Attraktive Bewertung
Renaissance der Nebenwerte

Der Ausverkauf bei kleinen und mittelgroßen Aktien ist vorbei. Jetzt bieten sie nach Ansicht von Experten wieder Chancen. Worin Analysten dies begründet sehen und welche Titel sie für besonders interessant halten. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

FRANKFURT. Die deutlichen Kursrückschlage bei den Nebenwerten zum Ende des vergangenen Jahres hat dazu geführt, dass viele Experten Aktien von kleinen und mittelgroßen Gesellschaften wieder gute Chancen zubilligen. "Midcaps erscheinen erstmals seit langem wieder mit einer attraktiven Bewertung", sagt etwa Wolfgang Sawazki, Leiter des Aktienresearch beim Bankhaus Sal. Oppenheim.

Hintergrund dessen ist, dass beispielsweise die im vergangenen Jahr lange Zeit kräftig steigenden Aktien aus MDax und SDax im Zuge der Subprime-Krise einen spürbaren Rückschlag erfahren haben und mittlerweile weitaus günstiger zu haben sind als noch im ersten Halbjahr 2007. Der Deutsche Aktienindex (Dax), der laut Berechnungen der DZ Bank derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12 aufweist, ist nur geringfügig attraktiver bewertet als der MDax mit einem KGV von 13,7.

Seit Jahren streiten die Börsianer darüber, ob die kleinen und mittelgroßen Werte - die so genannten Small- und Midcaps - oder die schwergewichtigen Blue Chips bessere Renditen bringen. Dabei favorisierten die Aktienanalysten der großen Banken lange Zeit die großen Werte; zum Jahresende hatten jedoch stets die kleinen Titel die Nase vorn. Gründe dafür waren deren geringere Exportabhängigkeit in Zeiten stark schwankender Währungen, eine gewisse Mode sowie die vielen Übernahmen, die es in den letzten Jahren in diesem Bereich gab.

Der allmählich einsetzende Trend, generell wieder kleinere Werte in den Fokus zu rücken, hängt indes mit anderen Dingen zusammen. Die Experten der WestLB etwa haben drei Indikatoren ausgemacht, auf die sie bei den wohl in Zukunft erwarteten Schwankungen an den Börsen großen Wert legen: Zum einen suchen sie nach Aktien, die unter schwierigen Bedingungen ihren Vorsprung bei Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit halten können. Zum anderen spielen die geringe Abhängigkeit von Makrorisiken und eine mögliche Dividendenüberraschung eine größere Rolle. Dabei ist die WestLB insbesondere auf deutsche Nebenwerte gestoßen, die diese Kriterien erfüllen: Unter den acht europäischen Favoriten, den sogenannten "Top-Picks", befinden sich mit dem Dünger-Produzenten K+S und United Internet gleich zwei deutsche Unternehmen.

Den Nebenwerten kommt zudem die Unternehmenssteuerreform zugute. "Midcap-Unternehmen sind wegen ihrer starken Ausrichtung auf den heimischen Markt einer der Hauptgewinner", sagt Sal. Oppenheim-Experte Wolfgang Sawazki. Der Effekt liegt bei einem Gewinnplus von drei bis fünf Prozent, haben Analysten berechnet, wobei der Anstieg für den Dax eher am unteren und für den MDax eher am oberen Ende angesiedelt sein dürfte.

Generell sind unter den Nebenwerten vor allem die defensiven Werte interessant, von denen sich besonders viele im MDax befinden. Gerhard Schwarz, Leiter des Aktienresearch bei Unicredit in München, traut dem Index deswegen bis zur Jahresmitte weit mehr zu als dem Dax. Während er den großen Bruder in etwa auf dem aktuellen Niveau von 7 900 Punkten verharren sieht, könnte der MDax vom derzeitigen Stand aus über neun Prozent bis auf 10 000 Punkte gut machen.

Weitaus weniger Potenzial bietet dagegen der Technologieindex TecDax. Rund 30 Prozent hat der Index im vergangenen Jahr zugelegt. Mit einem von der DZ-Bank errechneten KGV von 21,7 gilt er bei den Experten mittlerweile als teuer. Auslöser für den Kurssprung beim TecDax, der jahrelang den anderen Indizes hinterher gehinkt ist, war in erster Linie das Modethema Klimawandel. Mit Solon, Q -Cells, Aixtron und Nordex haben im vergangenen Jahr gleich vier Werte im dreistelligen Prozentbereich zugelegt. "Solche generellen Kurstreiber werden künftig unwichtiger", sagt Martin Gilles von der WestLB.

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