Anlegen 2017 – Brasilien
Die große Diskrepanz zwischen Politik und Börse

Die Politik zerrüttet, die Wirtschaft pechschwarz – doch an der Börse geht Brasiliens Stern auf. Der Index in São Paulo hat 2016 mit am besten abgeschnitten – und damit die Messlatte für das Jahr 2017 hoch gesetzt.
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São PauloDas Jahr 2016 wird den meisten Brasilianern als eine Katastrophe in Erinnerung bleiben: Die Präsidentin, Dilma Rousseff, wurde vom Kongress ihres Amtes enthoben. Doch der angetretene Nachfolger Michel Temer ist noch unbeliebter als seine glücklose Vorgängerin. Das Land steckt in der schwersten Rezession seit einem Jahrhundert.

Doch auch 2017 wird die brasilianische Wirtschaft kaum wachsen. Unternehmen und Politik sind gelähmt durch eine milliardenschwere Korruptionsaffäre, die noch lange nicht ausgestanden ist. Die Arbeitslosigkeit wird noch länger steigen und erstmals steigt auch wieder die Armut in der Bevölkerung. Kurzum: Brasilien geht es nicht nur richtig schlecht – die Lage wird sich auch nicht so bald verbessern.

Umso erstaunlicher ist, dass Brasiliens Börse dieses Jahr weltweit aus Sicht europäischer Investoren mit am besten abschneidet: Der Index in São Paulo hat 2016 in Euro über 70 Prozent zugelegt. Einerseits hat der Bovespa-Index dieses Jahr 38 Prozent gewonnen. Dazu kommt noch die Aufwertung des Real gegenüber dem Euro von ebenfalls rund 30 Prozent. Investoren aus dem Ausland, die beim diesjährigen Tiefstand im Januar an der Bovespa ein- und beim Höchststand Ende November wieder ausstiegen, konnten ihr Kapital in zehn Monaten gar verdoppeln.

Für die große Diskrepanz zwischen der schweren Krise in Wirtschaft und Politik einerseits und der Börseneuphorie auf der anderen Seite gab es mehrere Gründe.

Es waren vor allem Erwartungen, die die Kurse das Jahr über immer weiter in die Höhe getrieben haben. So setzten die Investoren bis zur Jahresmitte darauf, dass endlich die bei der Wirtschaft unbeliebte Rousseff durch ein Impeachment abgelöst und durch ihren Vize ersetzt wird. Nachfolger Michel Temer berief renommierte Banker und Manager an die Spitzen der wirtschaftsrelevanten Ministerien, der Zentralbank und der Staatskonzerne. Dadurch legten vor allem die Aktien des staatlichen Ölkonzerns Petrobras und der Energieholding Eletrobras zu. Beide Index-Schwergewichte hatten durch die Misswirtschaft der Präsidentin extrem stark an Wert verloren.

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