Anlegen 2016: Teil 5 – Unternehmensanleihen Mit Risiken und Nebenwirkungen

Das Niedrigzinsumfeld hat auch die Anleihen von Unternehmen voll im Griff. Wer noch etwas verdienen will, muss nach Ansicht von Experten auf riskantere Zinspapiere ausweichen. Doch die sind gefährlich.
In der bunten Welt der Bonds steigen die Ausfallgefahren. Quelle: dpa
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In der bunten Welt der Bonds steigen die Ausfallgefahren.

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FrankfurtAnleihen von Unternehmen haben Anlegern in diesem Jahr nicht viel Freude gemacht. Mit Bonds von Firmen mit guter Bonität ließ sich unter dem Strich weder in Europa noch in den USA etwas verdienen. Im Gegenteil: Die leicht gefallenen Kurse zehrten die Zinseinnahmen komplett auf, Anleger machten – gemessen an Indizes der Bank of America Merrill Lynch – leichte Verluste. Und wer jetzt einsteigt und die Papiere bis zur Fälligkeit hält, bekommt dafür im Euro-Raum im Schnitt eine Rendite von nur 1,5 Prozent.

Wer mehr Rendite will, muss auf höher verzinste Anleihen ausweichen. Gemeint sind damit Anleihen von Unternehmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität zubilligen. Die großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch drücken das in Noten von „BB+“ bis „CCC“ oder „D“ aus, wobei Schuldner mit einem C- oder D-Rating schon in Zahlungsverzug sind. Wegen des höheren Risikos werden diese Zinspapiere auch Junk-Bonds (Schrottanleihen) genannt.

Für diese Risiken bieten die Unternehmen höhere Renditen. Immerhin 5,3 Prozent gibt es derzeit im Schnitt für in Euro notierte Junk-Bonds. Das ist gut ein Prozentpunkt mehr als am Jahresanfang. Bei den Hochzinsanleihen sind die Kurse zwar deutlicher gefallen als bei den Anleihen von den kreditwürdigeren Unternehmen. Doch die höheren Zinsscheine fingen die Kursverluste locker auf – und die Papiere brachten es so im Schnitt in diesem Jahr auf einen Gesamtertrag von zumindest 1,3 Prozent.

In den USA war das allerdings anders. Hier machten Investoren mit Junk-Bonds einen Verlust von fast fünf Prozent. Das lag vor allem am gebeutelten Energiesektor. Der Verfall des Ölpreises ließ die Ausfälle von Unternehmen aus der Energiebranche nach oben schnellen. Mit Hochzinsanleihen aus dieser Branche verloren Anleger im Schnitt mehr als 20 Prozent.

Hohe Ausfälle bei US-Energiefirmen

Ausblick 2016: Wo liegen die größten Chancen und Risiken?

Das hat gute Gründe: Nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor’s konnten von den schwach bewerteten US-Unternehmen aus den Bereichen Öl und Gas in diesem Jahr in mehr als jedem zehnten Fall nicht mehr alle Zinsen gezahlt worden. Das macht die Investoren zunehmend nervös und sorgt für ernste Konsequenzen: So löste im Dezember das US-Haus Third Avenue wegen enormer Mittelabflüsse einen knapp 800 Millionen Dollar schweren Hochzinsfonds auf, zahlt Anlegern das Geld aber erst später zurück. Ebenso macht es die Hedgefonds-Gesellschaft Stone Lion Capital Partners mit einem 400-Millionen-Dollar-Fonds. Und auch Lucidus Capital Partners löst einen High-Yield-Fonds über 900 Millionen Dollar auf.

Das machte Investoren regelrecht Angst. Ken Leech, Chefanlagestratege bei Western Asset Management hält die Ängste jedoch für übertrieben. „Wir werden höhere Ausfälle sehen, besonders bei US-Öl und auch Minengesellschaften, aber nicht so viele, dass die gesamte Wirtschaft darunter leidet.“ So stiegen zuletzt auch wieder verstärkt Investoren bei Hochzinsanleihen ein. Entsprechend sank die Gesamtrendite am US-Markt leicht unter das Mitte Dezember erreichte Mehrjahreshoch von gut neun Prozent.

