Anlagestrategie
Nebensaison für Nebenwerte

Das erhoffte Frühlingserwachen mitten im Sommer fiel aus. Was wiederum tief blicken lässt über das aktuelle Ansehen von Nebenwerten in Deutschland.

FRANKFURT. Als vor zwei Wochen plötzlich leichte Aufbruchstimmung an den Börsen herrschte, wuchsen die Kurse der Nebenwerte weit weniger stark als die der Börsenschwergewichte. Und das, obwohl sie vorher schon deutlich mehr verloren hatten. "Die mittlerweile günstigen Bewertungen sind noch kein Einstiegssignal" heißt es dazu beispielsweise von Seiten der WestLB.

Hintergrund ist ein derzeit äußerst kompliziertes Zusammentreffen einer sich verlangsamenden Konjunktur, einer von Haus aus geringen Liquidität bei Nebenwerten und einer Anlegerstimmung, die gegenüber Titeln aus MDax, TecDax und SDax kaum schlechter sein könnte. Dabei sind beispielsweise die 50 Titel aus dem MDax, die sich bis vor rund einem Jahr gerade bei ausländischen Investoren noch großer Beliebtheit erfreuten, inzwischen so günstig wie in den zwei Rezessionsquartalen von Anfang Oktober 2002 bis Ende März 2003. Jedoch befindet sich die deutsche Wirtschaft nicht wie damals in einer Phase der Beschleunigung von niedrigem auf hohes, sondern in einer Verlangsamung auf sehr hohem Niveau, heißt es von der WestLB zur Begründung.

Wie aus der Mode gekommen diese Werte sind, zeigen die Handelsumsätze der letzten Wochen in den Nebenwerte-Indizes. Gegenüber der Phase vor einem Jahr sind sie beispielsweise gerade im MDax und SDax um rund die Hälfte gesunken. Ein Trend, an dem sich in der noch rund sechs Wochen laufenden Urlaubszeit kaum etwas ändern dürfte. Einzig an Tagen, an denen die Börse plötzlich Purzelbäume schlägt vor Freude, schießen die Umsätze auch bei den Nebenwerten nach oben. Das dürfte Experten zufolge jedoch bis auf weiteres die Ausnahme bleiben.

Schließlich lässt die noch immer sehr unsichere Marktlage die Anleger gerade bei kleineren Werten sehr vorsichtig sein. "Die Risikoaversion dürfte Anleger dazu bewegen, sich Blue Chips zuzuwenden, die zudem mit einem Risikoabschlag gegenüber Gesellschaften mit kleiner und mittlerer Kapitalisierung gehandelt werden", heißt es von Seiten der Schweizer Privatbank Syz & Co.

Schließlich ist die gegenwärtige Verfassung der Märkte alles andere als ermutigend. Die Investment-Manager von ING gehen gar davon aus, dass 2008 als eines der schwierigsten Jahre für Aktien in die Wirtschaftsgeschichte eingehen wird. Das dürfte das Interesse an Nebenwerten erst recht nicht schüren.

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