Anleihen und Aktien unter Verkaufsdruck Comeback der Euro-Krise?

Die Situation gleicht einem Déjà-vu: Vor drei Jahren drohte die Euro-Zone auseinanderzubrechen und ein Crash an den Märkten folgte. Nun gibt es zahlreiche Hinweise und Daten, dass sich die Geschichte wiederholen könnte.
27 Kommentare

Die Eurokrise ist zurück

Frankfurt / DüsseldorfKapitalflucht aus Italien: 76 Milliarden Euro flossen im August und September dieses Jahres aus dem südeuropäischen Land ab. Das beunruhigt auch den Chef des Ifo-Instituts, Hans Werner Sinn. Dies sei ein „alarmierendes Signal“, warnt er. Diese Summe ergibt sich aus den Verrechnungssystemen Target der Europäischen Zentralbank (EZB) und der ihr angeschlossenen Nationalbanken.

Bereits vor drei Jahren war Italien in dieser Situation. Damals hatten Investoren das Land fluchtartig verlassen. Im August und September 2011 verlor das südeuropäische Land sogar 80 Milliarden Euro. Damals wurde in geheimen Gesprächen sogar über einen Austritt Italiens aus der Euro-Zone beraten. Als Folge der Kapitalflucht fielen die Aktienkurse drastisch. Der Dax verlor innerhalb kurzer Zeit mehr als 30 Prozent.

Wiederholt sich diese Geschichte nun in diesem Jahr?, fragen sich viele Investoren Der Dax hat bereits in nur wenigen Wochen mehr als 15 Prozent verloren. Geht die Talfahrt nun ungebremst weiter? „Es ist eine Mischung aus Sorgen zum Ausblick für das weltweite Wirtschaftswachstum und zum Inflationsausblick angesichts einer Reihe enttäuschender Daten”, beurteilt Jeremy Batstone-Carr, Leiter des Research von Charles Stanley & Co die aktuellen Situation.

Denn nicht nur Italien, sondern plötzlich stehen wie vor drei Jahren alle „südeuropäischen Sorgenkinder“ im Fokus. Als Krisensignal werten Börsianer auch die Meldung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) griechischen Banken den Zugang zu frischem Geld erleichtern will. „Das ist eine Stützungsmaßnahme, nachdem sich in den vergangenen beiden Tagen Druck aufgebaut hat", sagte ein griechischer Zentralbanker.

Wegen Spekulationen auf vorgezogene Neuwahlen hat der Leitindex der Athener Börse seit Wochenbeginn 13 Prozent verloren. Auch die griechischen Staatsanleihen gingen auf Talfahrt. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel binnen weniger Tage auf mehr als neun Prozent von zuvor 6,5 Prozent.

In Griechenland soll turnusmäßig 2016 gewählt werden. In Umfragen liegt die linke Oppositionspartei Syriza vorn. Sie ist gegen den strikten Sparkurs der konservativen Regierung. Investoren bezweifeln zudem, dass Griechenland ausreichend Käufer für seine Bonds findet, wenn es vorzeitig auf den internationalen Rettungsschirm verzichtet.

Südeuropäische Schuldtitel unter Druck
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Anleihen und Aktien unter Verkaufsdruck - Comeback der Euro-Krise?

27 Kommentare zu "Anleihen und Aktien unter Verkaufsdruck: Comeback der Euro-Krise?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zur Geschichte des EUR ... Ex-Bundesbanker Prof. Nölling gibt Auskunft aus erster Hand und ungeschönt. Der EUR ist geboren aus Misstrauen und Kontrolldrang. Ein schockierendes Interview:

    https://www.youtube.com/watch?v=eKxzGTwAqOQ

  • Die EUR-Krise ist selbst gemacht, von unfähigen und ahnungslosen Politikern, die dem Druck insb. der französischen Politelite zum faktischen Abwickeln der Bundesbank als Preis für die deutsche Einheit nachgegeben haben, die alle Warnrufe der Fachleute ignoriert, ja sogar ins Lächerliche gezogen haben, das darf man nie vergessen.

    Dabei war dieses selbstmörderische Zugeständnis an Frankreich nie notwendig, die Einheit Deutschlands wurde faktisch von den ostdeutschen Strassen forciert und politisch in Moskau und Washington besiegelt.

    Dass ausgerechnet mal wieder auch CDU-Leute bei dieser totalen Fehleinschätzung an vorderster Front beteiligt waren, zeigt die große Divergenz zwischen Anspruch und Realität in dieser Partei. Und seit dem hat sich die CDU leider noch weiter ad absurdum geführt ... insb. Frau Merkel und ihre Mitläufer wie Schäuble, Kauder etc verrichten gerade große Schritte zur Schädigung des Landes und auch der CDU selbst.

