Anlagestrategie
Profis wenden sich vom Aktienmarkt ab

Alternative Investments locken wieder die großen Anleger. Denn viele Profis misstrauen der Aktienhausse. Sie stecken ihr Geld lieber in Hedge-Fonds, Private-Equity, Rohstoffe und Immobilien. Ihre Abkehr von Aktien hat gute Gründe. Die wichtigsten Eckdaten im Überblick.

FRANKFURT. Nach dem kräftigen Aufschwung der Aktienmärkte richten Anleger ihr Augenmerk verstärkt auf alternative Investmentformen. Denn die Großinvestoren trauen der Aktienhausse nicht so recht. Sie legen ihr Kapital in Alternativen zu Dividendenpapieren und Staatsanleihen wie Hedge-Fonds, Private Equity, Rohstoffen oder Immobilien an. Die Profis wollen damit ihr Anlagerisiko streuen. Denn der MSCI-Weltaktienindex legte in den ersten acht Monaten des Jahres bereits um knapp 18 Prozent zu. Dagegen hat der Hedge-Fonds-Index von HFRX mit einem Plus von 8,6 Prozent noch Potenzial. Die Rohstoffpreise gingen in diesem Zeitraum - gemessen am CRB-Index - um 10,5 Prozent nach oben.

Die Abkehr von Aktien hat gute Gründe. "Alternative Anlagen können das Risiko-Ertragsverhältnis in einem Portefeuille nach wie vor deutlich verbessern", begründet Markus Stadlmann, Geschäftsführer der Harald Quandt Holding GmbH und Anlagechef der HQ Trust GmbH, den hohen Vermögensanteil, den das Unternehmen in Private Equity, Hedge-Fonds und Rohstoffanlagen hält.

Frühzeitig hatte die HQH ihre Aktienquote von zehn Prozent im März 2008 bis Oktober 2008 auf vier Prozent zurückgefahren. Inzwischen wurde der Aktienanteil in kleinen Schritten auf 13 Prozent aufgestockt, was im internationalen Vergleich der Asset-Manager sehr gering ist. Stadlmann sieht heute die besten Chancen in alternativen Investmentformen wie Unternehmensanleihen mit der Klassifizierung Investment Grade, in Private-Equity-Sekundärfonds und in Wandelanleihen.

Auch andere Investoren setzen auf alternative Anlagen. "Viele Institutionelle waren durch die Krise paralysiert, zeigen jetzt jedoch wieder größeres Interesse an diesen Investmentformen", sagt Alfred Gantner, geschäftsführender Vorsitzender der Partners Group, die vor allem im Bereich Private Equity aktiv ist. "Nach den Turbulenzen vergangener Monate bieten sich heute gute Investment-Gelegenheiten", sagt Gantner. Er beobachtet zunehmendes Interesse an der Anlageklasse Private Equity.

Bestätigt wird er in dieser Einschätzung durch die Aktivitäten des größten US-Pensionsfonds Calpers. Dessen Verwaltungsrat hat jüngst einer Aufstockung des Private-Equity-Anteils um vier Prozentpunkte auf 14 Prozent zugestimmt. "Wir wollen so neue Gelegenheiten nutzen", sagt Calpers-Sprecher Brad Pacheco. Der Aktienanteil wurde von 56 Prozent auf 49 Prozent gesenkt. Unverändert zehn Prozent sind in Immobilien investiert, der Rest in Anleihen und Liquidität.

Institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen werden per Gesetz in ihrer Investmentpolitik durch Anlagegrenzen in ihren Freiheiten beschränkt. Derzeit sollten diese Institute die Limits voll ausschöpfen, rät Magne Orgland, geschäftsführender Teilhaber der Bank Wegelin & Co in Sankt Gallen. "Nach dem starken Anstieg der Aktienkurse ist die Gefahr für Rückschläge hoch", sagt er. Ähnlich argumentiert Martin Mack, der einen kräftigen Aktien-Abschwung erwartet. Der Gründer und Vorstand des Hamburger Vermögensverwalters Mack & Weise sagt: "Wir haben unseren Aktienanteil stark zurückgefahren und sind zu mehr als 70 Prozent in kurz laufenden Staatsanleihen, in Edelmetallen und Edelmetallaktien investiert."

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