Auf Augenhöhe mit den Werten der ersten Börsenliga
SDax-Titel sind die heimlichen Gewinner an der Börse

Seit Jahresbeginn hat der Aktienindex für Nebenwerte um rund 50 Prozent zugelegt.

DÜSSELDORF. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat in Europa einen guten Namen. Mit Studien über das Verbrauchervertrauen unter anderem in Deutschland und Großbritannien liefert sie wichtige Indikatoren für die konjunkturelle Entwicklung. Weniger bekannt ist dagegen die im SDax notierte Aktie der GfK. Dass das Papier dank kräftig steigender Unternehmensgewinne im ersten Halbajhr seit Mitte März mehr als 140 % an Wert gewonnen hat, ist an etlichen Marktbeobachtern vorbei gegangen.

Damit steht die GfK-Aktie stellvertretend für viele Papiere des SDax. Der Nebenwerte-Index der deutschen Börse führt in der öffentlichen Wahrnehmung ein Schattendasein, nicht zuletzt deshalb, weil viele Banken die Beobachtung von Nebenwerten zurückgefahren haben. „Im SDax gibt es eine Reihe von soliden Unternehmen, die über eine sehr gute Marktposition in ihrem Bereich verfügen“, sagt Peter Worel, Leiter des Aktienanalyse bei der Bayerischen Landesbank. Allerdings werde dieser Punkt leicht übersehen, da sich nur noch wenige Analysten mit Nebenwerten beschäftigen. „Dass es sich um ein gutes Unternehmen handelt, dringt häufig nicht nach außen“, so Worel.

Dabei haben Anleger mit SDax-Werten in letzter Zeit überdurchschnittliche Kursgewinne erzielen können. Seit Jahresanfang hat der SDax gut 50 % an Wert gewonnen – rund doppelt so viel wie der Deutsche Aktienindex (Dax). Seit Mitte März, als die Aktienkurse weltweit ihren Boden erreichten, liegt der Nebenwerteindex mit dem Dax gleichauf. Dies ist umso überraschender als laut Börsentheorie Nebenwerte im Aufschwung eher zurückbleiben.

„Wenn sich die Meinung verfestigt, dass die konjunkturelle Erholung kommt, sollte sich der Dax eigentlich deutlich besser entwickeln als die kleineren Indizes“, sagt Worel. Dass die Nebenwerte dennoch auf Augenhöhe mit den Titeln der ersten deutschen Börsenliga stehen, zeige, dass „die massiven Käufe institutioneller Anleger bisher ausgeblieben sind“, erklärt Worel. Im Gegensatz dazu seien viele Privatanleger schon wieder „verstärkt auf den Börsenzug aufgesprungen“. Und während viele Profi-Käufer Nebenwerte wegen ihrer Marktenge meiden, haben die Privaten „eher mal ein Auge auf die kleinen Titel“, erklärt Worel.

Einen anderen Grund für die gute Entwicklung vieler SDax-Titel sieht Matthias Jörss, Aktienstratege bei Sal. Oppenheim, in den zunehmenden Übernahmespekulationen am Markt. Gerade kleinere Unternehmen wie der Bierbrauer Holsten standen in den vergangenen Monaten im Rampenlicht von Gerüchten über mögliche Übernahmen. Und mit verbesserten Konjunkturaussichten werden auch andere Nebenwerte wieder in das Visier großer Konzerne kommen - mit positiver Wirkung auf den Aktienkurs.

Generell gelte für die Titel im SDax, dass deren Kurse wesentlich stärker durch unternehmensspezifische Entwicklungen getrieben werden, sagt Jörss. Zu seinen Favoriten zählt der Oppenheim-Stratege die Deutsche Beteiligungs AG oder den Versandhändler Takkt, auch wenn deren Kurse in den zuletzt bereits stark gestiegen sind. Anders ist das Bild bei der Landsberger Rational AG, die Sal. Oppenheim ebenfalls als „Outperformer“ empfiehlt. Mit einem Kurszuwachs von rund 30 % ist das Papier im laufenden Jahr hinter dem Index zurück geblieben. Dabei hat der Hersteller von Geräten für Groß- und Gewerbeküchen in den ersten neun Monaten den Absatz um neun und das Ergebnis je Aktie um 13 % gesteigert.

Gute Zahlen für das dritte Quartal legte auch die Kölner Deutz AG vor. Nach erfolgreicher Restrukturierung schreibt der traditionsreiche Motorenbauer inzwischen wieder schwarze Zahlen. Seine Prognose, den Gewinn im Gesamtjahr zu steigern, hat das Unternehmen jüngst bestätigt. An den Analysten ging diese Entwicklung allerdings weitgehend vorbei. Laut Bloomberg gab es in den vergangenen 12 Monaten nur zwei Studien zu Deutz, von denen eine zum „Kaufen“ und eine zum „Halten“ riet.

Selbst wenn sich am Aktienmarkt die Überzeugung durchsetzen sollte, dass die Konjunkturerholung nachhaltig ist, bietet der SDax nach Ansicht der Strategen Chancen. Zwar werde der Dax durch die höhere Gewichtung zyklischer Aktien vermutlich stärker auf einen Aufschwung reagieren. Konjunktursensible Titel finden sich aber auch unter den Nebenwerten. Peter Worel von der BayernLB empfiehlt mit Blick auf den Konjunkturaufschwung die Papiere des Autovermieters Sixt, der von einer Zunahme der Geschäftsreisen profitieren sollte, sowie Aktien der GfK, weil in einem guten wirtschaftlichen Umfeld mehr Unternehmen Studien für die Erschließung neuer Märkte in Auftrag geben.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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