Anlegen 2016: Teil 4 – China
Chinas Jahr der Finanzreformen?

2016 wird für China turbulent: Der Yuan reiht sich in den Club der Elitewährung des IWF ein, Peking hat den G20-Vorsitz und Staatschef Xi hat Reformen zur Chefsache erklärt. Anleger sollten dennoch auf der Hut sein.

PekingChinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hält alle Zügel in der Hand. Drei Tage lang konferierte er mit den wichtigsten Wirtschaftsentscheidern. Zum Abschluss der Tagung steht das Versprechen auf umfassende Finanzreformen im kommenden Jahr. Xi will den Finanzmarkt weiter liberalisieren lassen und mit einer lockeren Geldpolitik das Wachstum auf Kurs halten, verbreitete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Finanzprofessor Su Lijun von der Eliteuniversität Fudan in Schanghai erwartet ein Reformpaket im kommenden Jahr. „Es wird 2016 weitreichende Neuerungen geben. Es wird aber dauern, bis sie große Ergebnisse produzieren“, sagte Su dem Handelsblatt. „An erster Stelle steht der Umbau des Wirtschaftsmodells weg vom Export hin zu mehr Binnenkonsum“, betonte Su. Zudem müsse die Regierung Unternehmern mehr Entscheidungsspielräume gestatten. An letzter Stelle stehe der Ausbau des Dienstleistungssektors.

Peking hat sich einen weitreichenden Maßnahmenkatalog zugelegt. Die von der Tagung „Central Economic Work Conference“ aufgestellten Ziele reichen von der Entschärfung der Lage auf dem Immobilienmarkt, über die Bekämpfung der Überproduktion in vielen Branchen bis hin zur Reform des Systems zur Wohnortanmeldung, das bis heute die Stadtbewohner in zwei Klassen einteilt.

Auf der finanzpolitischen Agenda steht zudem für China der Aufstieg der Landeswährung Renminbi, auch Yuan genannt, zur globalen Reservewährung. Neben US-Dollar, Euro, britischem Pfund und japanischem Yen soll der Yuan von Oktober 2016 an zur Berechnung der „Sonderziehungsrechte“ des Internationale Währungsfonds (IWF) herangezogen werden, einer Kunstwährung, in der der IWF seine Geschäfte abwickelt.

Der Renminbi wird mit 10,9 Prozent im neuen Währungskorb eingehen und hält damit das drittgrößte Gewicht. Größter Verlierer ist der Euro, dessen Anteil von 37,4 Prozent auf gut 30 Prozent fallen wird. Für Peking ist die Aufnahme ein wichtiger Erfolg. Auch wenn er zunächst keine ökonomischen Auswirkungen hat, würdigt er die internationale Bedeutung der chinesischen Währung.

Und für die Volksrepublik gibt es einen weiteren Durchbruch. Nach Jahrelanger Blockade machte der US-Senat vergangene Woche den Weg für eine Reform der IWF-Stimmrechte frei. Schon vor fünf Jahren wurden die geplanten Veränderungen als historischer Akt gefeiert, werden aber erst jetzt langsam Wirklichkeit. Die Schwellenländer – allen voran China – sollen nun mehr Einfluss in der mächtigen Finanzorganisation bekommen. Es ist die größte Reform in der rund 70-jährigen IWF-Geschichte.

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