Anlegerschützer warnen Das sind die größten Kapitalvernichter

Anlegerschützer haben die schlechtesten Aktien gekürt. Auf den vorderen Plätzen landen alte Bekannte, aber auch Dax-Konzerne. Die Commerzbank ist dabei. Und zwei Schwergewichte haben fast hundert Milliarden verbrannt.
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Geld verbrannt: Anlegerschützer küren die schlechtesten Aktien. Quelle: iStock

Geld verbrannt: Anlegerschützer küren die schlechtesten Aktien.

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FrankfurtEs war ein gutes Jahr an der Börse. Der Dax legte 2012 um fast 30 Prozent zu. Die Aktien aus der zweiten Reihe gewannen noch mehr. Da sollte man meinen, dass Anlegerschützer wenig zu meckern haben. Weit gefehlt.

Wie man es auch in guten Börsenjahren schaffen kann, das Kapital seiner Anteilseigner fast vollständig zu verbrennen, zeigt ein Blick auf die „Watchlist“ der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auf der Liste finden sich alte Bekannte, Pleitekandidaten, aber auch große Namen wie Commerzbank, Praktiker, Air Berlin, Eon oder Metro.

„Anleger müssen auch dann ihre Hausaufgaben machen. Was viele vergessen ist, zwischenzeitlich Gewinne zu sichern. Das gilt gerade jetzt, da der Dax bei 8.000 Punkten notiert“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW.

Einmal im Jahr stellt die DSW seit 2001 ihre Liste mit den 50 größten Kapitalvernichtern auf dem deutschen Aktienmarkt vor. Analysiert wurden Unternehmen, die seit mindestens fünf Jahren im Prime Standard der Deutschen Börse notiert sind. Dabei orientieren sich die Anlegerschützer allein an der Entwicklung der Aktienkurse. Um kurzfristigen Schwankungen nicht zu viel Gewicht zu geben, gehen die vergangenen fünf Jahre in die Betrachtung ein. Wer es auf die Liste schafft, steht dort nicht zufällig. Die ersten zehn der Liste haben nach DSW-Angaben in den vergangenen fünf Jahren zusammen rund zehn Milliarden Euro an Börsenwert verloren.

Der Sieger der unrühmlichen Wertung der größten Kapitalvernichter ist einerseits eine Überraschung, andererseits auch wieder nicht. Überraschend ist, dass das Unternehmen ganz neu auf der Liste auftaucht, in den vergangenen Jahren also noch gar nicht auf dem Radar der Anlegerschützer auftauchte. In den meisten Fällen zieht sich der Absturz über Jahre hin - in diesem Fall ging es schneller.

Wenig überraschend ist dagegen, dass es sich um ein Unternehmen aus der Solarbranche handelt: Centrotherm Photovoltaik. Ende 2007 lag die Marktkapitalisierung der Gesellschaft noch bei 1,16 Milliarden Euro. Aktuell ist Centrotherm an der Börse nur noch rund 25 Millionen Euro wert. Der Grund: Im vergangenen Jahr geriet die Firma in Schieflage. Im Rahmen eines Insolvenzplans, dem Gläubiger und Aktionäre im Januar zugestimmt haben, soll sie saniert werden.

Die Aktie von Centrotherm wies im Ein- und im Dreijahresvergleich die schlechteste Performance aller untersuchten Unternehmen auf. Im Fünfjahreszeitraum hat es immer noch für Platz zwei gereicht, übertroffen nur vom Vorjahresverlierer Conergy, der sich in der aktuellen Liste immer noch auf Rang sechs wiederfindet.

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20 Kommentare zu "Anlegerschützer warnen: Das sind die größten Kapitalvernichter"

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  • Seit wann sind Politiker, kraft Amtes im Aufsichtsrat einer öffentlich rechtlichen Bank, für Fehlentscheidungen der Vorstände verantwortlich bzw. haftbar zu machen? Falls doch, wer ist dann für die versenkten Mrd. der Bay.LB zuständig?

