Anleger
Defensiv durch Turbulenzen

Die Stimmung unter den professionellen wie privaten Anlegern ist so schlecht wie seit Jahren nicht mehr. Doch während die Pessimisten befürchten, dass es noch einmal nach unten geht, glauben Optimisten, dass die Märkte im zweiten Halbjahr spürbar anziehen werden. Börsenanleger sind verunsichert – und setzen vorerst vermehrt auf konservative Wertpapiere.

FRANKFURT. Zumindest mit dem ersten Teil seiner Prognose hatte Wolfgang Sawazki, Leiter der Aktienanalyse beim Bankhaus Sal. Oppenheim, schon recht, als er für das Börsenjahr 2008 vorhersagte: „Es wird erst noch einmal schwieriger, ehe es besser wird“. Knapp 20 Prozent hat der Deutsche Aktienindex (Dax) seit dem Jahreswechsel verloren. Damit mussten sich Anleger plötzlich wieder an Zeiten gewöhnen, die sie lange nicht mehr kannten: Kräftig fallende Kurse, gepaart mit heftigen Tagesschwankungen.

Der zweite Teil von Sawazkis Vorhersage könnte ebenfalls Realität werden. Derzeit gehen die meisten Börsianer davon aus, dass das im zweiten Halbjahr der Fall sein wird und dann die Märkte wieder spürbar anziehen werden. Noch immer halten etliche Banken, beispielsweise die Helaba, Prognosen von 8 000 Punkten am Jahresende für möglich. „Aktien erscheinen im Vergleich zu anderen Anlageklassen derzeit als moderat bewertet und werden zunehmend attraktiv“, sagt Gertrud Traud, Leiterin der Aktienanalyse bei der Helaba.

Gründe dafür, dass es so kommt finden sich derzeit ebenso viele wie dafür, dass es noch einmal nach unten geht. Wesentliches Argument der Optimisten ist, dass die Stimmung unter den professionellen wie privaten Anlegern so schlecht ist wie seit Jahren nicht mehr. Manchen Umfragen zufolge ist sie sogar schlechter als vor fünf Jahren zu der Zeit, als der Irak-Krieg ausgebrochen ist. Damals stand der Dax bei 2 200 Punkten und legte anschließend eine über vier Jahren dauernde, in der Historie bislang beispiellose Kursrally hin. Zudem kam es in der Vergangenheit bei den inzwischen wieder viel beschworenen Rezessionsgefahren in den USA zu Verlusten, die sich in der Größenordnung wie die abspielen, die der Markt jetzt bereits weitgehend erlebt hat.

Auf der Gegenseite haben die internationalen Finanzmärkte aber auch eine solche Krise wie derzeit noch nie erlebt. Und das bestärkt wiederum die Pessimisten in ihrer Meinung. Deren Grundproblem ist, dass sie noch immer kaum einschätzen können, welches Risikopotenzial durch Abschreibungen bei Banken und Finanzdienstleistern durch Kreditausfälle und den Besitz wertlos gewordener Finanzkonstrukte droht und die Märkte mit nach unten reißen könnte. Gunnar Hamann, Aktienstratege bei Dresdner Kleinwort, argumentiert deswegen, dass es für Anleger wohl besser ist, vorerst auf der defensiven Seite zu bleiben. Seine fünf Top-Empfehlungen für den Dax zeigen deshalb auch das „Who is who“ konservativer Dax-Titel: Bayer, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Eon und Münchener Rück. Aufbruchstimmung sieht tatsächlich anders aus.

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