen. Die Zahl der Insolvenzen könnte steigen, die Arbeitslosigkeit gleich mit. Die Aktienmärkte würden in der Folge wohl kollabieren. So weit die Theorie.

Bei einer Deflation erhöht sich die Kaufkraft des Kapitals. Für Schuldner heißt das, dass ihre finanzierten Sachgüter an Wert verlieren, während die Kreditraten in gleicher Höhe bedient werden müssen. Profiteure einer Deflation sind hingegen die Besitzer von Geldvermögen, die mit ihrem Kapital nunmehr Sachgüter erwerben können. Für Anleger, ob nun Aktionäre, Immobilienbesitzer oder Sparer, heißt das: Sie müssen umdenken. Wer mit Deflation rechnet, muss sein Vermögen anders anlegen als jemand, der von einer weiteren Teuerung und damit Geldentwertung ausgeht.

Die Inflationsrate im Euro-Raum lag im Februar bei 0,8 Prozent – und war damit nicht mal halb so hoch wie die Preisstabilitätsnorm der Europäischen Zentralbank (EZB) von unter, aber nahe zwei Prozent. Die EZB schätzt, dass die durchschnittliche Jahresteuerung in diesem Jahr lediglich bei 1,1 Prozent liegen wird. Den Notenbankern ist das zu wenig. Zwar sieht EZB-Präsident Mario Draghi noch keine Deflationsgefahr, wie er auch am Donnerstag wieder betonte, doch das Thema stetig fallender Preise hat es in die öffentliche Diskussion geschafft.

Denn trotz aller besänftigenden Worte sind die Ökonomen von Barclays über Morgan Stanley bis hin zu JP Morgan Chase besorgt, dass Draghi dieselben Fehler wiederholen könnte wie einst die Bank of Japan – nämlich die Deflationsgefahr öffentlich herunterzuspielen, um dann letzten Endes quantitative Lockerungsmaßnahmen einzuführen.

Im Januar 1998 hatten die japanischen Währungshüter in ihrem Monatsbericht vollmundig verkündet: „Derzeit gibt es keinen Grund zu erwarten, dass die Preise insgesamt scharf fallen und einen deflationären Druck auf die Gesamtwirtschaft ausüben werden.“ Doch diese Einschätzung stellte sich schnell als falsch heraus. Die japanischen Verbraucherpreise ohne Berücksichtigung von Lebensmitteln fielen und fielen. Der Trend sollte die nächsten 15 Jahre bestimmen.

Der Schaden für die japanische Wirtschaft ist immens: Sie fiel sogar hinter China zurück, weil sich Unternehmen und Verbraucher in Erwartung immer niedrigerer Preise zurückhielten. Japans nicht preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt war vergangenes Jahr zehn Prozent niedriger als auf dem Höhepunkt im Jahr 1997.

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  • Deflation ist in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation eine Schimäre. Sie wird von der EZB/Draghi aus der Mottenkiste gezogen, um die Fortsetzung der losen Geldpolitik und der andauernd zu niedrigen Zinsen zu rechtfertigen. Bei Rückkehr zu einem normalen Zinsniveau käme es zum Serienbankrott der überschuldeten Staaten!

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