Ausländer drängen an Aktienmarkt
Vietnam lockt Anleger

Nach elf Jahren der Vorbereitung wird Vietnam in den kommenden Wochen das 150. Mitglied der Welthandelsorganisation WTO – nur das Parlament in Hanoi muss noch zustimmen. Vietnam habe „bemerkenswerte Anstrengungen“ unternommen, um die Vorgaben der WTO zu erfüllen, sagte der Präsident der Handelsorganisation Pascal Lamy.

FRANKFURT. Dank der Reformen habe das BIP-Wachstum acht Prozent überschritten, das Exportwachstum liege über 20 Prozent und die ausländischen Direktinvestitionen über sechs Mrd. Dollar im Jahr.

Vietnam mit seinen 84 Millionen Einwohnern folgt in den kommenden Jahren dem Weg, den China seit 2001 gegangen ist. Das kommunistische Land muss Zölle abbauen und Ausländer auf den Markt lassen. Außerdem ist die Regierung entschlossen, Privatisierungen und Reformen durchzusetzen. „Der Anstieg des Konsums ist geradezu erschreckend. Aus Fahrrädern werden BMWs; überall entstehen Luxusvillen und Einkaufszentren“, sagt Spencer White, Vietnam-Experte bei Merrill Lynch. Doch White warnt: „Der Aktienmarkt leidet weiter an einem Kapazitätsmangel im Verhältnis zum wachsenden Interesse vor allem ausländischer Investoren.“ Es gebe bislang nur wenig gut geführte Unternehmen, die börsennotiert sind, sagt auch Chris Freund von der einheimischen Investmentgesellschaft Mekong Capital.

Die Marktkapitalisierung der Börse Ho-Chi-Minh-Stadt liegt bei 3,2 Mrd. Dollar. Das ist nach einer Reihe großer Börsengänge zwar zweimal mehr als vor einem Jahr; doch wenn westliche Investoren Hunderte Millionen von Dollar in den Markt schaufeln, „dann gehen die Kurse erst einmal durch die Decke“, wie Südostasien-Fondsmanager Hans Hölzl von der Union Investment sagt. Die erst sechs Jahre alte Börse arbeite noch mit Kaufordern auf Papier. Die Händler sammelten die Zettel in Holzkästen und setzten in unregelmäßigen Abständen Preise fest.

Doch Anlageexperten sind sich einig, dass das ganz normal für einen Schwellenmarkt ist. „Nach einigen heftigen Kursbewegungen wird sich der Markt später stabilisieren“, sagt Hölzl. Langfristig werden die Finanzmärkte dem fundamentalen Wachstum der Wirtschaft folgen, sagt auch der Südostasien-Experte der Cominvest, Oliver Stönner-Venkatarama. Er schätzt, dass Vietnam in etwa zwei Jahren so weit sei, dass sich westliche Fonds den neuen Markt erschließen.

Bisher gibt es für westliche Privatanleger keine empfehlenswerte Möglichkeit, direkt in Vietnam zu investieren – auch nicht über Fonds. Institutionelle Anleger können an der Entwicklung teilnehmen, indem sie in einen Private-Equity-Fonds gehen. Die Mekong Capital etwa verwaltet zwei geschlossene Fonds mit einem Volumen von 70 Mill. Dollar. Im kommenden Jahr soll ein dritter Fonds aufgelegt werden, der börsennotiert sein wird. Das Konkurrenzunternehmen Dragon Capital hat ebenfalls zwei Fonds, die beide an der Börse in Dublin gehandelt werden. Das Volumen liegt bei knapp 300 Mill. Euro.

Anleger, die in den kommenden Jahren in den vietnamesischen Markt investieren wollen, sollten Anteile an einem auf Südostasien ausgerichteten Schwellenland-Fonds kaufen. Die deutschen Fondsanbieter versorgen sich noch mit den nötigen Lizenzen für den Einstieg; die Regierung vergibt diese Lizenzen seit einigen Wochen beschleunigt. Einige Anbieter denken auch über spezielle Vietnam-Fonds nach. „Wir kaufen derzeit in Vietnam kräftig zu“, sagt White von Merrill Lynch. Für 2007 erwartet die Investmentbank einen Anstieg der Marktkapitalisierung in Ho-Chi-Minh-Stadt auf fünf Mrd. Dollar – und wesentlich mehr westliche Mitbewerber um gute Aktien.

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