Argentinien Luxuskarossen als Schutz vor Inflation

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Warum BMW Reis und Porsche Wein exportiert

Im April wurden in Argentinien insgesamt 88.323 Autos verkauft, das war nach Angaben des Autoverbands Adefa der zweithöchste Wert der Datenreihe. Seit Jahresbeginn haben sich die Argentinier 1.588 BMWs zugelegt, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Der Autoabsatz von Jaguar und Land Rover kletterte den Daten zufolge um 200 Prozent beziehungsweise um 278 Prozent.

Im vergangenen Jahr sind die Preise von Gebrauchtwagen um etwa 25 Prozent gestiegen, also im Rahmen der Verbraucherpreis- Entwicklung. Der offizielle Verbraucherpreisindex stieg zuletzt um 10,6 Prozent, unabhängige Beobachter gehen aber davon aus, dass der tatsächliche Preisauftrieb etwa doppelt so hoch sein dürfte.

Inflationsindexierte Peso-Anleihen haben im bisherigen Jahresverlauf 3,4 Prozent verloren, nach einem Minus von 13 Prozent im Jahr 2012, denn sie sind an den offiziellen Inflationsindex gebunden. Die Durchschnittsrendite der in Dollar denominierten Staatsanleihen lag zuletzt bei 13,92 Prozent - etwa drei Mal so hoch wie der Durchschnittswert für Schwellenländer.

Die hohe Inflationsrate und die Differenz zwischen offiziellem Wechselkurs und Schwarzmarkt-Kursen treiben zwar die Autoverkäufe im Lande an. Dieselben Gründe behindern aber auch Investitionen in die Autoindustrie, erklärt Cristiano Rattazzi, President von Fiat Auto Argentina.

„Es gibt keine Gewissheit“, sagt Rattazzi, der auch dem Verband der Autohersteller vorsitzt, in Buenos Aires. „Das Umfeld ist sehr instabil. Was geschieht, wenn sie abwerten? Was geschieht, wenn es mehrere Wechselkurse gibt? Alle diese Fragen und die hohe Inflationsrate bremsen die Investitionen deutlich.“

Im März 2011 hat die argentinische Regierung den Autoimporteuren zur Auflage gemacht, eben so viel aus dem südamerikanischen Land auszuführen wie importiert wird. Damit soll der Handelsbilanzüberschuss des Landes aufgebessert werden.

Daher hat BMW mit dem Export von argentinischem Reis begonnen. Porsche führt Oliven und Malbec-Rotwein aus und Shizuoka Subaru Hühnerfutter. Hyundai Motor liefert Sojamehl nach Vietnam, und Mitsubishi Motors exportiert Erdnüsse. Die Autohersteller gewährleisten damit, ihre im Ausland produzierten Wagen nach Argentinien einführen zu können.

Autos und andere langlebige Güter sind nach Einschätzung des ehemaligen Wirtschaftsministers Jorge Remes Lenicov, der von Januar 2002 bis April 2002 im Amt war, allerdings nur eine temporäre Lösung im Kampf gegen den Kaufkraftverlust. „Man kann sein Geld nirgendwo mehr reinstecken“, meint Lenicov. „Wegen der Inflation verliert man seine Mittel fast überall, aber wenn man ein Auto kauft, dann kann man es wenigstens genießen.“

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7 Kommentare zu "Argentinien: Luxuskarossen als Schutz vor Inflation"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @todo loco: ich stimme dir voll und ganz zu. Auch ich lebe seit fast 1 Jahr hier in Argentinien und noch immer schüttle ich den Kopf, was man so alles erlebt. Die Wirtschaft eine katastrophe, die Inflation unglaublich... der Durchschnittsargentinier kann einem nur leid tun... und die Situation in diesem Land einem Deutschen zu erklären... das geht eigentlich gar nicht. Als Deutscher unvorstellbar! Was ich hier am schnellsten gelernt habe ist, dass es Deutschland verdammt gut geht und alles Jammern ist Jammern auf SEHR HOHEM Niveau. Bin gespannt, ob die nächste Staatspleite noch dieses Jahr kommt. Zumindest haben die Argentinier heute, am 25.5., mal wieder sich selbst gefeiert. Muy interesante! ;-)