Die Zinserhöhung der US-Notenbank Fed am 16. Dezember belastete den Markt zunächst nicht. Im Gegenteil, sie macht sogar Hoffnung: „Möglicherweise lässt sich die jüngste Schwäche auf den Rohstoff- und High-Yield-Märkten mit einer gewissen Angst im Vorfeld der Fed-Sitzung erklären“, sagte Chris Iggo, Chefanlagestratege für Renten bei Axa Investment Managers kurz nach der Fed-Sitzung. „Daher könne es zu einer Erleichterungsrally kommen.“

Die großen Verluste in US-Hochzinspapieren gelten zudem nur für Dollar-Investoren. Der Anstieg des Dollars zum Euro sorgte dafür, dass Euro-Investoren, die ihre Währungspositionen nicht absicherten, mit dem breiten Markt einen Ertrag von mehr als fünf Prozent erzielten und mit Anleihen aus der Energiebranche „nur” 13 Prozent verloren.

US-Zinswende verschafft Vorteile für Euro-Schrottanleihen

Welche Krisen Investoren im nächsten Jahr beschäftigen
Der mögliche Austritt Großbritanniens aus der EU
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„Es bleibt unwahrscheinlich, dass das Referendum in Großbritannien in einem Ausscheiden des Landes aus der EU resultiert. Dennoch stellen die Unsicherheit über das Ergebnis und dessen Folgen für die Wertpapierkurse ein Risiko für die Finanzmärkte dar." (Larry Hatheway, Group Head of Multi-Asset Portfolio Solutions und Chefökonom der GAM).

Der mögliche Abspaltung Schottlands von Großbritannien
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„Eine Parallele dazu bildet das Schottland-Referendum. Die Marktauswirkungen könnten auch eine gewisse Schwäche des britischen Pfunds und der Finanzwerte beinhalten.“ (Larry Hatheway, Group Head of Multi-Asset Portfolio Solutions und Chefökonom der GAM).

Schwaches Wachstum in Europa
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„Die Wachstumskrise, unter der Europa leidet, ist immer noch ungelöst und könnte durch die Migrationskrise noch verschärft werden. Hinzu kommt, dass die Schuldenkrise in der Eurozone noch lange nicht gelöst ist. Dessen müssen sich die Anleger bewusst sein. Das Haushaltsdefizit vieler Länder verstößt immer noch gegen die Maastricht-Kriterien. Das gilt etwa für Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Dank der expansiven Geldpolitik werden die Schulden immer höher, während das BIP-Wachstum schwach bleibt.“ (Oliver Maslowski, Portfoliomanager für europäische Aktien bei GAM)

Ölpreis-Verfall
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„Meiner Ansicht nach bilden die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises im Nahen Osten das größte Risiko weltweit. Die Belastung macht sich bereits bemerkbar, und wenn der Preis niedrig bleibt, könnte dies durchaus zu Instabilität führen. In Saudi-Arabien beträgt das Haushaltsdefizit derzeit etwa 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), und die Regierung hat ein aggressives Programm zur Aufnahme von Schulden angekündigt.“ (Paul McNamara, Investment Director, Strategien für Schwellenländeranleihen, bei GAM).

Saudi-Arabien gerät unter Druck
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„Allerdings verfügt Saudi-Arabien, wie die meisten Länder in der Region, dank seines Staatsfonds über bedeutende Reserven für schlechte Zeiten. Im Iran ist die Situation weniger transparent, aber die Rendite von 26 Prozent für Inlandsanleihen deutet darauf hin, dass hier ebenfalls Probleme bestehen. Wir heben diese beiden Länder hervor, da sie zusammen knapp 20 Prozent der globalen Ölproduktion fördern.“ (Paul McNamara, Investment Director, Strategien für Schwellenländeranleihen, bei GAM).

Einkommensungleichheit
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„Die Einkommensungleichheit ist schon seit einiger Zeit ein wichtiges Thema, insbesondere in westlichen Ländern. Der Anteil der Besserverdienenden am Gesamteinkommen in der US-Gesellschaft bewegt sich auf Niveaus, die zuletzt am Ende der ,Wilden Zwanziger‘ zu beobachten waren. Die Unternehmen in den USA und in ganz Europa beginnen jedoch, die Löhne anzuheben, was sowohl auf die Knappheit an geeigneten Fachkräften als auch auf eine allgemeine Richtungsänderung der politischen Strömungen zurückzuführen ist. Das ist sicherlich eine gute Sache.“ (John Lambert, Investment Manager, globale und britische Aktienstrategien, bei GAM).

