Anlagestrategie
Mehrwert durch Flexibilität

Die alleinige Aufteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen nach bestimmten Vorgaben bringt noch keinen überdurchschnittlichen Erfolg - und aktiv verwaltete Depots schneiden im Vergleich besser ab als passive Portfolios. Ein Gastbeitrag der Bank M. M. Warburg.
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Viele Ansätze im Asset Management beruhen auf der Annahme, dass die langfristige strategische Ausrichtung eines Portfolios der Haupttreiber der Wertentwicklung ist. Dabei bewirkt allein die Verteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen nach strategischen Vorgaben noch keinen überdurchschnittlichen Erfolg.

Dies zeigt eine Untersuchung des Investment Researchs von M. M. Warburg & Co. Auf Basis der Wertentwicklung von 14 verschiedenen Assetklassen und Märkten für den Zeitraum von 1999 bis 2009 haben Experten die Entwicklung Tausender verschiedener Musterportfolios simuliert. Dabei wurde jede Portfoliostrategie durch monatliches Rebalancing über einen Zeitraum von zehn Jahren konstant gehalten. Handelsübliche Kosten, die durch Anpassungen sowie aufgrund von Gebühren für ETFs sowie Indexzertifikate anfallen, flossen in die Berechnung ein. Im Durchschnitt betrug die Jahresperformance der jeweiligen strategischen Allokation nach Kosten 4,8 Prozent. Selten betrug der Wertzuwachs mehr als sieben Prozent per anno, und häufig lag die durchschnittliche jährliche Rendite unter drei Prozent.

In den meisten Fällen war die Volatilität der strategischen Allokation so hoch, dass die resultierende risikoadjustierte Wertentwicklung über den Zehn-Jahres-Zeitraum auf einem enttäuschend niedrigen Niveau lag. Um im Jahr 1999 ein "goldenes Händchen" zu beweisen und die beste Allokation zu wählen, hätten sich Investoren für ein nicht diversifiziertes Portfolio entscheiden müssen: Diese Anleger hätten fast ausschließlich auf Staatsanleihen mit langen Laufzeiten und eine Goldbeimischung gesetzt. Solch eine Depotstruktur dürfte aber in den kommenden Jahren vermutlich wenig erfolgreich sein.

Die Schlussfolgerung: Nicht das passive Festhalten an einer strategischen Allokation, sondern das taktische und aktive Abweichen von der strategischen Allokation ist der Schlüssel für ein erfolgreiches Portfoliomanagement.

Dabei soll die Bedeutung der strategischen Allokation als Anker für die taktische Ausrichtung zwar nicht unterschlagen werden. Doch die Experten kommen zu dem Ergebnis, dass die strategische Allokation in der Vergangenheit systematisch überschätzt wurde. Die Untersuchung zeigt: Statt der dominierenden Wirkung der strategischen Allokation sind allenfalls 30 Prozent der langfristigen Wertentwicklung eines Portfolios auf die strategische Allokation zurückzuführen.

Erst das aktive Management generiert den Mehrwert. Kunden sollten daher darauf achten, dass Vermögensverwalter einen Investmentprozess implementieren, der genug Raum für ein aktives Management lässt. Fehlt im Allokationsansatz dagegen eine glaubwürdige dynamische Komponente, wird nicht nur Renditepotenzial verschenkt, sondern in bestimmten Marktphasen auch die Möglichkeit vergeben, Risiken zu reduzieren. Für das starre Festhalten an vermeintlich effizienten Allokationsstrukturen sollten Kunden nicht mehr bereit sein, hohe Gebühren zu zahlen, zumal viele Ansätze zur Herleitung einer vermeintlich effizienten Allokation in den vergangenen Jahren kläglich versagt haben. Der Mythos, der sich nach wie vor um die Bedeutung und Leistungsfähigkeit einer strategischen Allokation und eines damit einhergehenden passiven Investmentansatzes rankt, lässt sich nicht aufrechterhalten.

Christian Jasperneite ist Chief Investment Officer bei M. M. Warburg & Co.

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