Anleihentausch
Griechische Rentner leiden unter Schuldenschnitt

Der griechische Schuldenschnitt ist seit heute offiziell abgeschlossen. Zehntausende Kleinanleger in Griechenland drohen, deswegen in die Altersarmut abgleiten. Jetzt klagen sie und fordern ihr Geld zurück.
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AthenDer Anleihentausch im Rahmen des Schuldenschnitts in Griechenland ist seit heute offiziell abgeschlossen. Staatspapiere im Gesamtwert von rund 199 Milliarden Euro seien umgetauscht worden, teilte das Finanzministerium in Athen mit. 96,9 Prozent der Investoren hätten sich an dem Tausch beteiligt.

Was für den Staatshaushalt eine gute Meldung ist, klingt gerade für Kleinanleger in Griechenland wie blanker Hohn. Als Andreas A. vor vier Jahren seine Ersparnisse in griechische Staatsanleihen investierte, glaubte er an eine sichere Anlage. Jetzt weiß es der 67-jährige Rentner besser: Von den knapp 45000 Euro, die er seinerzeit für die Papiere bezahlte, sind Bonds im Nennwert von etwas mehr als 20000 Euro übrig.

Tatsächlich ist das Vermögen des Pensionärs sogar noch weitaus stärker geschrumpft, denn die neuen Anleihen, die man ihm ins Depot gebucht hat, notieren überwiegend zu weniger als 20 Prozent ihres Nennwerts. Und die Fälligkeit der Anleihen kann Andreas A. nicht abwarten, denn die laufen teils bis zum Jahr 2042. „Das werde ich nicht erleben“, sagt der Mann.

Der Pensionär aus dem Athener Stadtteil Pangrati ist einer von rund 7000 Griechen, die jetzt vor dem Areopag ihr Recht suchen. 72 Sammelklagen sind dort inzwischen anhängig. Neben Kleinanlegern gehen auch Pensionskassen und Verbände wie die Athener Industrie- und Handelskammer gegen den Schuldenschnitt vor Gericht.

Aber auch mehrere Pharmaunternehmen sind unter den Klägern. Sie fühlen sich doppelt geprellt: Vor zwei Jahren bot ihnen der damalige griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou an, die teils seit Jahren unbezahlten Arzneimittellieferungen an staatliche Kliniken mit Staatsanleihen zu begleichen. Schon damals mussten die Pharmafirmen erhebliche Abschläge hinnehmen. Allein die Firma Merck kam so in den Besitz von griechischen Bonds im Nennwert von rund 40 Millionen Euro. Jetzt wurden die vermeintlich sicheren Papiere durch den Schuldenschnitt erneut drastisch abgewertet. Für die Pharmafirmen bedeutet das teils zweistellige Millionenverluste.

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  • och, wie traurig. Da blutet mir das Herz - ährlich!

  • Griechenland zahlt seine Bonds zu 100% zurück. Aber nur die, wo der Eigentümer die EZB, die NZBs oder die EIB sind. Und das Land zahlt auf die EFSF-Anleihen auch volle Tilgung und Zinsen.
    Dann gleicht Griechenland die Verluste der lokalen Banken durch neues Kapital aus.
    Einige Fonds bekommen Entschädigungen in Form von Grundstücken.

    Dann haben sich über 80% der Anleiheeigentümer freiwillig für einen Tausch ausgesprochen.

    Und dem stehen jetzt knapp 15.000 Kleinanleger gegenüber, denen von den europ. Finanzministern über mehr als ein Jahr lang versprochen wurde, daß es vor 2013 zu keiner Privatbeteiligung kommen würde und dann auch nur für Neubonds. Und die verlieren über 75% des Nominale.

    Man hat also nach der Person des Schulders differenziert: Du bekommst 100%, er bekommt 25% und einen Wertausgleich und sie bekommt 25% und sonst nichts. Auf die Begründung eines Gerichts, daß eine Ungleichbehandlung dieser Art den Grundrechten auch nur irgendeines Landes in Europa entspricht, auf die bin ich gespannt.

  • Tja, schauts euch nur gut an! Was in GR im Kleinen passiert, wird auch zu uns rüberschwappen. Das ist ja der Masterplan. Die Billionen an Sparguthaben, die ja in Wirklichkeit schon verdampft sind, müssen nun auch buchhalterisch entsorgt werden. Bei dem kleinen Häufchen der Griechen läuft ein Verhaltenstest und bei positivem Ausgang (danach siehts ja aus, denn die Grekos haben vergessen, wie die Franzmänner das Problem 1789 gelöst haben) wird das auf Kerneuropa übertragen. Und die zugelullten und genderisierten Völker lassen das widerstandslos mit sich machen. Ein Jammer!

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