Anselm Grün
„Gott sei Dank habe ich bei der Blase nicht mitgemacht“

Pater Anselm Grün ist oberster Geldverwalter eines Klosters bei Würzburg. Aktien betrachtet er als reale Geldanlage, obwohl er mit Investments auch schon Geld verloren hat. Welchen Anlagestil der Geistliche pflegt.
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Sie haben in Griechenland-Anleihen investiert, als bereits offensichtlich war, dass es dem Land finanziell sehr schlechtging. Warum?

Anselm Grün: Ich habe vor gut einem Jahr, als der erste Rettungsschirm gestanden hat, auf Anraten eines Bankers eine kleine Summe dort investiert. Aber ich merke, man kann sich anscheinend auf nichts mehr verlassen. Das gilt übrigens für das ganze Geldgeschäft: Es gibt keine Garantien mehr. Deswegen favorisiere ich inzwischen Aktien gegenüber Anleihen.

Nun hätte man das in Griechenland auch schon vor einem Jahr sehen können. Einem hohen Risiko stand damals die Aussicht auf eine hohe Rendite gegenüber.

Damals, nach dem ersten Rettungsschirm, hat mir mein Bankberater gesagt, dass die Anlage bis Ende 2013 sicher ist. Es war zum Glück keine große Summe. Spanien-, Irland- oder Portugal-Anleihen habe ich aber nicht gekauft.

Wenn Sie jetzt mehr in Aktien machen, müssten Sie überzeugt sein, dass sich der gute Jahresauftakt fortsetzt. Ist das so?

Aktien sind etwas Reales. Das unterscheidet Unternehmen vom Staat. Dort spielt die Politik eine große Rolle, was für Anleger viel schwieriger einzuschätzen ist. Große, solide Firmen bieten dagegen viel mehr Kontinuität. Wichtig ist mir, dass ich jetzt mehr streue als früher. Was ich nie kaufe, sind konstruierte Produkte. Auch Bonuszertifikate kaufe ich keine mehr. Auf alles, was von Banken ausgedacht ist, verzichte ich.

Sprechen Sie da aus Erfahrungen der Vergangenheit?

Ich habe im ersten Jahr damit gut verdient. Aber man muss genau hinsehen, welchen Hebel, welches Aufgeld die haben. Sie sind beispielsweise nur dann interessant, wenn sie überhaupt kein Aufgeld haben. Inzwischen weiß ich, da verdienen immer nur die Banken.

Nun machen Sie die Arbeit als Cellerar, also als oberster Geldverwalter, des Klosters Münsterschwarzach schon seit mehr als drei Jahrzehnten. Haben Sie im vergangenen Jahrzehnt mehr Erfahrungen gemacht als in der Zeit davor?

In den Jahrzehnten davor war es im Vergleich dazu geradezu ruhig. Gott sei Dank habe ich aber bei der Blase am Neuen Markt nicht mitgemacht. Die Krisen 2001 und dann 2008 waren aber in vielen Bereichen vorauszusehen.

Sind Sie damals rechtzeitig ausgestiegen?

2008 bin ich nicht rechtzeitig rausgegangen. Da habe ich schon Geld verloren. Doch das habe ich bis Ende 2010 wieder gewonnen.

Und was haben Sie in einem Jahr wie 2011 gemacht, als ab Ende Juli alles wieder nach unten ging?

Da habe ich wieder verloren. Aber schlaflose Nächte hatte ich nicht. Ich weiß: Es ist immer ein Auf und Ab. Kurzfristig kann ich verlieren, aber langfristig wird sich das einspielen. Als es runterging, habe ich stets in kleinen Umfängen Aktien gekauft. Mit denen liege ich gut im Plus.

Kommentare zu " Anselm Grün: „Gott sei Dank habe ich bei der Blase nicht mitgemacht“"

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  • Tja RMZ, merken Sie was? Hätte man hier Michael Schumacher nach seiner Anlagestrategie befragt, wäre sicher auch thematisiert worden, dass er keine Steuern in Deutschland zahlt. (Oh Schreck, schon wieder Thema verfehlt!). Dann zum Kloter Würzburg: Interessiert hätte mich hier die Frage, ob denn im 2. Weltkrieg im Kloster Würzburg Zwangsarbeiter beschäftigt waren und ob Pater Anselm diese ggf. entschädigt hat. Das wäre ja sowohl aus dem Vermögensstock als auch aus den Erträgen möglich gewesen. A(r)men!

  • Die Kritik an der Anlagestrategie Anselm Grüns ist wenig nachvollziehbar und von Vorurteilen geprägt.

    Es gab Zeiten, waren Renditeziele von 10% die normalste Sache der Welt, weil ein relativ stabiles Wachstumsumfeld das ermöglichte.
    Mittlerweile liegen langfristige Renditeziele eher bei 6% bei solide anlegenden Großportfolios.

    Anselm Grün geht bei seinen Anlagen durchaus Risiken ein, auch weil seine Anlagestrategie nicht ausschließlich gewinnorientiert ist.
    Er schafft es aber insgesamt solche Risiken zu kompensieren.
    Ebenfalls hat er neue Anlagemöglichkeiten getestet und aus seinen erfahrugnen gelernt. Versuch macht eben klug.

    Was daran falsch, unprofessionell oder sonstwie kritikwürdig sein soll, das bleibt mir schleierhaft.
    Irgenwie scheint es so manchen zu stören, das er letztlich trotzdem erfolgreich war.

    H.

  • Der Cellerar (lat. cellerarius, Kellermeister; abgeleitet von cella, cellarium, Raum, im Sinne von Vorratskammer) ist in nach der Benediktsregel lebenden Klostergemeinschaften der Verwalter des materiellen Klosterguts, d.h. der wirtschaftliche Leiter eines Klosters. Er entspricht etwa dem Finanz- und Personalvorstand eines Wirtschaftsunternehmens.

    Der Begriff stammt ursprünglich aus dem römischen Haushaltswesen und wurde im Italien der Spätantike erstmals für den Funktionsträger eines Klosters verwendet. Eine ältere, im östlichen Mönchtum eingebürgerte Bezeichnung, die in den abendländischen Klöstern aber nur von den weiblichen Gemeinschaften verwendet wurde, ist Ökonom (griech. oikonomos).

    Der Cellerar wird vom Abt oder Prior bestimmt und ist an deren Weisungen gebunden. Zu seinen Aufgaben gehör(t)en u.a. die Organisation und Verteilung der Arbeit, die Vorratshaltung, die Ausgabe von Nahrungsmitteln und Bekleidung an die Mönche und der Handel mit den im Kloster hergestellten Produkten, aber auch der Einzug der klösterlichen Einkünfte. Als Leiter der Wirtschaftsbetriebe ist der Cellerar auch der Vorgesetzte der zivilen Mitarbeiter eines Klosters.

    Die herausgehobene Stellung in der Klostergemeinschaft wird schon in der um 530 entstandenen Benediktsregel deutlich, die dem Cellerar ein eigenes Kapitel (Nr. 31) widmet und hohe Anforderungen an den Amtsinhaber stellt (“Er soll für die ganze Klostergemeinde wie ein Vater sein.”). Papst Innozenz II. erließ 1143 eine Verfügung, nach der niemals ein Laie dieses Amt verwalten sollte, dennoch kam es zuweilen im Laufe der Geschichte dazu.

    In nicht-klösterlichen, neueren Gemeinschaften heißt der Wirtschaftsverwalter meist Ökonom, seltener auch Prokurator oder Minister.
    Literatur

    “Der Cellerar des Klosters” in: Basilius Steidle. Die Benediktus-Regel. Beuron 1975

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