Ausblick auf die Aktienmärkte „Der Dax kann zeitweilig um 2.000 Punkte einbrechen“

In bestimmten Regionen dürften die Aktienkurse im kommenden Jahr zweistellig zulegen, meint Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland beim weltgrößten Fondshaus Blackrock. Doch er sieht auch die Gefahr eines Crashs.
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Obwohl die Aktienmärkte bereits sehr gut gelaufen sind, sehen Experten weiterhin Potenzial. Quelle: dpa
Glaskugel an der Frankfurter Börse

Obwohl die Aktienmärkte bereits sehr gut gelaufen sind, sehen Experten weiterhin Potenzial.

(Foto: dpa)

FrankfurtViele Anleger halten Aktien schon für ziemlich teuer – schließlich haben die Kurse in diesem Jahr an vielen wichtigen Märkten der Welt zweistellig zugelegt. Um gut 14 Prozent ist der deutsche Leitindex 2017 in die Höhe geklettert, knapp zehn Prozent sind es für den Euro-Zonen-Leitindex EuroStoxx 50. Stärker noch trieb es den japanischen Nikkei 225 und das US-Börsenbarometer Dow Jones nach oben, die beide um die zwanzig Prozent gewannen.

Doch sehen Experten wie Martin Lück, Chefanlagestratege für Deutschland, Österreich, Schweiz und Osteuropa beim US-Fondsriesen Blackrock, noch immer gute Chancen für Kurssteigerungen bei Aktien. Allerdings gibt es deutliche regionale Unterschiede, und es drohen stürmische Phasen.

Der promovierte Volkswirt und Bankkaufmann hat mehr als zwanzig Jahre Berufserfahrung und war Chefvolkswirt bei der UBS Deutschland, bevor er zu Blackrock kam.
Martin Lück

Der promovierte Volkswirt und Bankkaufmann hat mehr als zwanzig Jahre Berufserfahrung und war Chefvolkswirt bei der UBS Deutschland, bevor er zu Blackrock kam.

„Aktien sind gut gelaufen, widerstehen allen Risiken und sind nicht mehr billig“, bestätigt Lück im Gespräch mit dem Handelsblatt zunächst den Eindruck vieler Anleger. Im Vergleich zu anderen Anlagen seien Dividendentitel aber nicht teuer, betont er.

Sehr wohl allerdings im Vergleich zum historischen Durchschnitt: Der Dax liegt mit seinem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 14 bezogen auf die erwarteten Firmengewinne für 2018 nahe an seinem langfristigen Durchschnitt von rund 15. Und die Aktien aus dem US-Leitindex Dow Jones haben ihr historisches Mittel von knapp 17 bereits überschritten und stehen bei knapp 18.

Das Kapitalmarktumfeld sei und bleibe aber gut, ist Lück überzeugt: „Deutsche Firmen profitieren über ihre Exporte am internationalen Wachstum. Und das sieht günstig aus. Der Ausblick für Firmengewinne bleibt positiv“, sagt er. Die Wirtschaft in Deutschland und der Euro-Zone dürfte auch 2018 um rund zwei Prozent wachsen.

Auch die Zinslandschaft als Baustein für positive Aktiengewinne hält er weiterhin für recht gut. In den USA rechnet er in dieser Woche mit dem nächsten Zinsschritt der US-Notenbank Fed von 0,25 Prozentpunkten. Im kommenden Jahr dürfte die Fed den Leitzins dann in zwei bis drei weiteren Schritten anheben – je nachdem, wie sich das Preisniveau entwickelt. In der Euro-Zone sieht der Stratege noch keine fundamentale Zinswende. Das Niveau für kurzfristige Zinsen werde bis 2019 bei null Prozent verharren, die längerfristigen Zinsen dürften aber mit der Erwartung anziehender Inflation steigen.

Unterm Strich prognostiziert Lück, dass der Dax 2018 bei einem nahezu unveränderten KGV zulegen wird. Damit würde der Leitindex also im Gleichschritt mit den Firmengewinnen steigen – das heißt knapp unter zehn Prozent.

Mehr Kurspotenzial erkennt er für Aktien aus den USA, Japan und den Schwellenländern. Dort könnten die Kurse 2018 zweistellig zulegen, meint er. Wenn die US- Steuerreform so komme wie geplant, dann könnte es „zu einem Kurssprung bei US-Aktien kommen, der nicht mehr abbröckelt“. Sogar „solide zweistellige Zuwächse“ hält er dann für möglich. Vor allem Technologie-Firmen sollten von den Steuerentlastungen profitieren: Die stark in den internationalen Handel einbezogenen Konzerne dürften die geplanten Abschreibungsmöglichkeiten und die Förderung nutzen, um ihre Auslandsgewinne in die USA zurückzuholen.

Und auch wenn Trumps Politik auf Dauer schädlich für die Märkte sei, moniert Lück: Derzeit seien die Märkte extrem opportunistisch. Aktionäre profitierten von einer Steuerreform, die zum falschen Zeitpunkt komme und die Ungleichgewichte im Land fördere. „60 Prozent der Entlastungen kommen einem Prozent der Bevölkerung zugute“, kritisiert der Stratege. 45 Prozent des Entlastungsvolumens kämen nur Einkommensbeziehern mit 500.000 Dollar und mehr zugute.

Aktien übergewichten – trotz systemischer Risiken
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3 Kommentare zu "Ausblick auf die Aktienmärkte: „Der Dax kann zeitweilig um 2.000 Punkte einbrechen“"

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  • Oder ein paar Leute essen das Tier einfach auf, dann kann er nicht mehr fallen.

  • Vielleicht wird der Dax niemals mehr fallen, bis er neunstellige Werte erreicht und anschließend wegen des anhaltenden Bürgerkriegs nicht mehr gehandelt wird?

  • Der Dax wird bis auf 7.000 - 8.000 Punkte einbrechen.

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