Anlegen trotz Niedrigzinsen
Deutsche Sparer wollen endlich wieder Rendite

Lange blieben sie ihrer extrem konservative Anlagestrategie treu, doch nun steuern die Deutschen um. Ob aus Überzeugung oder aus blanker Not in Zeiten von Niedrigzinsen – die Suche nach Rendite beginnt.

DüsseldorfNun also doch. Die Deutschen Anleger reagieren auf das Niedrigzinsumfeld. Die Volkswirte der Bundesbank sehen „Anzeichen für Portfolioumschichtungen in renditestärkere Anlageformen in Deutschland“. Das geht aus dem aktuellen Monatsbericht der Währungshüter hervor. Lange Jahre hatte es so ausgesehen, als ob die Deutschen ihren Spareinlagen stoisch treu bleiben – Hauptsache sicher, bloß kein Risiko eingehen. Doch damit entgingen ihnen jede Menge Chancen.

Doch das scheint sich nun zu ändern. Laut Bundesbank hat „die Such nach Rendite im Jahr 2015 eine gewisse Rolle gespielt“. Übersetzt heißt das: Es floss weniger Geld auf Tagesgeldkonten, Sparbücher oder in Schuldverschreibungen. „Deutlich zugenommen hat das Engagement in Investmentfondsanteilen, deren Rendite im Mittel typischerweise höher ausfällt als die von Bankeinlagen, aber gleichzeitig weniger volatil ist als die von Aktien“, heißt es in dem Bericht. „Hierin zeigt sich eine auf makroökonomischer Ebene erstmals seit Beginn der Finanzkrise sichtbare aktive Renditesuche und damit eine Akzeptanz gewisser Risiken in der Geldanlage seitens der privaten Haushalte.“

Noch im vergangenen Herbst waren die Bundesbank-Volkswirte zu dem Schluss gekommen, dass die anhaltenden Niedrigzinsen das Sparverhalten der Deutschen bislang nur wenig beeinflusst haben. Es sei kein „Run“ auf Aktien zu verspüren, die laut Bundesbank „seit 1991 im Mittel eine jährliche reale Rendite von gut acht Prozent“ einbrachten und „damit die renditestärkste Anlageform im Portfolio“ sind.

Dass die Deutschen wieder stärker ins Risiko gehen, hatten bereits die Zahlen des Deutschen Aktieninstituts gezeigt. Um gut eine halbe Million war die Zahl der Aktionäre im vergangenen Jahr gestiegen. Gut neun Millionen Deutsche besaßen im Jahr 2015 Einzelaktien oder Aktienfonds. Das sind rund 14 Prozent der Bevölkerung im Alter über 14 Jahren. „Das Vertrauen in die Aktie kehrt zurück“, jubelten die Aktien-Lobbyisten Anfang Februar in ihrer Studie.

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