Asiatische Börsen
Chinas Aktienmarkt holt auf

Die chinesische Wirtschaft brummt. Wachstumsraten von zuletzt rund zehn Prozent locken Kapital ins Land. Und erstmals seit Jahren ziehen auch die heimischen Börsen mit. Der Schanghai-Index nähert sich einem Höchststand, neue Börsengänge sorgen für Kursphantasie. Experten warnen jedoch, die Finanzmärkte seien noch nicht reif für ausländische Anleger.

FRANKFURT. Während das Reich der Mitte in den vergangenen Jahren zur viertgrößten Volkswirtschaft der Welt aufstieg, blieben die jungen Aktienmärkte in Schanghai und Shenzhen lange ohne Bedeutung. Der Shanghai-Stock-Exchange-A-Index fiel seit 2002 um rund 40 Prozent, im Dezember 2005 lag der Index nur noch bei 1 100 Punkten. Erst mit Beginn dieses Jahres kam die Wende.

Zum einen erleichterte die chinesische Regierung ausländischen Investoren den Zugang zum Aktienmarkt, zum andern packte die einheimischen Investoren ein wahres Anlagefieber. Im Verlauf des Jahres schnellte der Index hoch auf aktuell 1 740 Punkte.

Und viele Experten haben keine Angst vor einer harten Landung. „Trotz der starken Kursanstiege seit Jahresanfang ist der Aktienmarkt weiterhin attraktiv bewertet“, sagt beispielsweise Vivian Tang, Fondsmanagerin von Invesco Hongkong. Schließlich sorgen Reformen der Regierung sowie neue Börsengänge weiterhin für Schwung.

Nachdem die chinesischen Behörden erst kürzlich ein einjähriges Verbot für heimische Neuemissionen aufgehoben hatten, drängt eine Reihe von Firmen an die Börse Schanghai. Chinas größter Lebensversicherer China Life Insurance will noch in diesem Jahr Aktien im Wert von bis zu zwei Mrd. Euro in Schanghai platzieren.

Branchenkenner vermuten, der Versicherer sei von der Regierung als Testobjekt ausgewählt worden. Weitere Unternehmen aus dem Finanzsektor sollen folgen. So zeichnet sich für den Herbst bereits der größte Börsengang der Welt ab: Dann will ICBC, die größte Bank des Landes, mit dem Gang an die Börsen in Schanghai und Hongkong 16 Mrd. Euro einnehmen.

„Lange Zeit waren Chinas Börsen vor allem ein Zufluchtsort für marode Staatsunternehmen. Jetzt kommen dagegen zunehmend gut geführte Unternehmen, die den Markt langfristig tragen werden“, sagt Christian Hofmann, China-Experte bei Finanz Information & Vermögens Verwaltung (FIVV). Neben Aktien aus dem chinesischen Finanzsektor werden Unternehmen der Konsumbranche hoch gehandelt. „Angesichts des zunehmenden Wohlstandes werden die Chinesen künftig mehr für ihren Lebensstil ausgeben“, sagt Alexander Banik, Manager des China-Fonds bei DWS Investment.

Trotz aller Zuversicht, stehen Anleger an den chinesischen Börsen vor Risiken. Grund ist weniger die Angst vor einem Ende des chinesischen Wirtschaftswunders, sondern vielmehr die undurchsichtigen Spielregeln und die staatliche Kontrolle an den jungen chinesischen Börsen. „Nur ein kleiner Teil der 1 300 gelisteten Unternehmen erfüllt die internationalen Anforderungen an Corporate Governance und Transparenz“, sagt Hofmann. Häufig wird zudem kritisiert, die chinesische Börsenaufsicht arbeite nicht nach westlichen Standards. Ankündigungen der Regierung, das regulatorische Umfeld zu verbessern, haben bisher ebenfalls wenig Wirkung gezeigt. Weiterhin dürfen ausländische Investoren beispielsweise die meisten Aktien in Schanghai und Schenzhen nur im begrenzten Umfang handeln.

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