Mindestlöhne belasten Profitabilität der Unternehmen
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„Allerdings geht aus Studien zum US-Markt hervor, dass eine starke Erhöhung der Mindestlöhne negative Auswirkungen auf ein Drittel oder gar die Hälfte aller Unternehmen haben und ihre Rentabilität beeinträchtigen könnte. Da die derzeitige, schon lange andauernde Haussephase auf der Idee beruht, dass die historisch hohen Margen von Dauer sind, sehen wir hier ein erhebliches Risiko für die weltweiten Erwartungen.“ (John Lambert, Investment Manager, globale und britische Aktienstrategien, bei GAM.)

Dennoch setzen die meisten Banken und Fondsmanager bei Hochzinsanleihen eher auf Europa. Ein Grund dafür ist, dass es hier kaum Energieunternehmen mit Junk-Ratings gibt. Allzu viel dürfen Anleger aber nicht erwarten: Die Royal Bank of Scotland prognostiziert für das nächste Jahr Hochzinsanleihen einen Ertrag von 1,9 Prozent, Optimisten wie die Experten von HSBC rechnen sogar mit 4,8 Prozent.

Die Vorliebe für Europa liegt auch an der von der US-Notenbank eingeleiteten Zinswende. Im Euro-Raum dürften die höheren US-Zinsen den Markt nicht so sehr belasten, da die Europäische Zentralbank mit ihrer lockeren Geldpolitik gegensteuert. Hinzu kommt: Zinserhöhungen signalisieren auch eine bessere Konjunktur – und davon profitieren prinzipiell riskantere Anlageklassen – zu denen eben auch die Hochzinsanleihen gehören.

Ziemlich einig sind sich Experten dabei darin, dass europäische Hochzinsanleihen besser abschneiden sollten als Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität. Denn die Anleihen von soliden Firmen bringen Anlegern mit der durchschnittlichen Rendite von 1,4 Prozent nur noch sehr wenig. Hinzu kommt: Wenn die Renditen von Staatsanleihen anziehen, wovon die meisten Experten ausgehen, zieht das die Renditen von Unternehmensanleihen guter Bonität stärker mit nach oben als die der Hochzinsanleihen. Im Umkehrschluss heißt das: Die Kurse  der Zinspapiere von kreditwürdigeren Firmen dürften deutlicher fallen als die von Firmen mit geringerer Kreditwürdigkeit.

Bei den Hochzinsanleihen preist der Markt aber auch in Europa nach Meinung von Andreas Dankel, Chef-Portfoliomanager für Anleihen bei der dänischen Danske Invest zu hohe Ausfallrisiken ein. „Dieses Risiko wird also gut entgolten“, Andreas Dankel,: „So lange die Leitzinsen nicht steigen – und davon gehen wir im Euro-Raum frühestens 2018 aus – sind Hochzinsanleihen interessant: „Die Ausfälle werden niedrig sein – und die Unternehmen haben kein Problem sich über die Kapitalmärkte zu refinanzieren.“

Allerdings dürfte die Ausfallrate auch in Europa im kommenden Jahr steigen: Die Ratingagentur Moody’s rechnet dass im nächsten Jahr 3,6 Prozent aller High-Yield-Schuldner in Europa ihre Anleihen nicht bedienen werden. In diesem Jahr waren es 2,4 Prozent. Greg Venzilos, Research- und Investmentstratege bei Axa Investment Managers, macht der erwartete Anstieg ebenfalls keine Sorgen. Er hat ausgerechnet, dass in den vergangenen zehn Jahren die Risikoaufschläge der Hochzinsanleihen die tatsächlichen Ausfälle – mit Ausnahme des Krisenjahres 2008 – stets überkompensiert haben.

Wenn überhaupt, dann empfiehlt sich die Anlage in Fonds

Die Besten der Besten gekürt
Feri EuroRating Awards 2016
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Mit 40 Awards wurden so viele "Keulen", wie die Feri-Mitarbeiter liebevoll sagen, verliehen wie noch nie.

Feri EuroRating Awards 2016
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Gut 200 Gäste aus der Fondsbranche begrüßte Tobias Schmidt, Vorstandssprecher von Feri, bei der diesjährigen Preisverleihung.

Keynote
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Bevor es die begehrten Trophäen gab, sprach Diana Mackay, CEO Mackay Williams und Director Fund Buyer Focus, über die Zukunft der Fondsbranche.