    Und auch für EU-Europa insgesamt sind die Aussichten eher mies, mal wieder zahlen die Bürger einen hohen Preis für kollektives Versagen bzw. Egoismus der Eliten, insb. der südländischen Feudaleliten.

    Da kann man die aufkommende AFD noch so sehr schmähen, beleidigen und ins falsche Licht stellen, die großen Fehler sind in der CDU selbst begangen worden.

  • Es wird Zeit, dem Kind einen neuen Namen zu geben. Eine Eurokrise hat es nie gegeben, wenn man die Sache zuende denkt. Allerdings ist es dann leichter, Steuergelder für diese Krise zu verplanen, als wenn sie den verdienten Namen Banken-, Staats- und Heuschreckenkrise hätte.
    Der Name Eurokrise ist nichts anderes als Marketing, allerdings mit dem Effekt, dass die Menschen innerhalb der EU der eigenen Gemeinschaft nichts positives mehr abgewinnen können. Dies sollte sich die europäische Presselandschaft mal zu Herzen nehmen. Oder aber beweisen, dass die jetzige Krise originär mit dem Euro zu tun hat. Hierfür wird sich aber wohl kaum ein ernst zu nehmender Wirtschaftsprofessor finden lassen.

  • der euro wahr schon zur Einführung eine hyperinflation fü die deutschen sparer.Nun sind wir in Teil zwei der Geschichte.Jetzt kommt wieder die Entwertung.guckt euch bloss mal den wert des Euros gegenüber den dollar an!bald haben wir die Paritaet 1:1.

  • ...ja, da sind wir einer Meinung.

  • Träumen Sie weiter....!!! Nicht der jetzt erfolgte (und lange überfällige) Kursrückgang um 15% beim Dax ist besorgniserregend, sondern die wundersame Steigerung um 150% im Zeitraum von Ende 2008 bis 2014. Weil sie primär auf einer künstlichen Geldschwemme basiert hat und die immensen grundlegenden globalen wirtschaftlichen Probleme mit diesem billigen Geld nur kaschiert worden sind. Wer also glaubt, diese vermeintlichen "Schnäppchen-Kurse" jetzt nutzen zu müssen und sein Geld dann in 2, 3, 4 Jahren locker nochmal verdoppeln zu können, der soll ruhig kaufen. Aber nachher auch nicht rumjammern, wenn das erst der Beginn eines veritablen Crashes war. Zur Erinnerung: Auch nach den ersten starken Kursrückgängen in 2007/2008 (ebenfalls nach vorangegangener 5-jähriger Kurssteigerung um 200 Prozent seit 2002) gab es haufenweise Analysten, die meinten, das seien jetzt super Einstiegskurse - danach hat der Dax sich halbiert. Fakt ist doch eher, dass auch die längste Phase einer künstlichen Geldschwemme irgendwann zu Ende geht (oder einfach keine Wirkung mehr entfacht) und die Börsen besonders in den USA nach allen vernünftigen Bewertungskriterien einfach massiv überbewertet sind und teilweise Hype und Bewertungs-Exzesse (siehe Tesla) vorliegen, die nach einem Crash geradezu schreien...

  • Warum soll sich nicht alles wiederholen, wenn niemand gezwungen wird irgendwas zu ändern. Alles bleibt beim Alten, der Michel zahlt und die Anderen lachen sich kaputt

  • ich erlebe es gerade in der Firma meines Arbeitgebers: vor 2 Jahren aus Altersgründen ein Wechsel des Geschäftsführers. Der alte war ein Praktiker - fast von Beginn dabei - hat schlechte Zeiten durchgestanden und hat die Firma in guten Zeiten stetig vergrößert. Der neue ist gebildet - hat studiert - und kennt nur statische BWL-Lösungen. Noch drei Jahre - dann ist die Firma pleite! Ein Blender. Nach und nach wurde/wird jeder entlassen/geschasst der Wissen/Können besitzt. Es darf niemanden neben ihm geben der auch nur auf einem Gebiet mehr kann oder weis als er. Inzwischen sind wir eine Firma in der nur Leute hoch kommen die fachlich ungeeignet sind.
    Und genau so läuft es in der Politik! Kein hochrangiger Politiker wird jemanden neben sich dulden der mehr kann als er. Also sind inzwischen zu 90% nur noch die Unwissenden Blender auf Schlüsselpositionen. Da hilft nur ein Crash. Erst in der wirklichen Krise - erst kurz vorm/im Untergang können sich Menschen mit Potenzial nach vorne/oben arbeiten.

  • Der Brüller des Tages!

  • Seit der €-Einführung verliert D kontinuierlich an Wohlstand relativ zu den anderen EU-Staaten. Kein Wunder angesichts der Umverteilungsmechanismen. Deutschland war nie stärker als zu DM-Zeiten. Die Starken brauchen die Schwachen nicht - nur umgekehrt!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%