Anleihe-Experte im Gespräch „Der Euro-Zerfall wäre viel dramatischer als Lehman“

Einbrechende Aktienmärkte, Unternehmen, die nicht mehr an Geld kommen, Banken und Versicherer in Existenznot: Das wären laut Garland Hansmann, Fondsmanager bei Investec, die Folgen eines Zusammenbruchs des Euros.
17 Kommentare
„Dass eine Abschaffung des Euros überhaupt erwogen wird, finde ich erschreckend“, sagt Portfoliomanager Garland Hansmann. Quelle: Imago
Ist der Euro in Gefahr?

„Dass eine Abschaffung des Euros überhaupt erwogen wird, finde ich erschreckend“, sagt Portfoliomanager Garland Hansmann.

(Foto: Imago)

FrankfurtEs sieht aus, als ginge alles nochmal gut. In den Niederlanden ist der Euro als Währung nicht mehr in Gefahr, nachdem der rechtspopulistische Geert Wilders mit seiner Partei PVV überraschend wenige Stimmen geholt hat. Auch in Frankreich rutscht Marine Le Pen, die Wilders den Euro abschaffen will, in den Umfragen für die Stichwahl der Präsidentschaftswahlen am 7. Mai weiter zurück. Die Märkte haben sich ebenfalls wieder beruhigt, die Risikoprämien von französischen Anleihen sind zuletzt gesunken. Auch Garland Hansmann, Portfoliomanager für Unternehmensanleihen beim Fondshaus Investec Asset Management, setzt darauf, dass Le Pen in Frankreich nicht das Rennen macht. Dennoch haben ihn die vergangenen Monate alarmiert.

„Dass eine Abschaffung des Euros überhaupt erwogen wird, finde ich erschreckend“, sagt der Portfoliomanager. Ein Thema wäre dies zudem ja nicht nur bei den extremen Rechts- und auch Linksparteien in Frankreich, in Italien, den Niederlanden und in Deutschland. „Selbst ich höre mitunter bei Gesprächen mit Investoren die Aussage, dass es in drei Jahren den Euro wohl nicht mehr geben wird.“ Hansmann versteht nicht, „wie man das so locker sagen kann, denn das wäre gesellschaftlich und portfoliotechnisch eine absolute Katastrophe – gerade für Deutschland und für deutsche Anleger“.

„Der gesamte Kapitalmarkt funktioniert heute nur so effektiv und effizient, weil es die Währungsunion gibt.“ Quelle: PR
Fondsmanager Garland Hansmann

„Der gesamte Kapitalmarkt funktioniert heute nur so effektiv und effizient, weil es die Währungsunion gibt.“

(Foto: PR)

Wenn tatsächlich alle Euro-Länder zu ihren nationalen Währungen zurückkehren würden, dann würde wohl eine neue D-Mark gegenüber vielen Währungen aufwerten, und das zum Teil massiv, erklärt der 44-Jährige. „Das allein bedeutet, dass die Portfolios von vielen institutionellen Investoren auf einen Schlag weniger wert wären.“ Manche Banken, Versicherer und Pensionskassen könnte das so hart treffen, dass sie in existenzielle Schwierigkeiten geraten würden und mit Hilfe des Staates gerettet werden müssten, malt Hansmann ein erschreckendes Bild.

Zudem funktioniere der gesamte Kapitalmarkt heute nur so effektiv und effizient, weil es die Währungsunion gebe. „Bei einer Rückkehr zu nationalen Währungen würden die Investoren auch wieder vorwiegend national investieren.“ Die Folge für Unternehmen: „Sie hätten einen schwierigeren Zugang zu frischem Geld.“ Grund dafür sei, dass sich die großen Unternehmen heute viel internationaler refinanzieren und häufig einzelne Anleihen in Milliardenhöhe platzieren. Wenn deutsche Unternehmen sich vorwiegend bei deutschen Investoren Geld leihen müssten, würde dies – wenn überhaupt – nur zu deutlich höheren Zinsen funktionieren, meint Hansmann: „Letztlich käme dies einer Leitzinserhöhung um mehrere Prozentpunkte auf einen Schlag gleich.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
„Nicht absehbare Wechselwirkungen“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Anleihe-Experte im Gespräch - „Der Euro-Zerfall wäre viel dramatischer als Lehman“