Glücklicher Sieger
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Ferdinand Alexander Leisten (Mitte), Deutschland-Chef von Fidelity, erhielt den Preis für den besten Universalanbieter. Es gratulierten Tobias Schmidt, Vorstandssprecher der Feri Eurorating, und Jessica Schwarzer, Chefkorrespondentin Börse beim Handelsblatt.

Überzeugter Value-Anleger
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Hendrik Leber von Acatis nahm die Auszeichnung für die "beste Marke" entgegen.

Nominierte Gäste
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Wer bekommt die Awards? Wer hat die Jury überzeugt und warum? Alles eingeladenen konnten hoffen, denn sie gehörten allesamt zu den Nominierten.

Trophäe
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Der begehrte Award bekommt bei vielen Preisträgern einen Ehrenplatz, wie sie stolz berichteten.

Diese Rechnung funktioniert allerdings nur für den Gesamtmarkt. Anleger sollten deshalb ihr Portfolio breit streuen. Deshalb empfiehlt sich gerade bei Hochzinsanleihen die Anlage in Fonds. Das gilt auch deshalb, weil sich am Hochzinsmarkt viele unbekannte Firmen tummeln. Es gibt zwar auch große börsennotierte Unternehmen wie Heidelberg Cement oder Thyssen-Krupp, die nur Ratings im Bereich Doppel-B haben. Ihre Anleihen mit einer Laufzeit von zum Beispiel drei Jahren werfen aber auch nur 1,3 beziehungsweise 1,9 Prozent Rendite ab.

Den Großteil des Marktes machen aber kleinere und weniger bekannte Unternehmen aus. Und darunter befinden sich auch sehr hoch verschuldete Firmen wie britischen Modediscounter Matalan oder die niederländische Warenhauskette Hema. Die Bonds beider Firmen sind bereits deutlich abgestürzt. Mit Besorgnis sehen Investoren zudem, dass es zunehmend wieder Firmen gibt, Investoren statt in Zinsen in neuen Anleihen oder Aktien auszahlen. Solche Instrumente gab es zuletzt verstärkt vor der großen Finanzkrise im Jahr 2007.

Auf jeden Fall müssen sich Anleger zumindest auf zwischenzeitliche Kursverluste in ihren Fonds durchaus gefasst machen. Denn bei schlechten Nachrichten zur Konjunktur oder zu einzelnen Unternehmen und Branchen, geraten die Kurse der High Yields schnell unter Druck. Ein Problem dabei ist auch die abnehmende Liquidität. Es ist schwieriger geworden Bonds zu handeln, das heißt, es lassen sich nicht mehr so große Volumina auf einen Schlag verkaufen und das auch nur in größeren Handelsspannen, also zu schlechteren Kursen. Viele Investoren und Aufseher erklären das vor allem mit der Zurückhaltung der Banken. Sie handeln aufgrund der strengeren Regulierung weniger Bonds als früher.

„Der Preis für das Liquiditätsrisiko wird nicht angemessen bezahlt“, räumt auch Dankel von Danske Invest ein. Er achtet wie viele Fondsmanager deshalb darauf, nicht zu viele Anleihen von einem Schuldner im Portfolio zu halten und kauft Anleihen gerne am Primärmarkt. Auch die Cash-Quote hat er in seinem Fonds zumindest etwas erhöht.

Alle Teile der Serie

Zum Jahreswechsel gibt die Handelsblatt-Redaktion einen Ein- und Ausblick zu verschiedenen Anlageklassen und Geldanlagemöglichkeiten. Die Serie hat 14 Teile und läuft vom 22. Dezember bis 4. Januar 2016. Jeweils im Tagesverlauf geht eine weitere Folge online.

Teil 1 (22.12.): Aktien Deutschland

Teil 2 (23.12.): Gold

Teil 3 (24.12.): Staatsanleihen

Teil 4 (25.12.): China

Teil 5 (26.12.): Unternehmensanleihen

Teil 6 (27.12.): Aktien Europa

Teil 7 (28.12.): Aktien Schwellenländer

Teil 8 (29.12.): Wohnimmobilien

Teil 9 (30.12.): Devisen

Teil 10 (31.12.): Der beste Markt

Teil 11 (1.1.2016): Aus Fehlern lernen

Teil 12 (2.1.): Aktien USA

Teil 13 (3.1.): Kredite

Teil 14 (4.1.): Leser-Erwartungen

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