Anleger müssen mit hoher Volatilität rechnen
"Die Länder sind resistenter geworden"

Schwellenländer, insbesondere die BRIC-Staaten, haben nach wie vor gute Wachstumsaussichten, meint Christian Deseglise, Leiter Emerging Markets bei HSBC Investments. Investoren müssen aber mit einer hohen Volatilität rechnen.

Haben Emerging-Markets-Aktien die Höchststände gesehen?

Die Finanzmärkte dieser Länder haben sich positiv entwickelt und sich der Welt geöffnet. Daher sind die meisten Schwellenländerbörsen seit Ende der 90er-Jahre stärker gewachsen als die Aktienbörsen der Industrieländer. Dieser Trend dürfte anhalten. Die Wirtschaft in den Schwellenländern dürfte 2006 um sechs Prozent, die der Industrieländer nur um 2,5 Prozent wachsen.

Welchen Ländern galt 2005 die größte Aufmerksamkeit?

Die durchschnittlichen Wertsteigerungen der Schwellenländerbörsen liegen in diesem Jahr in US-Dollar gerechnet bei plus 20 Prozent. Die beste Kursentwicklung verzeichneten dabei die Märkte im Mittleren Osten, deren Volkswirtschaften unter anderem von steigenden Ölpreisen profitierten. Unter den größeren Märkten sind Russland und Brasilien mit kräftigen Indexsteigerungen zu erwähnen. Diese beiden Länder boomten auf der Basis eines positiven makroökonomischen Umfeldes und steigender Rohstoffpreise. Hier sehen wir im übrigen für 2006 noch weiteres Kurspotenzial.

Welche Schwellenländer haben das größte Potenzial?

In den so genannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China sind die Wachstumsaussichten wegen der dort verfügbaren Ressourcen am besten. In China und Indien geht es dabei um die Arbeitsmarkt-Ressourcen, in Ländern wie Russland und Brasilien um Rohstoff-Ressourcen. Die verbesserten grundlegenden rechtlichen und organisatorischen Strukturen dieser Länder ermöglichen deren rasche Integration in die Weltwirtschaft. Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass die Binnennachfrage in den BRIC-Staaten als Wachstumsmotor eine große Rolle spielt.

Wo liegen die Risiken?

Risiken gibt es sehr wohl – aber die liegen meist außerhalb der Schwellenländer. Die Gefahr weiter steigender Inflationsraten in den USA und in Europa, zunehmende Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite und andere ökonomische Ungleichgewichte sind potenzielle Störfaktoren. Die Schwellenländer haben aufgrund ihrer Handelsbilanzüberschüsse hohe Währungsreserven angehäuft und sind in der Lage, externe Schocks zu verkraften.

Wie wichtig sind Rohstoffe für die Schwellenländer?

Zahlreiche Entwicklungs- und Schwellenländer werden positiv von den zuletzt steigenden Rohstoffpreisen beeinflusst. Dies gilt zum Beispiel für Staaten wie Russland, Venezuela, für die Staaten des Mittleren Ostens sowie für Mexiko, Chile und Brasilien.

Worauf müssen sich Investoren einstellen?

Normalerweise ist mit Investments in diesen Ländern eine höhere Volatilität verbunden. Obwohl sich das Berichtswesen und die Transparenz in diesen Ländern in den vergangenen Jahren verbessert hat, gibt es auf diesem Gebiet noch eine Menge zu tun. Man kann es so sehen: Kapitalanlagen in den Emerging Markets erhöhen die Wertentwicklung des Portfolios und reduzieren über den Diversifizierungseffekt zugleich das Risiko.

Die Fragen stellte Udo Rettberg.

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