Aufsicht spricht von einzigartigem Fall – Offenbar rund 700 Millionen Euro verschwunden
Phoenix-Anleger hoffen auf Teilentschädigung

Die rund 30 000 Kleinanleger, die von der Insolvenz der Wertpapierhandelsbank Phoenix Kapitaldienst GmbH betroffen sind, können einen Teilerfolg verbuchen: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stellte den so genannten Entschädigungsfall bei dem Frankfurter Finanzdienstleistungsunternehmen fest.

FRANKFURT/M. Nun können die geprellten Anleger bei der Entschädigungseinrichtung für Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) in Berlin ihre Ansprüche geltend machen. Allerdings ersetzt die EdW maximal 20 000 Euro je Anleger. Der Schaden soll sich insgesamt auf rund 700 Millionen Euro belaufen. Was die Summe und die Zahl der geprellten Anleger betrifft, handelt es sich nach Angaben der BaFin um einen bislang einzigartigen Fall in Deutschland.

Das Amtsgericht Frankfurt hatte am Montag auf Antrag der Finanzaufsicht das Insolvenzverfahren eröffnet. Auf eine Anzeige der Phoenix-Geschäftsführung hatte die BaFin in der vergangenen Woche die Konten des Unternehmens gesperrt und den Vertrieb des Hedge-Fonds Phoenix Managed Account untersagt. In diesem Produkt fehlt nun das Geld.

Die im Jahr 1977 gegründete Phoenix Kapitaldienst war vor allem im Terminbörsenhandel tätig und hatte jahrelang überdurchschnittlich hohe Renditen ausgewiesen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat nun den Verdacht, dass es sich um ein Schneeballsystem gehandelt hat. Solche Modelle brechen zusammen, wenn nicht genügend neue Anleger gefunden werden, die mit ihren Einzahlungen die Ausschüttungen an die vorherigen Investoren finanzieren.

Laut Staatsanwaltschaft haben drei Geschäftsführer von Phoenix Kapitaldienst sowie ein Mitglied der Erbengemeinschaft einen ihrer Chefhändler wegen Betrugs und Untreue angezeigt. Angeblich sei es zu Unstimmigkeiten in der Kontenabstimmung zwischen Phoenix und dem Hauptbroker MAN Financial in London gekommen. MAN teilte mit, nach einer Überprüfung der Sachlage seien keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden.

Bei den geschädigten Anlegern handelt es sich nach Auskunft von Anlegeranwälten um eine hohe Anzahl von Privatanlegern, denen die Anlage teilweise von Anlageberatern sogar zur Altersvorsorge verkauft worden war. Ein großer Teil von ihnen soll aus Ostdeutschland, speziell aus Thüringen stammen. Von dem verschwundenen Geld sollen angeblich rund 150 Mill. Euro von ostdeutschen Sparern kommen. Aber auch institutionelle Anleger – etliche davon aus dem Ausland – sind unter den Geschädigten. Zum Teil sind sie mit mehreren Millionen Euro bei Phoenix eingestiegen.

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