Anleger-Akademie
Vom Mythos der Treffsicherheit

Nach der Random-Walk-Theorie folgen Kursverläufe einem Zufallsprinzip. Das ziellose Herumschlendern, wie der Begriff übersetzt werden könnte, soll vor allem eines belegen: Alle Vorhersagen, besonders aber die kurzfristigen, sind wertlos. Welche Lehren daraus zu ziehen sind.

FRANKFURT. Der Versuch ist weltbekannt und dient immer wieder auf Neue dazu, Analysen und Grafiken, Nachrichten und Bewertungen zur Auswahl geeigneter Anlagemöglichkeiten ad absurdum zu führen: Ein Schimpanse wirft mit verbundenen Augen Dart-Pfeile auf den Kursteil einer Zeitung. Die Aktien und Anleihen, die er dabei trifft, entwickeln sich anschließend besser als alles, was von den Experten in akribischer Analyse ausgewählt wurde.

"Random Walk" heißt das Stichwort, mit dem Wissenschaftler die Theorien der Experten an den internationalen Finanzmärkten zu entzaubern suchen. Das ziellose Herumschlendern, wie der Begriff übersetzt werden könnte, soll vor allem eines belegen: Alle Vorhersagen, besonders aber die kurzfristigen, sind wertlos. "Preise haben kein Gedächtnis, daher können vergangene und heutige Preise nicht dazu benutzt werden, künftige Preise zu prognostizieren", erklärt Peter Albrecht, Professor an der Uni Mannheim, die Theorie.

Ursprünglich waren es vor allem US-Professoren, die sich mit dieser Ansicht zwangsläufig zum Feindbild der Anlageberater und Fondsmanager gemacht haben. Das Buch "A Random Walk down Wall Street" von Princeton-Professor Burton Malkiel gilt noch heute als Klassiker. "Anlageberater, die wilde Vorhersagen und komplizierte Chartmuster aufzeichnen, sind nutzlos", heißt es dort, was einem Frontalangriff auf alle Fondsmanager, Anlageberater und Analysten gleichkommt. Kein Wunder, dass die Random-Walk-Theorie dort ein Reizwort ist und kaum Anhänger hat. Akademiker seien zu sehr in Gleichungen und griechische Symbole verstrickt und hätten zudem eine eigenartige Sprache, so dass sie von Haus aus keinen Bullen von einem Bären unterscheiden können, schallt es von dort zurück.

Kernfrage zwischen Wissenschaft und Praktikern ist, ob sich die Kurse in effizienten Märkte tatsächlich prognostizieren lassen, wie es viele Finanzmarktexperten glaubhaft machen wollen, oder ob diese rein zufällig zustande kommen und keinen Mustern unterliegen, wie es die Wissenschaftler behaupten. Sollte es Investoren dennoch gelingen, eine bessere Rendite als der Gesamtmarkt zu erzielen, dann sei dies reiner Zufall. "Es gibt eben positive und negative Ausreißer. Und die negativen werden oft unterschlagen", sagt Eugene Fama. Der Professor an der Universität von Chicago gilt international ebenfalls als großer Verfechter der Random-Walk-Theorie und damit Jahr für Jahr als heißer Anwärter auf den Wirtschafts-Nobelpreis.

Fama wie Malkiel gemeinsam ist auch der Kampf gegen Modeworte der Finanzindustrie wie beispielsweise "Alpha", womit die Überrendite gegenüber einem Vergleichsindex beschrieben wird. Stattdessen haben sie für Privatanleger zwei einfache Ratschläge parat: Erstens sollten diese ihr Depot breit gestreut anlegen, zweitens Wertpapiere langfristig behalten. Kernaufgabe des Anlegers ist es demnach, einmal zu Beginn des Investments die richtige Anlage zu finden.

Die einfachste Form ist der Kauf eines Indexfonds. Solche Fonds bilden einen bestimmten Index in seiner Gesamtheit nach, zeichnen sich durch geringe Gebühren und hohe Transparenz aus. Weil das so ist, ist der Markt für diese Fonds in den letzten Jahren enorm gewachsen. Ein mögliches Alpha können sie von Haus aus nicht versprechen, deswegen gibt es auch keine bösen Überraschungen, wenn eine solche Überrendite, wie bei vielen aktiv gemanagten Fonds üblich, wieder einmal nicht zu generieren war.

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