17 Kommentare zu "Anleihe-Experte im Gespräch: „Der Euro-Zerfall wäre viel dramatischer als Lehman“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Frau Kah
    Die "Währungsreserven" der Bundesbank sind doch nur eine Position des deutschen Auslandsvermögens und zudem ein verhältnismässig kleiner. Relevant ist die gesamte Auslandsposition. Die geht wiederum aus dem Auslandsvermögensstatus der Bundesbank hervor. Der Saldo liegt bei ungefähr 1,60 Billionen.

    https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Statistiken/Aussenwirtschaft/Auslandsvermoegensstatus/b39697.pdf?__blob=publicationFile

    Wenn ich mich nicht irre, hat HW Sinn des öfteren Zweifel bzgl. der Werthaltigkeit der Position angemeldet - die zu einer gehörigen Position aus Target-Krediten besteht....

  • Ha Ha Ha hier glaubt jemand es gibt ein Bündel Dollar-Scheine, wenn ein Ami ein Auto kauft aber die Kohle nicht einlagern muß. Die Welt fährt mit lauter Dollar-Geldkisten durch die Gegend, das war der Beitrag der Woche und dies schon
    am Mittwoch. Ha Ha Ha

  • @ Rainer von Horn

    Sie haben das Thema verfehlt. Es geht nicht um Dollars und ob die gut oder schlecht sind. Es geht darum, dass die Deutsche Bundesbank aus dem angenommenen Autoverkauf in die USA ZUNÄCHST EINMAL Dollars erhält.

    Die erhaltenen Dollars muss die Bundesbank nicht dauerhaft einlagern. Sie kann damit alles kaufen, was überhaupt käuflich ist. Meinetwegen türkische Anleihen oder eine Beteiligung an der norwegischen Staatsbahn. Meinetwegen auch Gold.

    Unsere Frage war ja, ob die Devisenreserven der Bundesbank "werthaltig" sind. Kauft unsere Bundesbank nur wertlosen Ramsch oder legt sie ihre Devisenreserven vernünftig an?

  • Frau Edelgard Kah05.04.2017, 17:10 Uhr

    Solange die USA die Weltleitwährung verteidigen wie bisher, sollte es kaum Probleme geben, denke ich.....Und solange die Welt die amerikanischen Schuldscheine annimmt, ist die Welt doch in Ordnung. Allerdings schichtet das ein oder andere Land ja mittlerweile Dollars um.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Leistungsbilanz

    Bitte ganz nach unten scrollen.

    http://www.focus.de/finanzen/news/reserven-fallen-unter-wichtige-marke-china-kauft-den-westen-auf-jetzt-schmelzen-die-devisen-weg_id_6611635.html

    https://www.welt.de/finanzen/article163059455/Was-wirklich-hinter-dem-Goldkauf-Russlands-steckt.html

  • @Rainer von Horn

    Gesetzt der Fall, Deutschland verkauft Autos in die USA. Die Amerikaner bezahlen sie mit ihrer heimischen Währung, also mit Dollars. Unsere Autofirmen erhalten somit Dollars. Ich habe noch nie gehört, dass Dollars Schuldscheine wären und man an ihrer Werthaltigkeit zweifeln müsste. Ich habe nur gehört, dass der Dollar die Leitwährung dieser Welt ist und selbst in jedem Andendorf als Zahlungsmittel gerne akzeptiert wird.

