Anlagestrategie
Ohne Risiko keine Rendite

Das Dilemma ist zwar nicht neu, aber noch immer groß: Mit vermeintlich sicheren Anlagen wie Bundesanleihen, Tages- oder Festgeld ist nichts mehr zu holen. Was Experten ihren Kunden raten.
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DüsseldorfIn Zeiten von extremen Niedrigzinsen herrscht Anlagenotstand, zumindest bei einem bestimmten Anlegertyp: Investoren, die auf Nummer sicher gehen wollen, aber auf eine Rendite oberhalb der Inflationsrate nicht verzichten wollen, stellen für Vermögensverwalter derzeit eine besondere Herausforderung dar.

Deutsche Investoren gelten generell nicht gerade als risikofreudig. Im Gegenteil: Die geplatzt Internetblase zu Beginn des Jahrtausends, die Finanzkrise nach der Lehman-Pleite und schließlich die Euro-Schuldenkrise haben Spuren im Anlageverhalten hinterlassen. Viele Investoren scheuen Produkte oder Anlageklassen, die in ihrem Wert schwanken könnten. „Die Risikoaversion der Anleger hat in den vergangenen Jahren markant zugenommen“, sagt Andreas Grünewald, Gründer und Vorstand der Münchner Vermögensverwaltung FIVV. „Waren die Anleger im Zuge der Aktieneuphorie zu Beginn des Jahrtausends zu risikofreudig, so hat das Pendel bis vor kurzem in die völlig entgegengesetzte Richtung ausgeschlagen.“

Und das ist in Zeiten von Minizinsen ein grundsätzliches Problem. Denn zehnjährige Bundesanleihen bringen gerade mal 1,7 Prozent, für fünfjährige Papiere gibt es nur 0,7 Prozent. Auch mit Tagesgeld ist nicht viel zu holen. Wer 5000 Euro anlegt, darf im Schnitt mit 0,8 Prozent Zinsen rechnen, wie die Frankfurter FMH Finanzberatung ermittelt hat. Nach Abzug von Inflation, Kosten und Steuern ein Minusgeschäft. „Es ist heutzutage nicht mehr möglich ‚ganz einfach und risikolos‘ eine Rendite zu erwirtschaften, die die Inflationsrate übersteigt“, sagt Carsten Mumm, Leiter Asset Management beim Bankhaus Donner & Reuschel. „Ganz im Gegenteil, zur Erzielung dieses erwarteten Ertrags müssen Risiken eingegangen werden.“

Auch Frank Naab ist überzeugt: „Deutsche Anleger müssen ihr Risikoverständnis überdenken“, sagt der Leiter Portfolio Management Private Banking beim Bankhaus Metzler. „Hierzulande erfreuen sich Tagesgeldkonten und Sichteinlagen großer Beliebtheit, weil die Bestände hier nicht schwanken.“ In Zeiten von Minizinsen schnurren die Erträge aber eben auf ein Minimum zusammen. „Der Wunsch nach höheren Renditen ist schwerlich vereinbar mit dieser ausgeprägten Übergewichtung von Nominalanlagen“, so Naab. „Vor allem Privatanleger sollten auf jeden Fall auch in Substanzvermögen investieren – dazu zählen neben Immobilien insbesondere Aktien.“

Auch die Experten von Donner & Reuschel empfehlen sicherheitsorientierten Anleger die Beimischung risikoreicherer Anlageklassen. „Dieser Schritt ist notwendig, um alleine den Realkapitalerhalt sicherstellen zu können“, sagt Mumm. Wichtig sei es, dass alle Anlageklassen aktiv gemanagt würden, um deren Risiken eng begrenzen zu können. Vom klassischen „Buy and Hold“ hält er wenig, da es oft hohe Gefahren birgt. „Wir passen beispielsweise je nach Marktsituation die Aktienquote zwischen null Prozent und dem kundenindividuellen Maximum an“, so Mumm. Er ist überzeugt, dass sich für Anleger, die bewusst offensiver investieren, weiterhin gute Möglichkeiten bieten – beispielsweise an den Aktienmärkten.

Kommentare zu " Anlagestrategie: Ohne Risiko keine Rendite"

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  • Wären wir hier beim sonntäglichen Doppelpass würde das
    Phrasenschwein jetzt überlaufen.
    Die haben genauso wenig Ahnung was in Zukunft passiert wie jeder andere auch.

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