Anlagestrategie Warum ein Banker auf Familienfirmen abfährt

Die französische Finanzgruppe Oddo setzt bei Aktien auf den positiven Einfluss von Dynastien, denn der Mix aus Familienbesitz und Börse zahlt sich aus. Ein besonders wichtiges Kriterium: die Nachfolgeregelung.
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Das Familienunternehmen gehört zu den am besten geführten Konzernen in ganz Europa. Quelle: Reuters
Pharmahersteller Roche

Das Familienunternehmen gehört zu den am besten geführten Konzernen in ganz Europa.

(Foto: Reuters)

FrankfurtAngefangen hat alles im Jahr 1849 mit einem Aktienhändler in Marseille. Heute ist die französische Finanzgruppe Oddo & Cie in fünfter Generation immer noch mehrheitlich in Familienbesitz – und Firmenchef Philippe Oddo versteht sich deshalb auch als Experte für Unternehmen, in denen Familienstämme und Patriarchen das Sagen haben.

Für ihn zählt vor allem der langfristige Unternehmenserfolg, wie er am Dienstagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW) sagte. Konzerne mit Familienbeteiligungen müssten sich nicht so stark auf den kurzfristigen Quartalsgewinn konzentrieren. Gleichwohl schnitten sie besser ab als die übrigen Unternehmen an der Börse. Der Fonds „Oddo Generation B“, der sich auf Gesellschaften in Familienbesitz konzentriert, habe seit 1997 im Schnitt jährlich um 8,6 Prozent zugelegt, der französische Leitindex CAC40 dagegen nur um 4,2 Prozent.

Unternehmen, die stetig einen Teil ihrer Gewinne investieren und die eine stabile Eigentümerstruktur aufweisen, schneiden demnach besser ab als der Markt. „Familiengeprägte Unternehmen, die an der Börse notiert sind, verbinden die Vorteile aus zwei Welten: Zum einen ist die Strategie meist langfristig ausgerichtet und das Management ist nicht so stark auf einzelne Quartale fixiert. Zum anderen besteht trotzdem der Druck des Kapitalmarkts, profitabel zu arbeiten“, meint Ralf Zimmermann, Aktienstratege vom Bankhaus Lampe.

Die zehn größten Familienunternehmen der Welt
Platz 10: Groupe Auchan
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Die französische Supermarktkette Groupe Auchan gehört zum Imperium der Unternehmerfamilie Mulliez. Die Holding Association Familiale Mulliez (AFM) wurde 1955 von Francis Mulliez gegründet und wird heute von Thierry Mulliez geleitet. Die 1961 gegründete Groupe Auchan umfasst mehr als 800 SB-Warenhäuser sowie 820 Supermärkte in 16 Ländern der Welt.

Platz 9: Schwarz-Gruppe
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Die Schwarz Beteiligungs GmbH, der die Unternehmen Lidl und Kaufland gehören, ist der größte deutsche Handelskonzern. Das Familienunternehmen wurde im Jahr 1930 von Josef Schwarz gegründet, später dann von seinem Sohn Dieter Schwarz weitergeführt. 1999 zog dieser sich dann aus der Unternehmensleitung zurück und übertrug seinen Anteil steuersparend auf die gemeinnützige Dieter-Schwarz-Stiftung.

Platz 8: BMW
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Im Jahr 1916 wurde die Bayrischen Motoren Werke AG (BMW AG) gegründet, woran maßgeblich Karl Rapp und Gustav Otto beteiligt waren. Nach der Zweiten Weltkrieg stieg die Industriellenfamilie Quandt als Großaktionär bei BMW ein. Die BMW Group, Tochtergesellschaft der BMW AG, ist eines der größten Wirtschaftsunternehmen Deutschlands.

Platz 6: Cargill Incorporated
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Cargill ist ein multinationales Familienunternehmen mit Hauptsitz im US-Bundesstaat Minnesota. Es befasst sich mit Lebens- und Futtermitteln, nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbaren Energien. Nachfahren der Gründerfamilien Cargill und MacMillan besitzen heute etwa 85 Prozent des Unternehmens. Im Bild ist Cargill-CEO David MacLennan bei einem Projekt in Nicaragua zu sehen.

Platz 5: Ford Motor Company
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Die Ford Motor Company mit Sitz in Dearborn (USA) gehört zu den größten Autoherstellern der Welt. Der Ursprung des Konzerns geht auf die von Henry Ford in Detroit 1903 gegründete Fabrik zurück. Im Jahre 1955 wurde Ford eine Aktiengesellschaft.

Platz 4: Exor S.p.A.
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Das italienische Unternehmen, das bis zum Jahr 2009 unter dem Namen Istituto Finanziario Industriale (IFI) bekannt war, wurde 1927 von Giovanni Agnelli gegründet. Exor ist an verschiedenen Unternehmen finanziell beteiligt, unter anderem an Fiat und Fiat Industrial sowie Cushman & Wakefield. Im Bild ist Exor-Vizepräsident John Elkann zu sehen.

Platz 3: Berkshire Hathaway
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Berkshire Hathaway ist eine US-amerikanische Holdinggesellschaft, deren Aktivitäten sich über eine Vielzahl von Geschäftsfeldern erstrecken, darunter vor allem Erst- und Rückversicherung sowie daneben Schienengüterverkehr, Energieversorgung, Finanzdienstleistungen, produzierendes Gewerbe sowie Groß- und Einzelhandel. Vorsitzender ist der US-amerikanische Großinvestor und Multimilliardär Warren Buffett (Foto). Das Unternehmen ist an der New York Stock Exchange notiert.

Wichtigstes Kriterium für den Erfolg von Familienunternehmen ist für die Analysten von Oddo die frühzeitige Nachfolgeregelung. „In der Regel kann ein Vorstandschef nur dann Erfolge erzielen, wenn er das Unternehmen auch gut kennt. Wichtig ist zudem, dass der Vorstandschef maximal einen Aufsichtsratssitz in einer anderen Gesellschaft hat. Für mehr fehlt ihm die Zeit, wenn er ein guter Vorstand sein will“, sagte Oddo.

Wie schwer die Stabübergabe sein kann, erfährt Oddo derzeit auch im eigenen Haus. Bei seinen drei Töchtern und dem Sohn ist noch offen, ob sie die Banker-Dynastie in Zukunft führen wollen.

Wertsteigerung von 214 Prozent
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