    Doch die Geschichte geht noch weiter. Unsere deutschen Autofirmen müssen ihre Löhne und Materialien in EURO bezahlen. Sie tauschen deshalb die im Exportgeschäft erlösten Dollars bei der Deutschen Bundesbank in EUROs um. Letzten Endes verbleiben die Dollars bei der Deutschen Bundesbank und heißen dann De4visenreserven. Ob die Bundesbank sie sinnvoll anlegt oder verschleudert, überlasse ich Ihrem Urteil.

  • Herr Hasmann berücksichtigt in seiner durchaus plausiblen Argumentation nur einige ausgwählte Aspekte. Das Gesamtbild bei einer Abschaffung des Euro in seiner JETZTIGEN Form wäre ein anderes wenn, wie ggf. zu vemruten ist, eine Kerngruppe wie etwa der damalige DM-Block (D, Ö, NL, ggf. erweitert um LUX und FIN) einen "neuen" Euro bilden würde und die übrigen heutigen Länder zu diesem durch ein neues EWS in Beziehung stünden (evtl. ohne GR). Im übrigen funktionierte Europa, bzw. die EG vor dem Euro sehr gut, wie auch die "Deutschland AG". Zudem ist bezweifelbar, ob die erwähnten Portolios wirklich an Wert verlieren würden, solange in diesen nur Aktien gesunder Unternehmen und Schuldscheine solider Schulder stecken. Vor allem aber: die Unwägbarkeiten der Folgen eines Eurozerfalls unterscheiden sich nicht oder vermutlich nur wenig von denen der Folgen der Euroeinführung. Diese wurden trotz aller Risiken in Kauf genommen und der Euroraum hat es trotz und alledem mehr schlecht als recht aber doch überlebt...

  • @ Michael Müller
    Richtig. Euro wie EU nutzen vor allen Dingen der Wirtschaftselite -die uns übriegens über Typen wie Soros auch die massenmigration einbrocken- die Masse der Bürger zahlt dicke drauf und das nicht nur in monetärer Hinsicht.

    Man hätte es beim ECU (European Currency Unit) belassen sollen - und beim EWG. Das war für Europas Bürger optimal - nur nicht für die Eliten im Finanzwesen un der Wirtschaft.

  • Nur mal ganz kurz überlegen:

    Ging es uns vor dem EURO und demzufolge vor dem EU-Regulierungswahnsinn besser oder schlechter?

    Hatten wir eine starke DM?

    Hatten wir eine gut florierende Wirtschaft?

    Hatten wir weniger Arbeitslose (Hartz-IV gab es da nicht)?

    Konnten wir nachts ohne Angst zum Parkplatz laufen?

    Waren die Steuern weniger und niedriger?

    Konnte man von den Renten menschenwürdig leben?

    Hatten dort arbeitende Menschen mehr als "Zugereiste"?

    So viele Fragen ....

    Stimmt, wir mußten beim Auslandsurlaub Geld wechseln. Da die DM aber deutlich stärker war als die anderen Währungen, war der Urlaub teilweise "spottbillig"! Aber daran erinnern sich die "Jungen" gar nicht mehr, auch nicht daran, wie schön es war ohne Angst nachst spazierenzugehen...

    Zudem ist ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende. Das erleben gerade die Engländer!

  • Mit einem treudoofen Deutschen können sie es ja machen, aber sicher nicht mit den testosterongesteuerten arabischen Junghengsten!

  • @Frau Edelgard Kah05.04.2017, 16:09 Uhr

    Deutschland steht doch regelmässig in der Kritik wegen des gigantischen Leistungsbilanzüberschusses, der wiederum durch unsere Exportindustrie befeuert wird. Und im gegenzug zu den exportierten Gütern akzeptieren wir Schuldscheine des Auslands. Die Frage ist doch, ob die erworbenen Forderungen am Ende werthaltig sind oder wir uns nur eich gerechnet haben und ob das deutsche Wirtschaftsmodell langfristig ein tragfähiges Geschäftsmodell ist.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%