Anlagestrategie in der Eurokrise
„Es könnte große Verwerfungen geben“

Die Schuldenkrise in Europa besorgt die Anleger. Vermögensverwalter Christian Fendt erklärt im Interview, wie Anleger ihr Vermögen in Sicherheit bringen können, welche Aktien und Rohstoffe attraktiv werden und warum langfristig selbst deutsche Staatsanleihen unter Druck geraten können.
  • 3

Herr Fendt, die europäische Schuldenkrise besorgt die deutschen Geldanleger. Wie groß können die Auswirkungen für das Vermögen sein?

Die Auswirkungen können sehr groß sein. Wir schätzen die Lage eher negativ ein. Kurzfristig lassen sich die Systemfehler bei den Währungen und die Probleme bei Banken und Staatsfinanzen wahrscheinlich kaschieren. Langfristig müssen aus unserer Sicht einige der Krisenländer umschulden.

Warum sind Sie so pessimistisch?

Die volkswirtschaftlichen Daten von Griechenland als Beispiel sind einfach verheerend. Die Schuldenquote ist sehr hoch, das Land steckt seit neun Quartalen in der Rezession. Dazu kommt das Sparprogramm. Die Löhne sinken im zweistelligen Prozentbereich und die Steuern und Lebenshaltungskosten steigen. Ich weiß nicht, wie das Land wieder auf die Beine kommen soll. Und ob die Bürger in den nächsten Dekaden Regierungen wählen, die den drakonischen Sparkurs weiterhin unterstützen ist alles andere als sicher. Auch nicht in Portugal, Irland oder Spanien. Das Problem: Wir haben den Punkt, an dem eine Umkehr noch möglich war, bereits überschritten.

Wann könnte sich die Krise zuspitzen?

In den nächsten zwei bis drei Jahren dürften Politiker und Notenbanker alles versuchen, das Währungs- und Finanzsystem zu stabilisieren. Die Probleme dürften dadurch aber nicht gelöst werden. Danach könnte es große Verwerfungen geben. Alle müssen dann letztendlich dafür bezahlen: Die Einwohner der Schuldenstaaten, weil sie durch die Sparprogramme Lebensstandard, Vermögen und Altersvorsorge verlieren. Die Einwohner in den solideren Staaten, weil mit ihrem Geld Garantien für Staaten und Rettungen von Banken finanziert werden.

Welche Anlageklassen empfehlen Sie vor diesem Hintergrund eher nicht?

Bei einem solchen Szenario - und auch aufgrund der stärkeren Regulierung und der Bankenabgaben - dürften Aktien und Anleihen von Banken und Versicherern natürlich langfristig stark unter Druck geraten. Ebenfalls Staatsanleihen, auch deutsche. Früher lag die Rentenquote bei konservativen Depots bei mehr als 50 Prozent. Heute empfehlen wir maximal 20 bis 30 Prozent.

Seite 1:

„Es könnte große Verwerfungen geben“

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Anlagestrategie in der Eurokrise: „Es könnte große Verwerfungen geben“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Oje Herr Fendt.
    Noch so ein Dummchen von der Wirtschaftsschule.
    Griechenland steckt also in einer Resession, wie interessant.
    Wie haben Sie das gemessen ?
    Oh, die Zahlen sinken, die Zahlen die sie erfasst haben.
    Ja welch ein Wunder aber auch.
    Wie soll denn bitteschön sonst das Gleichgewicht zwischen Deutschland und Griechenland hergestellt werden ?
    Hätte Griechenland die Drachme, würde diese abgewertet.
    Nun hat es den Euro, kann also nicht abwerten.
    Es kann auch nicht nur die Steuern erhöhen, also höhere Preise zu den höheren Löhnen, denn dann wären importe ja nach wie vor eher billig für das Volk und würden auf Kredit gekauft werden müssen, denn deren Exporte blieben gering weil zu teuer.
    Es MUSS also über Lohnabsenkungen erfolgen, es MUSS über geringeren Umsatz durch weniger importe erfolgen, es MUSS als durch eine Absenkung der Zahlen erfolgen, die Dummchen wie Sie als Rezession deuten. Es ist nur das Platzen der balse über seine Verhältnisse gelebt zu haben.

    SPERRT DiE DUMMEN PLATTERMÄULER, DiE UNS iN DiE KRiSE GERiTTEN HAbEN, ALLE EiN!

    Umnd bringt ihnen dann Grundlagen der Wirtschaft bei verbundene Währungssystem bei.
    Und lasst sie erst raus, wenn sie diese verstanden haben.

  • Ordentlich analysiert - aber etwas rohstofflastig. berücksichtigt man die aktuelle vor allem investmentbankgetriebene Rohstoffblase, so wäre auch noch Gold ein gewagter Tip. Liquidität ist gut wegen der deflatorischen Tendenzen, die z.Zt. stärker sein sollten als inflatorische - aller Fed-bemühungen zum Trotze. EU und USA laufen eher in eine Deflation und damit werden alle Assets tendenziell billiger. Die treibenden Kräfte aus vor allem China werden nachlassen und preisberuhigend wirken. Grad im Moment scheint daher bares allein Wahres zu sein.

  • Die Europa zerstörende Pleitewährung Euro muss abgewickelt werden. Sie verhindert jegliche wirtschaftliche Gesundung der Krisenstaaten und ist eine schwere Last der noch Gesunden. Die Desasterwährung untermeniert jegliches Zusammengehörigkeitsgefühl in Europa. Sie hetzt die Völker aufeinander, die um ihren Wohlstand und ihre Zukunft fürchten. Wir müssen endlich über einen geordneten Ausstieg nachdenken. Dies ist lebensnotwendig für Deutschland, aber auch für die in Schulden erstickenden Krisenländer. in kann jeden demonstrierenden Protestler in Griechenland oder irland verstehen. Die Länder brauchen eine Währungsabwertung, sonst hinterlässt der Euro verbrannte Erde und eine Generation junger Menschen, die sich hoffnungslos und zornig Extremen hingeben werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%