Anlagestrategie
Mensch schlägt Maschine

Computergesteuerte Fonds gelten am Devisenmarkt normalerweise als sichere Gewinner. Doch das Hin- und Her der Geldpolitik der großen Notenbanken setze neue Vorzeichen. Wieso menschliche Trader die Computer schlagen.
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Sie rechnen schnell, sie rechnen genau und sie sind frei von Gefühlen: Wenn es ums Kapitalmanagement geht, sind Computer ihren Konkurrenten aus Fleisch und Blut in mancher Hinsicht überlegen. Doch nicht immer ist ein schneller Rechner von Vorteil, wie ein Vergleich von computergesteuerten Devisenfonds und von Managern verwalteten Fonds zeigt.

So haben Devisenfonds, die für ihre Handelsentscheidungen Computermodelle einsetzen, in diesem Jahr etwa 0,9 Prozent zugelegt. Dagegen kommen Fonds, die Menschen investieren lassen, auf ein Plus von 2,5 Prozent. Das ist der größte Ertragsunterschied seit 2008, zeigen die Daten der US-Beratungsgesellschaft Parker Global Strategies.

Computergesteuerte Fonds, auch “Quants” genannt, werden seit den 1990er Jahren immer beliebter. Heute sind sie sogar verbreiteter als der herkömmliche Devisenhandel, bei dem Menschen die Geldströme lenken. Von den 43 Devisenfonds, die Parker Global beobachtet, werden 27 von Computermodellen gesteuert. Und: Bis zu diesem Jahr haben Quants auch besser abgeschnitten als ihre menschlichen Gegenspieler. Seit die Beratungsgesellschaft 1986 mit der Sammlung der Daten begann, haben diese Fonds einen durchschnittlichen jährlichen Ertrag von 10,7 Prozent eingebracht. Fonds, die von Managern gesteuert wurden, nur ein Plus von 8,6 Prozent für Fonds vorweisen.

Was ist in diesem Jahr also anders? Die Quants sind verwirrt. Das Hin- und Her der Geldpolitik der großen Notenbanken ist den kühlen Computer-Investoren ein Rätsel. Die Ansage des US-Notenbank-Chef Ben Bernanke, die lockere Geldpolitik der Fed zu drosseln, hat die systematischen Fonds auf dem falschen Fuß erwischt. Denn gleichzeitig sagten die Notenbanker in Europa und Japan ihren Volkswirtschaften weitere Unterstützung zu.

Diese Geldpolitik hat dazu geführt, Währungen und Zinsen stark schwankten, wie seit einem Jahr nicht mehr. Den Computer- Algorithmen ist das ein Graus, sie mögen Beständigkeit, vertraute Zusammenhänge und etablierte Handelsmuster. „Die Zentralbanken sind zu Insiderhändlern am Devisenmarkt geworden. Das ist ein Paradigmenwechsel, den systematische Händler nicht so gut aufnehmen können wie fundamentale Händler”, erklärt Richard Olsen, Gründer der Züricher Forschungsgesellschaft für Finanzmathematik Olsen. Er entwickelt seit 1986 Modelle für den Devisenhandel.

Kommentare zu " Anlagestrategie: Mensch schlägt Maschine"

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  • @Programmierer
    Wieso sollte es ein Automatismus sein, mit Hochfrequenzhandel Gewinne zu erzielen? Diese Aussage ist hoechst fragwuerdig und basiert wohl nicht auf eigener Erfahrung oder Kenntnissen.

    Der Hochfrequenzhandel ist dem Margendruck staerker ausgesetzt als z.B. Volkswagen, da es keine Markenloyalitaet etc. gibt.

    Und was genau macht der Computer wenn ploetzlich die SNB den CHF an den EUR bindet? Oder die BOJ den JPY massiv schwaecht? Vielleicht Gewinn, vielleicht Verlust. Nicht gut.

  • @Globalyze

    Ich bin zwar (schon alleine aufgrund meines Berufs) von quantitativer und auch fundamentaler Analyse ueberzeugt, trotzdem darf man die Schwaechen nicht verheimlichen. Das Paradebeispiel fuer ihren Fall waere das Equity-Market-Neutral Quant-Quake im Sommer 2007.

    Es gibt sehr wohl einige (Publikums-/Hedge-) Fonds, die quantitative Fundamentalanalyse betreiben. Haeufig sind das Warren Buffet Anhaenger. Im Hedgefondsbereich waere das z.B. Equity-Market-Neutral. Letzteres ist aggressiver als ihre Strategie, da auch eine Short-position nach Fundamentalfaktoren aufgebaut wird, um so das Beta des Marktes komplett zu eliminieren. D.h. ihre Strategie ist vom Prinzip die Kombination von Long DAX + Equity-Market-Neutral Investment.

    Und hier kommt das Problem: wenn viele Fonds die gleichen Faktoren nutzen, gibt es einen "overcrowding" Effekt. Viel Geld wird nach aehnlichen Prinzipien investiert, z.T. mit Hebel. Die Renditeerwartungen sinken. Sobald diese Prizipien nicht ganz so gut funktionieren, oder jemand eine groessere Position aufloesen moechte, kommt die Performance dieser Faktoren stark unter Druck. Man verliert Geld, weil ANDERE mit der gleichen Strategie ihre Investments verkaufen (muessen? siehe Hebel). Das ist beim Quant-Quake 2007 passiert.

    Die eigentliche Kunst ist allerdings die sehr kreative Buchfuehrung mancher Unternehmen mit einem solchen Modell zu durchschauen.

  • Die Maschinen werden gewinnen. Einige wenige die sich Hochfrequenzrechner mit Algotrading leisten können fahren gute Gewinne ein.
    Es geht zu wie in einem Casino,aber solange Draghi billiges Geld in den Markt pumpt funktioniert das.

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