Anleihen und Aktien unter Verkaufsdruck
Comeback der Euro-Krise?

Die Situation gleicht einem Déjà-vu: Vor drei Jahren drohte die Euro-Zone auseinanderzubrechen und ein Crash an den Märkten folgte. Nun gibt es zahlreiche Hinweise und Daten, dass sich die Geschichte wiederholen könnte.
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Frankfurt / DüsseldorfKapitalflucht aus Italien: 76 Milliarden Euro flossen im August und September dieses Jahres aus dem südeuropäischen Land ab. Das beunruhigt auch den Chef des Ifo-Instituts, Hans Werner Sinn. Dies sei ein „alarmierendes Signal“, warnt er. Diese Summe ergibt sich aus den Verrechnungssystemen Target der Europäischen Zentralbank (EZB) und der ihr angeschlossenen Nationalbanken.

Bereits vor drei Jahren war Italien in dieser Situation. Damals hatten Investoren das Land fluchtartig verlassen. Im August und September 2011 verlor das südeuropäische Land sogar 80 Milliarden Euro. Damals wurde in geheimen Gesprächen sogar über einen Austritt Italiens aus der Euro-Zone beraten. Als Folge der Kapitalflucht fielen die Aktienkurse drastisch. Der Dax verlor innerhalb kurzer Zeit mehr als 30 Prozent.

Wiederholt sich diese Geschichte nun in diesem Jahr?, fragen sich viele Investoren Der Dax hat bereits in nur wenigen Wochen mehr als 15 Prozent verloren. Geht die Talfahrt nun ungebremst weiter? „Es ist eine Mischung aus Sorgen zum Ausblick für das weltweite Wirtschaftswachstum und zum Inflationsausblick angesichts einer Reihe enttäuschender Daten”, beurteilt Jeremy Batstone-Carr, Leiter des Research von Charles Stanley & Co die aktuellen Situation.

Denn nicht nur Italien, sondern plötzlich stehen wie vor drei Jahren alle „südeuropäischen Sorgenkinder“ im Fokus. Als Krisensignal werten Börsianer auch die Meldung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) griechischen Banken den Zugang zu frischem Geld erleichtern will. „Das ist eine Stützungsmaßnahme, nachdem sich in den vergangenen beiden Tagen Druck aufgebaut hat", sagte ein griechischer Zentralbanker.

Wegen Spekulationen auf vorgezogene Neuwahlen hat der Leitindex der Athener Börse seit Wochenbeginn 13 Prozent verloren. Auch die griechischen Staatsanleihen gingen auf Talfahrt. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel binnen weniger Tage auf mehr als neun Prozent von zuvor 6,5 Prozent.

In Griechenland soll turnusmäßig 2016 gewählt werden. In Umfragen liegt die linke Oppositionspartei Syriza vorn. Sie ist gegen den strikten Sparkurs der konservativen Regierung. Investoren bezweifeln zudem, dass Griechenland ausreichend Käufer für seine Bonds findet, wenn es vorzeitig auf den internationalen Rettungsschirm verzichtet.

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Südeuropäische Schuldtitel unter Druck

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  • Zur Geschichte des EUR ... Ex-Bundesbanker Prof. Nölling gibt Auskunft aus erster Hand und ungeschönt. Der EUR ist geboren aus Misstrauen und Kontrolldrang. Ein schockierendes Interview:

    https://www.youtube.com/watch?v=eKxzGTwAqOQ

  • Die EUR-Krise ist selbst gemacht, von unfähigen und ahnungslosen Politikern, die dem Druck insb. der französischen Politelite zum faktischen Abwickeln der Bundesbank als Preis für die deutsche Einheit nachgegeben haben, die alle Warnrufe der Fachleute ignoriert, ja sogar ins Lächerliche gezogen haben, das darf man nie vergessen.

    Dabei war dieses selbstmörderische Zugeständnis an Frankreich nie notwendig, die Einheit Deutschlands wurde faktisch von den ostdeutschen Strassen forciert und politisch in Moskau und Washington besiegelt.

    Dass ausgerechnet mal wieder auch CDU-Leute bei dieser totalen Fehleinschätzung an vorderster Front beteiligt waren, zeigt die große Divergenz zwischen Anspruch und Realität in dieser Partei. Und seit dem hat sich die CDU leider noch weiter ad absurdum geführt ... insb. Frau Merkel und ihre Mitläufer wie Schäuble, Kauder etc verrichten gerade große Schritte zur Schädigung des Landes und auch der CDU selbst.

    Und auch für EU-Europa insgesamt sind die Aussichten eher mies, mal wieder zahlen die Bürger einen hohen Preis für kollektives Versagen bzw. Egoismus der Eliten, insb. der südländischen Feudaleliten.

    Da kann man die aufkommende AFD noch so sehr schmähen, beleidigen und ins falsche Licht stellen, die großen Fehler sind in der CDU selbst begangen worden.

  • Es wird Zeit, dem Kind einen neuen Namen zu geben. Eine Eurokrise hat es nie gegeben, wenn man die Sache zuende denkt. Allerdings ist es dann leichter, Steuergelder für diese Krise zu verplanen, als wenn sie den verdienten Namen Banken-, Staats- und Heuschreckenkrise hätte.
    Der Name Eurokrise ist nichts anderes als Marketing, allerdings mit dem Effekt, dass die Menschen innerhalb der EU der eigenen Gemeinschaft nichts positives mehr abgewinnen können. Dies sollte sich die europäische Presselandschaft mal zu Herzen nehmen. Oder aber beweisen, dass die jetzige Krise originär mit dem Euro zu tun hat. Hierfür wird sich aber wohl kaum ein ernst zu nehmender Wirtschaftsprofessor finden lassen.

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