Anleger-Akademie Zukunftstechnologie
„Megamarkt im Wandel“

Elisabeth Beck ist Geschäftsführerin des Marktforschungsinstituts IMS Health. Im Interview spricht sie über die Wachstumsaussichten des Gesundheitssektors.

Handelsblatt: Wie schätzen Sie die Wachstumsaussichten für den Gesundheitssektor ein?

Elisabeth Beck: Die Perspektiven sind so heterogen wie der ganze Bereich. Allein der gewichtige Welt-Pharma-Markt mit einem Umsatz von 600 Mrd. US-Dollar im Jahr entwickelt sich im Einzelnen höchst unterschiedlich und steht vor verschiedensten Herausforderungen. Insgesamt wächst der Markt mit fünf bis sieben Prozent im Jahr. Einige Sparten legen aber zweistellig zu.

Wo kommt das Wachstum am Pharma-Markt her?

Nach Segmenten entwickelt sich die Onkologie mit Zuwächsen von 20 Prozent im Jahr am dynamischsten vor Biotech und Generika mit einem je zweistelligem Plus. Biotech-Firmen stehen kurz davor, erste umsatzstarke Blockbuster-Produkte auf den Markt zu bringen. Ihre Bedeutung vor allem für die Bekämpfung von Krebskrankheiten, aber auch für den gesamten Pharma-Markt, ist bereits immens. Schon heute kommen die meisten neuen Produkte von Biotechnologie-Firmen. Die Unternehmen machen bereits einen gewichtigen Teil der Innovationskraft der Pharma-Branche aus.

Wo sehen Sie für den Pharma-Markt die größten Herausforderungen?

In den nächsten fünf Jahren werden viele Patente für bekannte, damit umsatzstarke Medikamente auslaufen. Die Konzerne müssen Nachfolgeprodukte entwickeln oder beschaffen und die Produkte an den verschiedenen Märkten gut platzieren. Da die Pipelines vieler Unternehmen eher schwach bestückt sind, kooperieren sie dafür oft mit anderen Firmen.

Gibt es Sättigungstendenzen?

Nein. Generell wächst das Segment patentgeschützter Medikamente und Wirkstoffe stärker als der Gesamtmarkt. Und es gibt immenses Potenzial, da noch immer für viele Krankheiten Medizin fehlt oder unzureichend wirkt.

Haben Generika-Anbieter wegen der vielen auslaufenden Patente besondere Wachstumschancen?

Ja. Hier zu Lande sorgt die Politik mit Anreizen für Ärzte dafür, dass diese stärker Generika verordnen. Die Umsätze in dem Segment wachsen zweistellig. Allerdings nimmt auch der Preisdruck zu.

Wo steht die Medizintechnik?

Hersteller von Geräten zur Diagnostik, Operation oder Linderung von Krankheiten profitieren von der weltweit steigenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Anbieter von Großgeräten für Krankenhäuser hängen wie die Klinken selbst allerdings in besonderem Maße am Tropf der Gesundheitspolitik. Im Zuge der Diskussionen über Kostenexplosion und Leistungsbeschränkungen muss jede Gesellschaft entscheiden, wie viel ihr das Gut Gesundheit wert ist.

Die Fragen stellte Anke Rezmer.

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