Anlagestrategie
Sicherheit ist wichtiger als bloße Rendite

Sicherheit ist Trumpf – dieser Devise, die an den Kapitalmärkten seit Mitte 2007 wieder Gültigkeit hat, werden auch im kommenden Jahr viele Anleger strikt folgen. Aber was ist eigentlich noch sicher? Und gibt es die sichere Anlage überhaupt noch?

FRANKFURT. Die Turbulenzen im Zuge der Subprime-Krise um zweitklassige Hypothekendarlehen in den USA haben gezeigt, dass längst nicht alles, was von den Banken als krisenfestes Investment verkauft wird, den Anlegern tatsächlich Schutz bietet. So kamen viele vermeintlich sichere Geldmarktfonds unter die Räder, weil ihnen die Fondsgesellschaften auf der Jagd nach Mehrrenditen forderungsbesicherte Wertpapiere beigemischt hatten, deren Preise in den vergangenen Monaten einbrachen, weil sie niemand mehr haben wollte.

Die gute Nachricht, die man Investoren trotz der Krise für das kommende Jahr mit auf den Weg geben kann, ist, dass es nach wie vor sichere Anlagen gibt. Die schlechte: Die Sicherheit hat ihren Preis. Besonders deutlich zeigt sich das am Anleihemarkt. Bundesanleihen – das Maß aller Dinge für Sicherheit am Rentenmarkt – werfen bei einer Laufzeit von zwei Jahren nur knapp vier, bei zehn Jahren 4,30 Prozent Rendite pro Jahr ab. Wer höhere Renditen haben will, muss dafür – anders als bei Anleihen von Staaten mit Spitzenbonität – das Risiko in Kauf nehmen, dass der Schuldner pleitegeht und das investierte Geld zum Großteil verloren ist.

Dieses Ausfallrisiko begrenzen Anleger, wenn sie zu Anleihen von großen Unternehmen greifen, die von den Ratingagenturen Noten im sicheren Anlagebereich (Investment-Grade) bekommen haben. Die Zinstitel von deutschen Blue Chips wie zum Beispiel Deutsche Telekom, Linde und Volkswagen rentieren bei Laufzeiten zwischen vier und sechs Jahren immerhin über fünf Prozent. Noch wesentlich beliebter – und derzeit oft auch attraktiver als Anleihen – sind bei den deutschen Privatanlegern seit Monaten Zinsanlagen auf Tages- oder Festgeldkonten. Für die Entwicklung macht Harald Norbisrath, Vertriebsleiter für private Kunden bei der Frankfurter Sparkasse, neben der Subprime-Krise die wieder attraktiveren Zinsen am Geldmarkt verantwortlich. „Für sichere Tages- und Festgeldanlagen erhalten Anleger mit aktuell in der Spitze vier bis fünf Prozent relativ viel“, sagt er. Da sei es verständlich, dass sich die verunsicherten Investoren von Anlagen mit vergleichsweise höherem Verlustrisiko fernhielten.

Langfristig ergibt ein solches „Vogel-Strauß-Verhalten“ Norbisrath zufolge aber keinen Sinn. „Nach Inflation und Steuern bleibt von einem Tagesgeldzins von rund vier Prozent im Jahr nichts übrig“, meint Norbisrath. Zu einer ausgewogenen Anlagestrategie gehört ein je nach Risikoempfinden größerer oder kleinerer Teil Aktien, sei es per Direktanlage, über Fonds oder Zertifikate.

Mit dem Sicherheitsstreben der meisten deutschen Anleger sind Aktien jedoch offensichtlich nicht vereinbar, obwohl sie auf lange Sicht mit rund acht Prozent die höchsten jährlichen Renditen erzielen. Dabei gibt es auch an der Börse viele Möglichkeiten, die Risiken zu begrenzen. Gerade im kommenden Jahr, das erneut von Unsicherheit geprägt sein dürfte, raten zum Beispiel viele Bankexperten zu Strategien, die das Risiko minimieren: Die WestLB etwa erwartet eine Renaissance dividendenstarker Werte. Und die Strategen der Citigroup empfehlen Anlegern, sich auf große, liquide Aktien von Unternehmen mit stabilen Erträgen und geringer Verschuldung zu konzentrieren.

Wie schon im laufenden Jahr, als beispielsweise der deutsche Standardwerteindex Dax deutlich besser lief als der Nebenwerteindex MDax, werden die sogenannten Big Caps ihrer Meinung nach an der Börse erneut die Nase vorn haben.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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