Ausblick
US-Börsen stehen vor schwerem Jahr

Rezession und Probleme von Hedge-Fonds verunsichern Anleger und Experten in den USA. Zwar rechnen Banker für 2009 im Schnitt mit leicht steigenden Kursen der großen Wall-Street-Indizes. Doch für neue Kursfantasie ist es noch zu früh.

NEW YORK. Rezession oder Depression heißt die Kernfrage, mit der sich die Aktienanalysten in New York beim Blick ins nächste Börsenjahr beschäftigen. "Wenn es bei einer Rezession bleibt, bin ich optimistisch, denn die dürfte in den Märkten zu 80 Prozent eingepreist sein", sagt Hersh Cohen, Chefanlagestratege bei der Fondsgesellschaft Clear Bridge Advisors. "In den vergangenen Aktienmarktkrisen 1962, 1974 und 1987 hatten wir immer nur eine große Panikwelle mit einem Einbruch der Märkte von mehr als 20 Prozent. Genau das haben wir auch in diesem Jahr gesehen", so Cohen. Anders als in der Depression der 30er-Jahre aus, als eine Panikwelle die Nächste gejagt habe, sei es nach den Turbulenzen im September trotz weiterhin großer Kursausschläge etwas ruhiger geworden, sagt der Analyst. "Nach dem September-Ausverkauf dürfte es nun eine leichte Erholung und dann eine längere Seitwärtsbewegung mit zwischenzeitlich heftigen Ausschlägen geben", so Cohen.

Auch die Mehrheit der Volkswirte erwartet keine Depression, sondern eine ganz leichte Erholung der US-Wirtschaft ab dem zweiten Halbjahr 2009. Die meisten Analysten an Wall Street sehen es trotz kollabierender Unternehmensgewinne, steigender Arbeitslosigkeit und der erwarteten weltweiten Rezession wie Cohen: Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge erwarten 23 befragte Experten den breiten S&P 500 zu Ende 2009 bei 928 Punkten. Das ist ein dünner Aufschlag von gut sechs Prozent zum aktuellen Niveau. Für den 30 Standardwerte umfassenden Dow-Jones-Index rechnen sie mit einem Jahresschlussstand von 9 561 Zählern, ein Plus von rund elf Prozent.

Viel gewonnen wäre damit aus Sicht vieler Anleger freilich nicht. Schließlich läge der Dow immer noch rund 30 Prozent unter seinem Allzeithoch vom Oktober 2007 von 14 198 Punkten. Allerdings könnten die Tiefstände aus dem Winter 2008 im ersten Quartal erneut getestet werden. "Es ist noch zu viel früh, das Ende des Bärenmarktes auszurufen", sagt Cohen und spielt damit auf die Wall-Street-Tradition an, einen insgesamt abwärts gerichteten Markt mit dem Symbol des Bären zu besetzen. Für steigende Börsen steht der Bulle.

Eine Aufwärtsentwicklung wird es 2009 an den Börsen aber erst wieder geben, wenn die Abverkäufe der Hedge-Fonds ausgelaufen sind. Die Fonds leiden seit Monaten darunter, dass ihre Kunden Gelder abziehen. Das zwingt sie zu Verkäufen von Wertpapieren, was wiederum zu Druck auf die Kurse führt. "Keiner kann abschätzen, wann das aufhört und wie viele Portfolios noch auf ihre Liquidation warten", sagte Owen Fitzpatrick, Leiter des US-Aktiengeschäftes der Deutschen Bank.

Fantasie werde wieder in den Markt kommen, wenn die großen, gut kapitalisierten US-Konzerne anfingen die Gunst der Stunde zu nutzen, und vom Einbruch der Börsen getroffene Konkurrenten aufkaufen. Die Übernahme des Brustimplantateherstellers Mentor durch den Pharma- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson sei ein erstes Beispiel für so eine Transaktion, sagte Fitzpatrick.

Überhaupt gehört der Pharma- und Medizintechniksektor zu den Favoriten praktisch aller Analysten. Der Grund: Barack Obama, der im Januar als neuer Präsident der USA vereidigt wird, will allen Amerikanern zu einer Krankenversicherung verhelfen. Das dürfte zu entsprechenden Investitionen in diesem Sektor führen, sagen die Experten. Zudem gehört der Gesundheitssektor zu den rezessionsresistentesten Branchen überhaupt.

Der zweite große Tipp der Experten sind die Discounter, die in der Krise Zulauf erhalten. Ganz oben auf der Liste stehen hier der Warenhauskonzern Wal-Mart und die Fast-Foodkette McDonald's. Beide konnten bereits bei ihren jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass die Konsumenten zu ihnen kommen, weil beide Firmen als die Billigheimer ihrer Branche gelten.

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