Anleihen
Zinsanstieg bedroht Aktienrally

Die steigenden Anleiherenditen werden zunehmend zu einer Belastung für den Aktienmarkt. Dabei ist das Zinsniveau, zu dem sich ein Umschichten auf Rentenpapiere lohnt, in den USA schon nahezu erreicht, während in Europa Aktien noch Preisvorteile bieten.

DÜSSELDORF. Zu diesem Ergebnis kommen Analysten mehrerer großer internationaler Bankhäuser mit unterschiedlichen Rechenmethoden. Die Schere schließt sich von zwei Seiten: Die Rendite von Rentenpapieren verbessert sich. Gleichzeitig werden Aktien im Zuge der andauernden Rally teurer und verlieren an Attraktivität.

„Aktien verlieren im Vergleich zu Anleihen an Glanz“, sagt Chefstratege Sebastian Horvitz von Axa Investment Managers in Paris. Nach einer Serie von Leitzinserhöhungen in den USA und dem Beginn von Zinserhöhungen in Europa glaubt er: „Wir befinden uns jetzt in einer Zone, in der die Geldpolitik entscheidend für die Aktienmärkte ist.“ Nach seinen Berechnungen ist der Wendepunkt, ab dem es sich lohnt, in Rententitel umzuschichten, in Europa bei einer Rendite von 4,5 Prozent auf zehnjährige Bundesanleihen erreicht. Derzeit liegt sie bei knapp vier Prozent. Credit Suisse errechnete als Schwelle eine Rendite von 4,3 Prozent. Danach besteht in Europa noch ein gewisser Puffer, bis Aktien weniger attraktiv sind als Anleihen. „Noch sind Aktien im Preisvorteil“, sagt Stratege Lars Kreckel von ABN Amro in London. Die Aktienmarktrally in Europa könnte also noch eine Weile andauern. Ohnehin schichten Anleger meist mit Verzögerung um.

In den USA, wo die Rendite zehnjähriger Anleihen rund fünf Prozent beträgt, ist dagegen die Schwelle fast erreicht. Der Renditeunterschied zwischen Aktien und Anleihen nähere sich seinem langjährigen Durchschnitt, sagt Aktienstratege Albert Richards von Citigroup in San Francisco. Damit dürfte wieder die normale Situation einkehren, wonach Aktienkurse sinken, sobald die Zinsen steigen. In der vergangenen Niedrigzinsphase waren die Kurse der Dividendentitel trotz steigender Zinsen nach oben gegangen. Doch dieser Ausnahmezustand sei nicht von Dauer, sagt Richards. „Ich bezweifle, dass wir hier neue Regeln haben. Bei steigenden Zinsen können Aktien nicht ewig nach oben gehen.“

Das Citigroup-Team vergleicht in seinen Untersuchungen das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Aktien mit dem Verhältnis von Rendite und Kurs der Anleihen. Besonders die US-Nebenwerte haben danach ihren Preisvorteil gegenüber Anleihen verloren. Sie haben in der Vergangenheit besonders stark zugelegt. Credit Suisse ermittelt die Risikoprämie, die Aktienkäufer beim derzeitigen Kursniveau gegenüber Anleihen erzielen. Noch sei sie in Europa attraktiv, errechnete das Researchteam. In den USA aber hätten Aktien kaum noch einen Preisvorteil. Die Bank empfiehlt bereits eine höhere Gewichtung von Anleihen. Die Finanzagentur Bloomberg blickt auf die Dividendenrendite der im europäischen DJ Stoxx 50 enthaltenen Werte. Mit durchschnittlich 3,15 Prozent sei sie gegenüber der Rendite von Bundesanleihen deutlich abgefallen.

Die Citigroup rät, im Aktienportfolio zinsempfindliche Titel wie Banken zu meiden. Credit Suisse empfiehlt Titel, die vom US-Markt weitgehend unabhängig sind und eine geringe Verschuldung vorweisen wie etwa Nokia, Ericsson oder Pro Sieben Sat 1.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%