Ausländer begründen die Hausse: Die Börse Türkei erfordert gute Nerven

Ausländer begründen die Hausse
Die Börse Türkei erfordert gute Nerven

Fast 60 Prozent gewann der Markt im vergangenen Jahr, weitere zwölf Prozent Gewinn seit Anfang 2006: wer in dieser Zeit türkische Aktien im Depot hatte, verdiente nicht schlecht.

ISTANBUL. Aber jetzt fährt manchem Anleger der Schreck in die Glieder: „Nieder mit Israel, nieder mit den USA“ – mit solchen Sprechchören zogen tausende Türken am Freitag durch die Istanbuler Straßen. Treibt der Konflikt um die Mohammed-Karikaturen womöglich die Anleger in die Flucht, bringt der Bilderstreit die Börse am Bosporus ins Stolpern? Die meisten Analysten sehen diese Gefahr nicht. Die Türkei könnte von der Kontroverse sogar profitieren - nämlich als Vermittler zwischen den Kulturen, sagen viele.

Schon in der Vergangenheit hat vor allem diese Brückenfunktion des EU-Kandidaten die Kurse in Istanbul beflügelt. Seit 2003 hat sich der Leitindex ISE 100 mehr als vervierfacht. Auch wenn es künftig nicht im gleichen Tempo weitergehen sollte, bleiben die meisten Analysten positiv gestimmt. Die Marktbeobachter rechnen aber mit der Möglichkeit kräftiger Korrekturen.

Getragen wird die Hausse in Istanbul vor allem von ausländischen Anlegern. Auf sie entfallen knapp 70 Prozent der Marktkapitalisierung – Tendenz steigend: im Januar lagen die Tagesumsätze an der Istanbuler Börse um 56 Prozent über dem Vorjahresdurchschnitt. „Es ist mehr heißes Geld im Markt als jemals zuvor“, sagt Jonathan Toub, Fondsmanager bei F&C Asset Management.

Damit wachsen die Risiken. Treibende Kraft des türkischen Marktes seien nicht länger die Konvergenz- und Wachstumsstory, sondern globale Geldströme, meinen die Analysten des Istanbuler Brokerhauses Bender Securities. Das mache den türkischen Markt verwundbar. Andererseits sind die makroökonomischen Rahmenbedingungen gut: die türkische Wirtschaft wächst nachhaltig, die Inflation ist auf dem Rückzug. Die Sanierung der Staatsfinanzen trägt Früchte: die Defizitquote betrug im vergangenen Jahr nur noch zwei Prozent. Damit hat die Regierung Spielraum für Steuersenkungen, nachdem bereits zum Jahresbeginn die Körperschaftssteuern von 30 auf 20 Prozent reduziert wurden. Das verspricht steigende Unternehmensgewinne.

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