  • Ich lebe zur Zeit(seit 3.5 Jahren) in Argentinien und habe ständig das Problem Deutschland zu erklären wie Argentinien funktioniert. Und wenn man nicht selbst mind. 6 Monate hier war kapiert das keiner (hätte ich auch nicht). Mehr zur allgemeinen Lage hier im sehr guten Länderbericht der Adenaur Stiftung (http://www.kas.de/wf/doc/kas_34396-1522-1-30.pdf?130516105657) Allgemein: Die Argentinier kaufen wie bekloppt alles was sicherer als ihre Währung ist (EURO, USD, Autos, Ziegelsteine, Handys, ect.) also praktisch alles. Es geht nicht um Inflation sondern um den nicht mehr aufzuhaltenden Staatsbankrott und einer kompletten Geldentwertung (meist 1:10.000). Also jeder der Peso hat gibt sie so schnell wie möglich aus, was die Inflation weiter anheizt und den Termin für den Bankrott nach vorne verschiebt. Luxus Autos können sich nur die durch Importverbote reich gewordenen Argentinier leisten. Der Arme wird am Schluss (und jetzt schon) die komplette zeche bezahlen. Der Gebrauchtwagenmarkt funktioniert auch völlig anders als in D. Ein Auto verliert hier nie an Wert, egal wie alt oder KM. Z.b. Ein MB E200 BJ.82, 350.000 KM = 9800 USD....der damalige Neupreis. Europa ist ein Paradies, wir sind nur zu Betriebsblind das noch zu erkennen.

  • @ Inflationator

    Zitat : im Gegensatz zum Sparer, falls er keine Zinsen von mind. 17% erhält.

    -- und warum sollen die Sparer auf 15 % Zinsen verzichten ?

    Dieser Zinssatz sollte in Ihre Rechnung nach Adam Riese AUCH EINGEHEN !
    http://www.foonds.com/article/25796/

    Wenn ein Argentinier für 100.000 € sich eine Luxuskarosse zugelegt hat, so verfährt er auch 45.000 € Zinsen damit...........?!

  • Ich finde die EU und EZB seit dem Artikel supi und werde auch nicht AfD wählen - so komme ich via Euro-Inflation bestimmt bald auch zu meinem Porsche.

    Viva la inflacón!

  • "Habe ich in Arithmetik in der Schule was verpasst ? Habe ich die Theorien von Adam den Riesen nicht begriffen?" Wahrscheinlich nicht, Sie sind eben nur in einem Land mit einer (damals) stabilen Währung aufgewachsen und wirkliche Inflationsüberlegungen sind Ihnen fremd.
    Rechnung (1): Geld 3 Jahre auf dem Konto lassen bei 17% Inflation ergibt einen Verlust von 51%. Rechnung (2): Geld ausgeben für S-Klasse, vielleicht 40TKM in 3 Jahren fahren ergibt auch einen Restwert von ca.50%. Sie haben nichts gewonnen, aber wenigstens etwas von den 50% Wertverlust gehabt - im Gegensatz zum Sparer, falls er keine Zinsen von mind. 17% erhält. Selbstverständlich präsentieren Verkäufer von Autos und anderen "Sachwerten" die Rechnung optimistischer zu ihren Gunsten, der Rest sind Panik und Psychologie.
    Die Erfahrung mit den 30% am ersten Tag bezieht sich m.E. auch auf den Listenpreis, nicht den Strassenpreis.

  • "Die Einwohner" kaufen jetzt also Luxuskarossen aus deutscher Produktion? Das BIP pro Kopf ist nicht mal halb so groß wie in DE, aber "die Einwohner" kaufen Nobelkarren?!
    Porsche im Elendsviertel, das hat was.


  • Zitat : In Argentinien ist es verboten, Dollar zu kaufen, und der Peso dürfte Prognosen zufolge in diesem Jahr um 17 Prozent fallen.

    Zitat : Luxuskarossen als Schutz vor Inflation

    - Laut Erfahrungswerte im Gebrauchtautomobilmarkt erleidet eine Luxuskarosse einen Wertverlust nach einem Tag Zulassung von etwa 30 % !

    Wo soll hier der Witz des Schutzes vor Inflation sein ?

    Habe ich in Arithmetik in der Schule was verpasst ? Habe ich die Theorien von Adam den Riesen nicht begriffen ?

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