Anlagestrategie

Nur Bares ist Wahres

Immer mehr Privatanleger und Unternehmen horten ihr Geld auf Konten, statt es zu investieren. Die Unsicherheit breitet sich aus; fast so wie zu Zeiten der Lehman-Pleite. Selbst Profiinvestoren gehen auf Nummer sicher.
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Die Geldeinlagen auf deutschen Konten haben sich in innerhalb von einem Jahr um zehn Prozent erhöht. Quelle: dpa

Die Geldeinlagen auf deutschen Konten haben sich in innerhalb von einem Jahr um zehn Prozent erhöht.

(Foto: dpa)

FrankfurtWarren Buffett gilt als Mann der Tat. Wie kein anderer Investor liebt er es, die Märkte zu bewegen. Derzeit aber sieht sich Buffett zur Enthaltsamkeit gezwungen. Seine Investmentholding Berkshire Hathaway hortet immer mehr Bargeld. Im zweiten Quartal 2012 waren es schon 40,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Damit verhält sich der weltbekannte Investor so wie eine wachsende Zahl von deutschen Anlegern, Unternehmen und Pensionsfonds. So hatten die privaten Haushalte laut Statistik der Bundesbank zuletzt 785 Milliarden Euro als jederzeit verfügbare „Sichteinlagen" auf ihren Tagesgeldkonten liegen - 8,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Deutsche Unternehmen parkten im Juni immerhin 270,5 Milliarden Euro auf Tagesgeldkonten, ein Plus von zehn Prozent binnen Jahresfrist. Institutionelle Investoren wie etwa Pensionsfonds erhöhten ihr jederzeit mobilisierbares Geld von 23 auf 29 Milliarden Euro. Insgesamt liegen auf deutschen Girokonten jetzt schon 1,3 Billionen Euro.

Und das, obwohl der durchschnittliche Zinssatz auf Tagesgeld nach Angaben der Bundesbank auf 0,77 Prozent gesunken ist und die Inflationsrate zuletzt bei 1,7 Prozent lag. „Es weiß einfach keiner mehr so recht, wohin mit seinem Geld", erklärt Peter Barkow, Kapitalmarktexperte bei Barkow Consulting in Düsseldorf, die Bereitschaft der Anleger, selbst kleinere Vermögensverluste hinzunehmen. Die Bargeld-Strategie ist aus der Angst geboren.

Damit weist die derzeitige Euro-Schuldenkrise Parallelen zur Situation nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 auf. Damals hatten sich die Barreserven allerdings um fast 30 Prozent erhöht - die Angst der Anleger vor einem Zusammenbruch des Weltfinanzsystems war groß.

Allein im ersten Halbjahr 2012 zogen Anleger aus deutschen Aktienfonds 5,2 Milliarden Euro ab, wie der Fondsverband BVI mitteilte. Die Bargeld-Strategen sind derzeit in der Überzahl. Ihr Motto lautet: Parken und warten. Ein Überblick, wohin das Geld der Deutschen in den letzten Wochen und Monaten geflossen ist.

Die Tagesgeldkonten sind prall gefüllt
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20 Kommentare zu "Anlagestrategie: Nur Bares ist Wahres"

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  • Auch ich gehöre zu den Verunsicherten, die nicht mehr wissen, was zu tun ist. O.k., habe in eine weitere Mietimmobilie investiert, obwohl ich selbst zur Miete wohne. Dies jedoch vor allem wegen der Extrembesteuerung von Einkommen in DE. Und der Nachteil der Immobilie ist klar. Sie ist immobil und kann somit nicht vor dem Zugriff des kleptokratischen Staates geschützt werden.
    Aktuell arbeite ich in einigen Ländern Südostasiens und ärgere mich schwarz darüber, dass ich nicht zu Beginn meines Projektes größere Mengen Bargeld hier hin geschafft habe. Die Geldautomaten haben alle in blödes Limit. Jetzt ist es zu spät, da der Euro schon gegenüber allen Währungen hier massiv in die Knie gegangen ist.
    Und bei Gold habe ich die Angst, dass die Regierung des größten Gold-"Verbraucherlandes" der Welt, nämlich Indien, bald auf dumme Gedanken kommt.
    Ihr Hinweis mit dem Essen lässt mich allerdings zu dem Schluss kommen, dass man vielleicht tatsächlich in Ackerland und Forstwirtschaft investieren sollte. Es muss ja nicht in der sozialistischen EUdSSR sein, wo auch dieser Bereich hochgradig reguliert ist oder bald reguliert sein wird.

  • Zitat: "Nur Bares ist Wahres"

    Ach, so? Deshalb kauft Siemens auch für 3 Milliarden eigene Aktien und Shell haut ab aus dem Euroraum!?

    Der DAX steigt kräftig bzw. der Euro fällt kräftig.

    Und das "Handelsblatt" sagt: "Nur Bares ist Wahres".

    Ja nee, is klar. Wer von nichts eine Ahnung hat, darf beim Handelsblatt anfangen und das bedruckte Papier einer Zone empfehlen, die sich gerade in der Auflösung befindet.

