Asset-Allokation
Der globale Blick wird immer wichtiger

Es vergeht kein Tag, an dem nicht das Thema Subprime-Krise in den internationalen Medien erörtert wird. Investoren richten sich derzeit neu aus, um ihre Portfolios an die Herausforderungen der nächsten Jahre anzupassen. Institutionelle Anleger nehmen dabei zunehmend die Dienste von Investmentberatern in Anspruch, denn es geht um komplexe Strategien.

HB FRANKFURT. Nach Aussage von Stephen Haswell von MFS Investment Management, einem globalen Asset Manager, wird das erste Halbjahr noch einige Überraschungen hervorbringen – und in diesem Umfeld sollten Investoren vorsichtig agieren. In der zweiten Hälfte sollte die Zuversicht jedoch wieder zurückkehren und die Ungewissheit abnehmen. Da sind natürlich auch noch die Wahlen in den USA, die in der Vergangenheit bei einer Regierung der Demokraten nachweislich für positive Entwicklungen an den US-Aktienmärkten gesorgt haben.

In diesem Zusammenhang verweist MFS auf eine Untersuchung von Jeremy Siegel, Professor an der Wharton School der Universität von Pennsylvania, nach der sich im Zeitraum von 1948 bis 2006 die Aktienmärkte unter der Führung der Demokraten im Schnitt 5,73 Prozentpunkte besser entwickelt haben als unter der Führung der Republikaner. Wie sehen Investment Consultants die derzeitige Situation und was empfehlen Sie ihren Kunden, den institutionellen Investoren, in Bezug auf ihre Anlagen? Eines wird sofort deutlich: Consultants haben eine langfristige Perspektive und verfallen nicht in Aktionismus, was sicherlich im derzeitigen Umfeld nicht sehr sinnvoll wäre.

Aussagen von Jochen Kleeberg von Alpha Portfolio Advisors zufolge besitzen traditionelle Asset-Klassen im Rahmen der Managerauswahl immer noch einen deutlich größeren Stellenwert als alternative Investments. Sein Team sieht jedoch einen starken Anstieg in der Nachfrage nach Hedge-Fonds – allein im ersten Quartal 2008 ist das Unternehmen mit der Vergabe von fünf Hedge-Fonds-Mandaten mit einem Volumen von 500 Mill. Euro beschäftigt. Dieser Trend zeichnet sich auch deutlich in anderen Ländern ab. Ein führender Consultant in der Schweiz, Complementa, hat zum Beispiel im vergangenen Jahr einen Großteil seiner Selektionen in den alternativen Asset-Klassen durchgeführt.

Kleeberg zufolge ist der Mehrwert von Consultants in Asset-Klassen höher, bei denen die Investoren einerseits einer stärkeren Komplexität ausgesetzt sind und anderseits das Alpha-Potenzial auf Grund von Marktineffizienzen groß ist. Das Bedürfnis, weiter zu diversifizieren, hat zugenommen – und nicht zuletzt die Lockerungen bei den Anlagegrenzen haben dazu geführt, dass traditionelle Investitionen in europäischen Aktien und Renten durch eine verstärkt globale Diversifikation ergänzt werden. Dieser Trend wird sich wohl auch in Zukunft fortsetzen. Kleeberg berichtet, dass institutionelle Investoren Anlagen in Emerging Markets zunehmend aufgeschlossen gegenüberstehen. So hat sein Team in den vergangenen Monaten vier Managerauswahlverfahren für Emerging-Markets-Mandate durchgeführt. Auch Spread-Anlagen sind auf Grund der gestiegenen Renditen im jetzigen Marktumfeld wieder interessanter für Investoren.

Auch beim Beratungsunternehmen Mercer betreibt man nach Aussage von Erik Crawford kein Market Timing, aber aus bewertungstechnischer Perspektive gelten Aktien derzeit als interessanter im Vergleich zu Anleihen. Rezessionsängste scheinen jedoch im Markt eingepreist zu sein. Um Flexibilität zu wahren, hält Crawford Liquididät im Moment für interessanter als Anleihen. Unter institutionellen Investoren sieht er neben Aktien auch Absolute-Return-Mandate als interessant an.

Hierbei unterstreicht er ganz klar, dass es bei einer strategischen Asset Allocation nicht auf kurzfristige Entwicklungen ankommt, sondern die Ziele des Investors ganz klar im Vordergrund stehen. In vierteljährlichen Abständen weist Mercer seine Klienten darauf hin, wie er zu einzelnen Asset-Klassen steht. Spread-Anlagen galten dabei lange Zeit als unattraktiv, was sich jedoch auf Grund der neuen Situation geändert hat. Wichtig ist am Ende, ausreichend zu diversifizieren und das Hauptziel nicht aus den Augen zu verlieren. Denn bekanntlich weichen die individuellen Ziele einzelner institutioneller Investorengruppen deutlich voneinander ab.


Murat Ünal ist Vorstand bei der Funds at Work AG.

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