Anlegen wie Warren Buffett
„Man muss Durststrecken ertragen können“

Sie gilt als eine der erfolgreichsten Strategien überhaupt – und doch waren die vergangenen Jahre hart für Value-Anleger à la Buffett. Wo Volker Engelbert vom Vermögensverwalter Lingohr jetzt Chancen und Risiken sieht.
  • 1

Volker Engelbert, Chef der Vermögensverwaltung Lingohr, macht täglich, was vielen Anlegern in der Regel schwerfällt: Er kauft Aktien immer dann, wenn sie gerade nicht im Trend liegen. Im Fachjargon nennt sich die Strategie antizyklisches Handeln oder auch „Value-Investing“. Jahrelang hat Engelbert in den USA gelebt, immer mal wieder rutschen ihm ganz automatisch englische Fachbegriffe heraus. Während des Interviews im Handelsblatt-Café in Düsseldorf ist Engelbert entspannt, die jüngsten Turbulenzen an den Börsen machen ihm keine Sorgen.

Herr Engelbert, ein turbulentes Börsenjahr neigt sich dem Ende zu, haben Sie mit solch extremen Ausschlägen gerechnet?
Im Aktienmarkt muss man immer mit Ausschlägen rechnen. Es gibt viele exogene Faktoren, die die Märkte drastisch beeinflussen kön4nen. Diese können volkswirtschaftlicher oder geopolitischer Natur sein. Eine zehnprozentige Korrektur ist jederzeit möglich. Selbst wenn die Bewertungen niedriger wären. Das ist in der Psychologie der Märkte und der Börsianer begründet.

Haben Sie die jüngsten Turbulenzen vorhergesehen?
So denken wir nicht. Wir planen nicht oder sehen etwas voraus, was den ganzen Aktienmarkt angeht. Unser Credo lautet: Wir können nicht in die Zukunft schauen. Das gilt auch nach wie vor, auch nach dem Tod unseres Firmengründers Frank Lingohr. Mit Prognosen für Dax & Co. würden wir unserem Auftrag nicht gerecht.

Wieso das?
Die meisten Volkswirte werden ihrem Auftrag nicht gerecht und liegen genauso oft falsch, wie sie richtig liegen. Selbst die Fed ist in den vergangenen vier Jahren immer mit einer Prognose von vier Prozent Wachstum ins Jahr gegangen und war am Schluss des Jahres bei zwei Prozent. Wenn es die absoluten Profis im eigenen Markt nicht sch affen, die Entwicklung ihrer Wirtschaft vorauszusagen, dann will ich mir das auch nicht anmaßen.

Aber Sie arbeiten doch mit einem ausgefeilten Computersystem, an das Sie sich fast schon stur halten. Dessen Prognosen trauen Sie. Erschüttern starke Marktschwankungen wie am Schwarzen Montag im August dieses Vertrauen?
Die Frage ist doch, warum es diese Verwerfungen gegeben hat. Und die Frage, die sich für den Value-Investor stellt, ist eigentlich: Sehe ich jetzt bessere Einstiegskurse? Oder hat sich in der fundamentalen Sicht, also volkswirtschaftlich oder eben für einzelne Aktien, etwas geändert? Die Computer helfen uns, nach Unternehmen mit bestimmten Merkmalen zu suchen – vor allem müssen sie günstig bewertet sein. Mit anderen Worten, der Computer trifft eine Vorauswahl. Danach gilt es, die vom Computer vorselektierten Titel genauer unter die Lupe zu nehmen. Als Value-Investoren wollen wir antizyklisch handeln.

Das ist für Anleger nicht so einfach…
Das geht einfach gegen die Natur des Menschen. Wir haben einen Fluchtreiz. Wenn es weh tut, wenn Verluste drohen, nehmen wir Reißaus. Unsere Verlustaversion ist hoch, das haben Wissenschaftler bewiesen. Deshalb wollen die Marktteilnehmer verkaufen, wenn es runter geht. Wir denken aber tendenziell, dass es dann besser ist nachzukaufen.

Im normalen Leben ticken wir völlig anders. Wir würden nicht die teuersten Kartoffeln auf dem Markt kaufen, sondern die besten und günstigsten. Mit einem guten „Value“ eigentlich…
Ganz genau. Da spielt die Psychologie uns einen Streich und wir handeln am Finanzmarkt genau umgekehrt. Statistiken zeigen das. Ein Beispiel aus den USA: Der CGM-Fonds war 2009 der beste Fonds auf Sicht von zehn Jahren. Er hat 18 Prozent Rendite pro Jahr gebracht. Der durchschnittliche Investor in diesem Fonds hat aber elf Prozent verloren.

Kommentare zu " Anlegen wie Warren Buffett: „Man muss Durststrecken ertragen können“ "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Richtig - Value Investing ist langfristig gesehen die überlegene Anlagestrategie.
    Natürlich können Hasardeure und Glücksritter unter Spekulanten kurzfristig immer weitaus größere Gewinne einfahren als Value Investoren - indem sie etwa versuchen, früher als Andere HYPES zu erkennen und sich entsprechend zu positionieren - aber eben auch die größeren Verluste.
    Und richtig: auch ein Value-Investor wird niemals immer richtig liegen und wird Fehler machen, und natürlich gilt das genauso für die sogenannten "Star-Investoren". Die sonnen sich oft nur gerne in der Bewunderung ihres Erfolges und verschweigen allzu gerne, dass auch sie diese Durststrecken hatten.
    Übrigens noch ein kleiner Hinweis: Wenn ein (selbsternannter) Börsenguru Aktien empfiehlt, dann funktioniert das ähnlich einem Pyramidenspiel, und alleine die "Empfehlung" führt schon zur Kurssteigerung. Das geht dann solange, bis der letzte Depp die Aktien dem vorletzten abgekauft hat. ;-)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%