    Griechische Staatsanleihen zu kaufen war ja auch eine tolle Idee des Handelsblatt.

  • was ist Geld?

    NUR Gold = Geld, alles andere ist ein "Schein"....

    Infos?...hier: http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1162588-6661-6670/gold-silber-die-aktuellen-charts-sie-steigen-weiter

    Gruß M

  • Hä? Verstehe Ihren Kommentar nicht. Ich habe von Inflation nichts geschrieben, geschweige denn widersprüchliche Aussagen gemacht, die einer Entscheidung bedürfen. Meine Aussage war: liquides Giralgeld ist weder Wahres geschweige denn Bares, aber immerhin Voraussetzung, um beim Bank Run mitmachen zu können. Oder?

  • Eieiei, in einem gewissen Grundtenor mögen Sie sicher recht haben, trotzdem verallgemeinern Sie und das in einer ziemlichen Gossensprache. Was hat man Ihnen angetan? Sind sie Amoklaufgefährdet? Lesen wir nächstes Jahr von Ihnen in der Zeitung? Mir scheinen das erste Anzeichen zu sein

  • Ist Bares wirklich "auf Nummer sicher gehen?"
    Wenn unser Finanzsystem mal "ins rutschen kommt" dann nützt Bares auf dem Konto auch nichts mehr. Stichwort: Währungsreform. Wer glaubt dass Deutschland seine Schulden jemals zurückzahlen kann? Deutschland kann es schon seit Jahtzehnten nicht!

  • "Geld auf (Giro- und Tagesgeld-)Konten verdient wohl kaum die Bezeichnung "Bargeld". Letztlich sind es ja nur Versprechen auf Geld." - Endlich wird es gesagt! Das man im Handelsblatt Bargeld mir Giralgeld verwechselt, finde ich schon ziemlich arg. In meinem Bekanntenkreis hortet man wirkliches Bargeld, man hat also Schließfächer und glaubt, dass ein paar Euro-Rettungschleifen noch drin sind. Man fürchtet sich eher vor Auzahlungslimtierungen, oder Bargeldverboten wie schon in einigen Südländern. Die von dem Artikel so superklug empfohlenen Assets (Immobilien etc.) sind nach dem Run der letzten Jahre in die Sachwerte inzwischen so hoch, dass sie eine todsichere Möglichkeit darstellen, gleich 30% des Geldvermögens in die berühmte Tonne zu werfen - dann lieber 1,7% Inflation im Jahr und das eigene Pulver bis in die kommende Rezession (oder bis die Zwangsabgaben kalkulierbar sind) trocken halten.

  • 17 Jahre lang haben sie die EU für eine Offenbarung gehalten und alles EU-kritische bis aufs Messer bekämpft. Manipuliertes Grundgesetz, Schengen, Maastricht; Lügen, Betrug, Korruptheit - alles scheißegal.
    Erst, als es ums Geld ging, da haben sie sich auf die Hinterbeine gestellt und das Netz mit ihren schwachsinnigen Sozialismus-Theorien überschwemmt. Dabei haben sie den Oligarchenfreak Bukowski vorher auch bekämpft. Erst, als er ihnen zweckdienlich erschien, sind sie ihm hinten rein gekrochen! Und wohin die Sozialismus-Schwadronierer steuern, ist sonnenklar - noch mehr Sozialdarwinusmus, noch mehr Faschismus. Von wegen, das seien die Guten!

    Und nun laufen sie wieder den Heilspredigern [...] hinterher, Eichelburg, Ulfkotze, Sarrazin, Leuten, die nicht minder narzistisch und käuflich sind wie Kohl, Schröder, Merkel. Mit Gold kann man sein wertloses Leben mit Garantie nicht retten.

    Geld, Geld, Geld, und am Ende werden sie wegen ihrer Geldgeilheit krepieren, weil ihr Nazi-Wesen einfach nicht auszurotten war. In diesem ganzen Internetsumpf, den sie natürlich auch für eine Offenbarung halten, ist nichts Vernunftbegabtes zu finden!

    [...]

    [+++Beitrag von der Redaktion editiert+++]

  • Gold ist Geld, das merken Sie spätestens nach der Währungsreform. Wenn Sie meinen, dies wäre Verschwörungstheorie, dann schauen Sie doch mal auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten und den Schuldentsunami. Das ist die Realität, der Rest "Wishful Thinking".

  • Ich verzock mich doch nicht (mehr)! Eine Anlage in Unternehmens- und Rohstoffaktien auf dem durch Hochfrequenztradingprogrammen und den durch Zentralbanken auf's äußerste manipulierten Markt. Da lachen sogar die Hühner - dort kann man nur verlieren. Neben Giro- und Tagegeldkonten, einer Investition in die selbstbewohnte Immobile und Edelmetalle, mehr bleibt da nicht. Für alle die zuviel Penunzen haben, vertrauen Sie auf die gefakten Pressemeldungen, denn "Der Deutsche (" Anmerkung: den Deutschen gibt es nicht mehr, es muss heißen: Der EUtsche) investiert vermehrt in Aktien. Dann haben Sie sehr bald keine Penunzen mehr.

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