Auch warnende Stimmen
Argentinien lockt spekulative Investoren

Mit 10 000 Euro Multimillionär werden – Anleger bekommen angesichts der neusten Studie des Fondsspezialisten SJB FondsSkyline und des Datenanbieters EuroFonds glänzende Augen. Die Profis aus Korschenbroich rechnen vor, wie Investoren in den letzten 25 Jahren mit einer antizyklischen Strategie reich geworden wären.

FRANKFURT/M. Das Startkapital von 10 000 Euro hätten sie alle fünf Jahre in den jeweils schwächsten Markt des Vorjahres umschichten müssen. Die Märkte werden durch den entsprechenden MSCI-Index abgebildet und in Form von Indexfonds oder -zertifikaten abgebildet.

Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer der SJB-Fonds-Skyline, erklärt: „Fünf Jahre entsprechen etwa einem vollen Marktzyklus.“ Ein schwacher Markt dürfte sich in der Zeit also erholen. Anfangs hätten Anleger in den US-Markt investiert, zuletzt in Russland, und aktuell wäre der Strategie zufolge Argentinien an der Reihe. Der betreffende MSCI-Index schnitt im letzten Jahr am schlechtesten ab. Wer einen kürzeren Referenzzeitraum bevorzugt: Indien ist im Halbjahresvergleich der schwächste Markt.

Anlegern sollte aber klar sein, dass sie diese Strategie nicht 1:1 übernehmen können, auch wenn sie interessante Anregungen bietet. So ist keineswegs sicher, dass die Rechnung auch künftig aufgeht. In dieser Hinsicht meldet etwa der DZ-Bank- Chartanalyst Michael Riesner Bedenken an: „Diese Performance ist vor dem Hintergrund der seit 1982 bestehenden zwanzigjährigen Hausse zu sehen; solche Zeiten sind durch lange Kursanstiege und kurze Korrekturphasen gekennzeichnet.“ Doch in der jetzt noch herrschenden Baisse sei es umgekehrt, die Korrekturphasen dauerten lange, die Aufschwünge seien kurz.

Ferner sollten selbst sehr spekulativ orientierte Anleger dreimal nachdenken, ob sie ihr gesamtes Geld in einen Markt investieren wollen. Auch bei risikoreichen Investments ist eine größere Streuung sinnvoll. Und konservative Anleger sollten maximal fünf Prozent in Argentinien investieren, rät Hans-Peter Ewert, Analyst bei der SEB. Abgesehen davon ist der Markt bereits kräftig gestiegen.

Generell loben Experten allerdings, diese Strategie beweise einmal mehr, wie wichtig antizyklisches Handeln ist. Manchmal lohne es sich, gegen den Strom zu schwimmen: So ist Thomas Meier, Manager der Fonds Uni Global bei Union Investment, überzeugt, viele Marktteilnehmer seien viel zu optimistisch für Technologieaktien. Er rät, die seit Jahresanfang stark gestiegenen Titel zu meiden. Riesner macht die Euphorie für den japanischen Aktienmarkt Sorgen, da könnte das Ende der Gewinne in Sicht sein, meint er – und ist ausgestiegen. Potenzial sieht er weiter bei Gold, das viele Anleger vernachlässigten. Ewert setzt auf die noch recht niedrig bewerteten Versorger und auf Versicherer, die seiner Meinung nach die größten Abschreibungen hinter sich haben dürften.



Mitarbeit: Anne Grüttner



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