  • Steinbrück dürfte die meisten locker in die Tasche stecken. Allein mit der sog "Rettung der HRE" hat er 120 Mrd Euro an Steuergeldern durch den Schornstein gejagt. Davon hätte man, nach derzeitigem Stand nahezu 18 mal Stuttgart 21 finanzieren können oder 34 mal den Transrapid vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen.

    Bin gespannt, was er alles abrauchen läßt, sollte er Kanzler werden.

  • Die Liste der größten Kapitalvernichter ist völlig nutzlos. Selbst ein Grundschüler könnte sie erstellen. Sinnvoll wäre es, zu warnen, BEVOR die Kapitalvernichtung eintritt. Aber damit wären die sog. Anlegerschützer überfordert, weil ihnen die Markt- und Börsenkenntnisse fehlen.

  • Könnten Sie Ihren außerordentlich gut begründeten, nichtpolemischen und konstruktiven Gedankengang etwas weiterdenken? Was ist Ihre Alternative?

    Kommunismus? Scheint nicht zu funktionieren, wie man am aktuellen Beispiel China sieht (Exzessive Bereicherung der Führungselite, erschreckende Arm-Reich-Schere, zunehmende soziale Instabilität).

    Anarchismus? Nichtmal eine Bedrüngung wert.

    Vielleicht vergessen Sie aber auch einfach, wie unglaublich gut es uns allen (!) in Deutschland geht (relativ gesehen). Sehen wir von ein paar kleineren, notwendigen Korrekturen am System einmal ab, so funktioniert es hierzulande doch erstaunlich gut (ebenfalls relativ gesehen), oder finden Sie etwa nicht?

    Viele Grüße.

  • Die Reichen dieser Welt können sich gerne in ihren Willen und Burgen verstecken...
    Dabei vergessen diese "Edelleute" das sich das Feuer der Gerechten von unten nach oben seinen Weg bannt!
    Laßt uns "Fire" legen, überall!

  • Der Kapitalismus muß zerschlagen werden!
    Gnadenlos muß man diese Kapitalisten und hörige Politbonzen mehfach gegen eine Betonwand werfen, bis sich nichts mehr regt..
    Dann herrscht zunächst Ruhe im Land...

    Revolution ist machbar, Herr Nachbar!

  • Da hat sich wohl jemand Turbozertifikate gekauft, Glueck gehabt und nennt sich von nunan John Paulson, was? :)

    Du hast nur uebersehen, dass es hier nicht um Amateurzockereien im Centbereich geht, sondern um die (fundamental-) Performance von Aktienanlagen.

    Wie dem auch sei: Gib deinen Gewinn aus! Der naechste Knockout kommt bestimmt...

  • @Republikaner

    Selbst wenn es "Ghostwriter" mit "h" heissen sollte, so ist es keine Frage der "Grammatik", sondern der Rechtschreibung - nur so am Rande.

    Auch ich bin auf Ihre Erlaeuterung gespannt. Ich kann mir naemlich beim besten Willen nicht vorstellen, wie der "Niedrigzins" 91,7% (Beispiel Centrotherm) meines Kapitals innerhalb eines Jahres vernichten soll.

  • EON ist kein Opfer, sondern hat die Folgen einer verfehlten Expansionspolitik zu tragen.

    Man könnte auch von Managementfehlern sprechen. Ausserdem wird EON von fossilen Managern geführt. Da kann man sich Flexibilität nur schwer vorstellen. Das Modell wie melke ich am besten den Energiekunden hat sich verbraucht! Weitere Rückschläge sind vorprogrammiert.

  • RWE und Eon sind die Opfer des plötzlichen Atomausstiegs, die Opfer der Politikerwillkür. Das sagt nichts darüber, ob der Ausstieg richtig oder falsch war. Aber zeigt, was passiert, wenn man ins Visier der Politik gerät. Und bei den Solarfirmen die gleiche Sache, nur anders rum. Künstlich mit irren Einspeisevergütungen den Markt forcieren, statt in Technologie zu investieren. Dann kommen andere (China) und schon wird klar: nicht konkurrenzfähig. Das kann man alles leicht viel besser machen.

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