Anti-japanischen Proteste in China
Politik diktiert Kurse in Tokio

Japans Börsen vermögen sich bislang nicht von ihrem drastischen Kursrückgang in Folge der anti-japanischen Proteste in China zu erholen. Der Leitindex Nikkei pendelt um die Marke von 11 000 Punkten, also knapp 1 000 Zähler unter dem Niveau, bevor die Auseinandersetzungen begonnen hatten. Inzwischen glätten sich zwar die Wogen zwischen beiden Staaten. Doch jetzt halten schlechte Unternehmensnachrichten die Börsen in Schach.

TOKIO/DÜSSELDORF. „Die Erwartungen waren zum Jahresanfang vielleicht etwas zu hoch“, meint Seiichiro Iwasawa, Stratege bei der größten japanischen Investmentbank Nomura. Kurzfristig belasten die Unsicherheiten aufgrund des angespannten Verhältnisses zu China, schließlich setzen viele japanische Unternehmen auf das Reich der Mitte als Absatzmotor. Vor allem, meint Iwasawa, drücken derzeit jedoch die Verkäufe ausländischer Investoren, die rund die Hälfte des Handels ausmachten, die Kurse.

Inzwischen hat die chinesische Führung ein hartes Vorgehen angekündigt, um eine Wiederholung der anti-japanischen Proteste der vergangenen Wochen zu unterbinden. Demonstranten hatten wiederholt Steine gegen japanische Einrichtungen geworfen und Geschäfte zerstört. Auslöser war die Veröffentlichung eines japanischen Schulbuchs, in dem japanische Kriegsverbrechen in China verharmlost wurden. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern hatten daraufhin einen Tiefpunkt erreicht. Bei einem Treffen zwischen Chinas Präsident Hu Jintao und dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi am Wochenende hatten sich beide Seiten um Entspannung bemüht. Die Kommunistische Partei Chinas startete öffentlichkeitswirksam eine Kampagne gegen die Proteste und nahm Demonstranten fest, nachdem sie sich vorher auffallend zurückgehalten hatte. In beiden Ländern litten die Börsen, weil vor allem ausländische Investoren mit Sorge die Krawalle betrachteten und Kapital abzogen.

Daneben sorgen aber auch schlechte Nachrichten von der Unternehmensseite dafür, dass sich die Aktien nach ihrem Fall bislang nicht wieder erholen. So hatte Nec einen deutlich gesunkenen Betriebsgewinn vorgelegt. Der weltweit achtgrößte Computerchiphersteller rechnet zudem mit einem weiteren Rückgang im laufenden Geschäftsjahr. Honda hatte für das laufende Geschäftsjahr wegen der harten Konkurrenz auf dem chinesischen Automarkt ebenfalls einen Gewinnrückgang prognostiziert. Schließlich hatte der Elektronikkonzern Fujitsu seine Gewinnprognosen deutlich nach unten korrigiert.

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