Aufschwung mit Angst
Die Märkte boomen, die Krise bleibt

Der Dax notiert so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr, Staatsanleihen boomen, die Rohstoffpreise steigen. Doch der Eindruck täuscht, die Krise ist noch nicht ausgestanden: Banken drohen weitere Milliardenlöcher, Staaten ächzen unter enormer Schuldenlast. Die Rechnung für Bürger und Anleger kommt erst noch.
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DÜSSELDORF. Die Schweizer Großbank UBS lässt es noch mal krachen. Am Rande der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington hat sie zur Party geladen und dafür gleich ein ganzes Museum gemietet. An der Pforte des "Newseum" an der 555 Pennsylvania Avenue begrüßt UBS-Spitzenbanker Carsten Kengeter alle Gäste persönlich per Handschlag. Drinnen kümmert sich der Starkoch Wolfgang Puck - in den USA so bekannt wie bei uns Alfons Schuhbeck und Johann Lafer - ums leibliche Wohl. Von der Terrasse im fünften Stock blicken die Geladenen hinunter auf das amerikanische Regierungsviertel und die schneeweiße Kuppel des Capitols.

Die Banken oben, die Regierungen unten - wohl nur wenige Partygäste ahnen, welche Symbolkraft dieses Bild besitzt. Banker können sich solche opulenten Feiern wieder leisten. Kengeter selbst strich 2009 gut 13 Millionen Schweizer Franken Bonus ein. Gerade hat seine UBS einen Quartalsgewinn von 1,67 Milliarden Franken vermeldet; Goldman Sachs verfünffachte 2009 seinen Jahresgewinn gegenüber 2008 auf 13,4 Milliarden Dollar; die Aktie der Deutschen Bank hat ihren Wert seit Anfang 2009 mehr als verdoppelt.

Krise? Welche Krise?

Wie haben die Banker das geschafft? Genau wie vor der Krise: mit Investmentbanking. "Anfang 2009 ergab sich bei nachrangigen Bankanleihen und vielen Finanz-Aktien die Kaufgelegenheit des Jahrhunderts", erklärt Patrick Rudden, Chefstratege bei der Investmentbank Alliance-Bernstein in London, "fast alle diese Positionen konnten wir für 15 bis 30 Prozent ihres heutigen Wertes einsammeln." Bankanleihen und-aktien, deren heutiger Wert jedoch allein deswegen nicht null ist, weil der Staat, die Steuerzahler, das Finanzsystem und die Banken mehrfach gerettet haben. Allein die UBS bekam 2009 vom Schweizer Steuerzahler fast exakt so viele Staatshilfen, wie sie an Boni ausschüttete: 1,9 Milliarden Franken.

Weltweit haben Regierungen rund 30 000 Milliarden Dollar Steuergelder in die Bekämpfung der Finanzkrise und ihrer Folgen gepumpt. Doch die Probleme, die in die Krise geführt haben, wurden durch die Rettungsaktionen nicht gelöst.

Die Rechnung für Bürger und Anleger kommt noch. Auch wenn die Märkte boomen, als sei alles beim Alten: Weitsichtige Anleger erkennen, dass die Welt sich geändert hat. Lieb gewonnene Anlageregeln werden umgeschrieben: Aktien halten und schlafen geht nicht mehr; lang laufende europäische Staatsanleihen sind nicht unbedingt sicherer als Aktien; Gold kann durchaus Rendite bringen - in Form von Sicherheit plus Wertsteigerung.

"Man muss schon schwindelfrei sein für diesen Job", sagt Marco Heid und schiebt seinen weißen Kunststoffhelm ein wenig nach hinten, um sich am Kopf zu kratzen. Heid ist Kranführer im Duisburger Hafen. Von seinem Arbeitsplatz in 40 Meter Höhe sieht er den Aufschwung aus der Vogelperspektive. Vor wenigen Monaten war die betonierte Stellfläche unter ihm halb leer; nun stapeln sich dort die Behälter wieder haushoch. Häfen sind Barometer der Weltkonjunktur.

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  • @welche krise was krise.Herr Steinbrück Dr,Jörg Assmussen gehört der Finanzpreis Nr.1.ja der Aufschwung wo immer er auch stattfindet,ist nicht greifbar statistisch gesehen.die lügen das sich die balken biegen.Koch sagt sich mir gehts gut,warum weil ich vorher menschen beleidigt habe sie nieder gemacht,habe die harz 4 ler,geht kalt duschen Sarrazin,wo ist der eigentlich ich bereite euer Mahl zu ihr sollt satt werden.Deutschland ist im Aufschwung ohne Ende,oder das ende ist nahe die mehrheit der bundesbürger ist runtergehungert worden,verschuldet privat wie durch die Gesellschaft,ergo nichts zu holen,normal war so gewollt,nun kommen noch die Schrottderivate die nicht auftauchen real aber bezahlt werden müssen.Also reichtum findet bei einigen ganz wenigen statt.dafür das es so weit kommen konnte sind grosse teile der bevölkerung mitverantwortlich.übrigens kein problem 1,8 billionen staatsschulden sind 800 jahre abzahlen oder betrug am kleinen sparer der alles verlieren wird.übrigens gewisse sachen macht man nicht so verroht ist die gesellschaft also schon,sollte man Kündigen,tritt eine sperrklausel in kraft,ausser mann wechselt von einer festanstellung zur zeitarbeitsfirma x,y,z,und bleibt gleich am selben arbeitsplatz geht nur bis max. 43 jahre dann wars das,und denkt dran die Nonnenmacher sind nur vorgeschoben,es ist das system

  • naja nun, da hängt man an die Geldmenge und Preise eine Null hintenan und schon sind alle Schulden nur noch 1/10 wert. Und wenn alles ausgestanden ist, dann wird die Null wieder gestrichen.

  • interessant an der derzeitigen Lage ist, dass die Menschen sich durch den "außerordentlichen" Aufschwung in Deutschland und die steigenden Aktienkurse kurzfristig täuschen lassen und in den Glauben verfallen, alles wäre in bester Ordnung. ich möchte niemanden zu Pessimissmus und strikter Sparsamkeit aufrufen, denn dies würde uns dem Abgrund wohl eher näher bringen, aber man muss sich auf ein endgültiges Platzen der Schuldenblase gefasst machen und Vorkehrungen treffen.

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