Anlegen in Osteuropa
Ungarisch Roulette

Bei lukrativen Anlagen müssen es nicht immer die großen Schwellenländer sein. Osteuropa wird für Investoren zunehmend attraktiv. Doch Anleger müssen vorsichtig agieren: In einigen Ländern drohen hohe Risiken.
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WienFast vor Deutschlands Haustür bieten sich interessante Möglichkeiten für private Anleger: in Osteuropa. Die BRIC-Euphorie für Länder wie Brasilien und China lässt Investoren Länder wie Tschechien oder Polen übersehen. Osteuropa ist allerdings alles andere als eine homogene Region, seit dem Beginn der Finanzkrise hat sich eine Zweiteilung der Länder gerade auch aus Anlegersicht herausgebildet. In den wirtschaftlich stabileren Staaten sind vergleichsweise sichere, aber niedrigere Renditen zu holen. Investitionen in Ländern mit größeren wirtschaftlichen Problemen versprechen zwar hohe Erträge, doch zugleich steigt dort das Risiko kräftig an. Ein nicht zu unterschätzender Unsicherheitsfaktor ist dabei der Wechselkurs.

Grundsätzlich gilt für ein Osteuropa-Engagement: Je weiter es nach Osten geht, umso mehr nehmen die Probleme zu. Tschechien, die Slowakei und Polen gehören ohne jeden Zweifel zum „sicheren Camp“. „Im regionalen Vergleich präsentiert sich Tschechien als sehr solide“, urteilt beispielsweise WGZ-Analyst Tobias Gruber. Die Tschechische Republik hat ein stabiles Bankensystem, eine ordentliche Leistungsbilanz und gesunde Unternehmen.

Auch die Turbulenzen der vergangenen drei Jahre haben die Tschechen gut überstanden, ihnen hilft die starke eigene Exportwirtschaft, ein wenig mit Deutschland vergleichbar. Der Staat hält sich in der Tschechischen Republik tendenziell zurück. Am besten lässt sich das an der staatlichen Schuldenquote ablesen: Die Regierung in Prag kommt auf etwa 40 Prozent Schuldenanteil an der Wirtschaftsleistung, in Westeuropa sind es im Durchschnitt etwa 80 Prozent.

Dann ist da noch das andere Lager, die Länder mit viel größeren Risiken. Anleger mit viel Mut könnten sich etwa für ungarische Staatsanleihen entscheiden, wo in diesem Jahr Renditen von bis zu 15 Prozent locken. „Solche Erwartungen sind allerdings mit hoher Unsicherheit verbunden“, warnt Zoltan Arokszallasi, Erste-Bank-Analyst in Budapest. Ungarn braucht in diesem Jahr noch ein milliardenschweres Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Doch die Gespräche kommen nur langsam voran, eine Einigung ist nicht in Sicht. Ungarns Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orban hat mit seiner umstrittenen Wirtschaftspolitik nicht nur private Investoren, sondern auch den IWF massiv verunsichert. Inzwischen geht die Sorge an den Finanzmärkten um, dass Ungarn die Gespräche bewusst verzögert, umso lange wie möglich nicht unter Kuratel des Währungsfonds gestellt zu werden.

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