Anlegerschützer im Interview: „Die Krise ist noch nicht vorbei“

Anlegerschützer im Interview
„Die Krise ist noch nicht vorbei“

Die Märkte reagieren brüskiert auf den Rettungsplan für Zypern. Anlegerschützer Jürgen Kurz erklärt, welche Risiken deutschen Sparern drohen – und warum Anleger jetzt einen Aktienkauf erwägen sollten.
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Herr Kurz, welche Auswirkungen hat der Rettungsplan für Zypern für deutsche Sparer?

Keine.

Wenn das Parlament dem Plan zustimmt müssen Zyprer zwischen sieben und zehn Prozent ihres Vermögens abgeben. Droht so etwas auch den deutschen Sparern?
Das erscheint mir ausgeschlossen. Dafür müsste Deutschland zum einen in einer Situation sein, in der der Staat seine Schulden nicht mehr bedienen könnte – wovon wir weit entfernt sind. Zum anderen müsste das deutsche Bankensystem ein Eldorado für Schwarzgelder sein, was es nicht ist. Zudem verfügt der deutsche Staat über sehr viel wirkungsvollere Methoden an das Geld seiner Bürger zu kommen. Etwa eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Zypern ist ein Sonderfall.

Wieso?
Im Vergleich zum zyprischen Bankensystem sind Schweizer Konten geradezu gläsern. Das Land hat bewusst Schwarzgeld und deren mehr oder weniger zwielichtige Besitzer angelockt. Das ist den Europäern natürlich nicht verborgen geblieben. Jetzt erhält das Land die Quittung. Es handelt sich also um eine Art Kapitalertragssteuer. Kritikwürdig ist natürlich, dass es keine Freibeträge für kleinere Sparvermögen gibt. Schließlich kann der normale Arbeiter oder Angestellte nichts für die aktuelle Situation. Das wird sicherlich nachverhandelt werden.

Sollen Vermögende ihre Konten in Spanien, Griechenland oder Italien auflösen?
Allein wegen Zypern besteht dazu aus meiner Sicht kein Anlass. Europa hat bereits etliche Rettungsprogramme für Banken gefahren, die ohne den Zugriff auf das Geld von Bankkunden auskamen. Denken Sie nur einmal an Spanien oder Italien. Zudem darf man nicht vergessen, dass in Zypern ganz bewusst ein Teil des unversteuerten Schwarzgeldes abgeschöpft werden soll. In den anderen Euro-Staaten gibt es das in dieser Form nicht.

Die Finanzmärkte haben reagiert…
… und das vor allem wegen der Unsicherheit. Kein Anleger mag unberechenbare Situationen. Aber genau das ist der Fall, solange die Zustimmung des Parlamentes noch aussteht. Im schlimmsten Falle droht eine finale Ablehnung und der Staatsbankrott. Das ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich.

Kommentare zu " Anlegerschützer im Interview: „Die Krise ist noch nicht vorbei“"

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  • Noch vor einem Jahr war der Bitcoin als Hackerwährung verschrien ... heute ist es die Anlagelternative ... wenn der Kurs weiter steigt womöglich die Anlagealternative des Jahrzehnts.

    Doch eigentlich sind Bitcoins als Zahlungsmittel für z.B. Onlineshops gedacht. Ein Transfer von Bitcoins dauert weltweit nur wenige Minuten was den Zahlungsverkehr revolutionieren würde.

    Zur zeit sucht der Bitcoin noch seinen Wert. Viele Spekulanten und Anleger tauschen Ihr Geld in Bitcoins z.B. auf der deutschen Handelsplattform https://www.bitcoin.de/r/sk64hv

  • Oh, mein Gott!!

  • Die Krise fängt jetzt erst an. Was wird da gefaselt?

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