Anleger setzen auf Europa – Bewertung, Firmengewinne und Euro-Stärke locken: Europäische Aktien machen Boden gut

Anleger setzen auf Europa – Bewertung, Firmengewinne und Euro-Stärke locken
Europäische Aktien machen Boden gut

Europäische Aktien haben nach Ansicht der meisten Bankanalysten und Fondsmanager mehr Potenzial als amerikanische Titel. Der Grund: Hier zu Lande sind Aktien preisgünstig. Das lässt sich von US-Werten nicht sagen. Deshalb setzen die Experten auf Europa und heben Großbritannien als Land sowie Pharma und Öl als Schlüsselbranchen hervor.

DÜSSELDORF. Ein Blick auf die Bewertung amerikanischer und europäischer Aktien zeigt, wie groß die Unterschiede sind. Misst man die Börsen daran, wie viel die Unternehmen pro Aktie erlösen, dann sind amerikanische Aktien mit dem 17fachen des jährlichen Gewinns bewertet. Europa kommt auf das Zwölffache. Das ist so wenig wie zuletzt Anfang der achtziger Jahre. Fünf Punkte Unterschied zwischen Europa und den USA sind für Franz Wenzel von Axa Investment Managers „sehr viel – zu viel und nicht gerechtfertigt angesichts der niedrigen Verzinsung im Anleihebereich und den hohen Dividendenrenditen bei Aktien“, sagt der Senior-Investment-Stratege.

In der Tat gab es solch hohe Unterschiede zwischen der amerikanischen und europäischen Bewertung seit Jahrzehnten nicht mehr. Zwar müssen Europäer historisch betrachtet schon immer mit einem Bewertungsabschlag leben. Dieser liegt statistisch gesehen aber eher im Bereich von zwei Punkten – und nicht bei fünf. Diese drei Punkte machen immerhin 25 Prozent aus. Um so viel müsste der Euro Stoxx 50 steigen, damit das historische Mittel wieder hergestellt ist – vorausgesetzt, die amerikanischen Börsen treten auf der Stelle. „Dazu wird es nicht kommen. Wir rechnen eher damit, dass sich beide Märkte angleichen“, sagt Wenzel. Konkret: Europa legt zu, Amerika verliert.

Die Prognose scheint aufzugehen. Während Dax und Euro Stoxx 50 seit Jahresanfang 1,7 bzw. sogar 2,4 Prozent zulegten, büßte der S&P 500 in den USA 1,6 Prozent ein. Dass sich der Bewertungsunterschied dennoch nicht verringert hat, liegt an den Unternehmensgewinnen. Sie stiegen 2003 und 2004 in Europa deutlich stärker als in den USA (siehe Grafik). Deshalb wurden europäische Aktien billiger.

Rolf Elgeti, Chef-Europastratege von ABN Amro, räumt Europa ebenfalls gute Chancen ein. Einer der Gründe dafür ist der schwache Dollar. Amerikanische Anleger fahren neben möglichen Kursgewinnen auch Währungsgewinne ein.

Elgeti gibt aber zu bedenken, dass nahezu jeder Investor erwartet, dass europäische Aktien sich besser entwickeln als amerikanische. Dies sei zwar plausibel, „aber wir wissen, dass, wenn alle einer Meinung sind, die Dinge auch anders kommen können“. Zudem habe aus amerikanischer Sicht das Währungsargument mit der Erholung des Dollars etwas an Kraft verloren. Für US-Aktien spreche zudem, dass die Fusionsaktivitäten in den USA viel stärker seien. Elgeti rät daher: „Man sollte Europa nicht zu aggressiv übergewichten gegen die USA.“

Axa-Experte Wenzel erwartet allerdings, dass sich auch künftig „einige Anleger aus dem Dollar-Raum verabschieden“, und zwar zu Gunsten Europas. Die Ursache dafür liege weniger im Euro/Dollar-Verhältnis, sondern im Verhalten der Europäischen Zentralbank. „Die Zinsen werden weiter niedrig gehalten“, sagt der Axa-Stratege. Er erwartet in Europa keine Zinserhöhung in diesem Jahr. Weil jedoch die US-Zinsen weiter steigen dürften – schon jetzt beträgt der Unterschied 0,5 Prozentpunkte –, ist das Geld hier zu Lande für Unternehmen und Konsumenten billiger.

Wenzel setzt besonders auf britische Aktien, denn „die Bank of England wird die Zinsen senken“. Im Euro-Raum bevorzugt er Frankreich. Dort stellt er Ölaktien heraus. Dahinter steckt die Erwartung, dass angesichts der starken Nachfrage – besonders Chinas – der Ölpreis auf hohem Niveau verharrt.

Im Blick hat Wenzel auch die französischen Banken, denen er gegenüber den deutschen Instituten den Vorzug gibt. „Wir finden eine bessere Qualität in Frankreich“, sagt der Axa-Stratege. In Deutschland setzt er auf Maschinenbauaktien und verweist auf die günstige Bewertung und Spezialisierung. „Attraktiv bewertet sind inzwischen Pharmaunternehmen.“ Nach Skandalen und Zulassungsproblemen einer Reihe gewinnträchtiger Medikamente war es zu Kursverlusten gekommen. Dem stehen positive Gewinnrevisionen bei etlichen Konzernen gegenüber. So verringert sich die Bewertung von zwei Seiten.

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