Trends
Anleger müssen risikobereit sein

„BRIC“ ist bei privaten Investoren in aller Munde. Zwar legen deutsche Anleger besonderen Wert auf Sicherheit ihres Geldvermögens. Wieder steigende Aktienkurse und die viel gepriesenen Renditechancen in besonders dynamisch wachsenden Schwellenländern wecken aber das Interesse.

HB FRANKFURT. Vor allem die Investmentfondsindustrie wirbt seit gut einem Jahr mit Erfolg für Aktienfonds, die das Anlegergeld schwerpunktmäßig in den Ländern Brasilien, Russland, Indien und China investieren. Ansonsten gibt es unter dem Label BRIC noch einige Zertifikate zu kaufen, die auf Aktienindizes aus den vier Ländern setzen.

Die Fondsgesellschaften haben es geschafft, den trendigen Begriff BRIC mit ihren Produkten zu verknüpfen. Gut ein Jahr, nachdem die US-Investmentbank Goldman Sachs den Namen kreiert und den Blick auf diese Aktienmärkte gelenkt hatte, kamen die ersten BRIC-Aktienfonds auf den deutschen Markt. Das größte deutsche Fondshaus, die Deutsche-Bank-Tochter DWS, schaffte es unterstützt von der Vertriebsmaschine des Mutterkonzerns, in einem Dreivierteljahr mit gut einer Mrd. Euro soviel Anlegerkapital einzusammeln wie sonst niemand. Dem Marktführer sei es zu verdanken, dass die Anleger der Gruppe von insgesamt nur fünf Fonds mit BRIC im Titel unter mehr als 7 000 Investmentfonds in Deutschland immense Aufmerksamkeit schenkten, sagt Christian Michel, Analyst beim Fondsresearchhaus Feri Rating & Research. Für Bankberater wie Klaus Martini, Chef-Anlagestratege für Privatkunden bei der Deutschen Bank, liegen die Argumente für die BRIC’s auf der Hand. Vor allem in diesen vier Ländern rechnet er mit einem „langfristig kräftigen Wirtschaftswachstum in einem moderaten Inflationsumfeld“. Die Firmengewinne sollten auch längerfristig durchschnittlich zweistellig im Jahr zulegen, meint er. „Die Aktienkurse dürften in einem ähnlichen Ausmaß steigen.“ Schließlich gelten die Aktienmärkte in den Ländern trotz der Kursrally seit 2003 mit Gewinnen von bis zu 350 Prozent mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich 15,5 noch immer als günstig bewertet.

Für Martini gehören BRIC-Titel daher in jedes differenzierte Depot privater Anleger, die mindestens eine mittlere Risikoneigung haben und ihr Kapital längerfristig anlegen wollen. Für Inhaber kleinerer Depots von bis zu 20 000 Euro empfiehlt er breit anlegende Investmentfonds, um die in Schwellenländern oft schwer einschätzbaren geopolitischen Risiken zu streuen. In größere Depots könnten Anleger Länderfonds oder unter Umständen Einzeltitel hinzu kaufen.

Bankunabhängige Berater weisen allerdings auf Risiken dieser speziellen Geldanlage in Schwellenländern hin. Ohne Zweifel zähle BRIC aus Marketingsicht zu den erfolgreichsten Themen 2005 der Fondsindustrie, sagt etwa Natalia Siklic, Analystin beim US-Fondsresearchhaus Morningstar. „Inhaltlich sind die Fonds aber nur ein neues Etikett für stark fokussierte Emerging-Market-Fonds.“

Und dieser Fokus bringt außer Chancen beträchtliche Risiken mit sich – böse Zungen behaupten deshalb, ein solcher Fonds könnte rasch zu einem „Brick“ (Stein) im Depot werden. Die Aktienkurse in Schwellenländern schwanken generell stärker als in Industrieländern. Ein Fokus auf die vier Länder, in denen die Entwicklung der Aktienkurse von ähnlichen Faktoren abhängt, potenziert das Risiko. Experten empfehlen deshalb, sich die Strategien der BRIC-Fonds genau anzuschauen.Sicher ist, dass die Fondsindustrie nicht müde wird, Anlegern neue und scheinbar neue Investmentideen zu präsentieren. Auf „BRIC“ soll nun „Rich“ folgen. Das sind angeblich die BRIC-Länder ohne Brasilien.

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