Ausschüttungen 2011
Dax-Konzerne mausern sich zu Dividenden-Königen

Die Zeiten, in denen die Höhe der Dividende von der Gönnerlaune des Vorstands und Aufsichtsrats abhängig waren, sind vorbei. Fast alle Konzerne im Dax heben ihre Dividende an und versprechen festen Quoten für die Zukunft. Nächstes Jahr winkt Anlegern von Deutschlands Top-Unternehmen ein Geldregen von 25 Milliarden Euro.
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DÜSSELDORF. Mehr Wettbewerb, sinkende Strompreise und eine neue Brennelementesteuer - Deutschlands größter Energieversorger Eon hat es nicht leicht. Keine Aktie im Dax entwickelte sich schlechter in diesem Jahr. Doch die schwierige Lage hält Johannes Teyssen nicht davon ab, seine Aktionäre auch in den kommenden Jahren zu verwöhnen. Mindestens die Hälfte des bereinigten Konzernergebnisses will der Eon-Chef künftig ausschütten. "Man kann nicht neue Investoren gewinnen, wenn man die alten ausplündert", sagt Teyssen.

Eon gibt damit einen Trend vor. Die meisten Großunternehmen haben sich für die Zukunft ebenfalls feste Ausschüttungsquoten verschrieben. Viele heben zudem im kommenden Jahr ihre Dividende an. Insgesamt schütten die Dax-Konzerne nächstes Jahr 25 Milliarden Euro aus. Das ergeben Berechnungen des Handelsblatts und der Landesbank Baden-Württemberg auf Basis von Quartalsergebnissen und Ausschüttungsquoten. Das ist das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Dax. Nur im Jahr 2008 zahlten die Unternehmen nach Rekorderträgen auf dem Höhepunkt des Booms mit 27,5 Mrd. Euro mehr an ihre Anteilseigner.

Beispiel Siemens: Der Münchener Riese verspricht seinen Anlegern den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Es geht um mehr Transparenz, damit Anleger Gewinne, Margen und Umsätze besser einordnen können. "Es wird keine Fußnoten mehr geben, die länger sind als die Zahlen in der Ergebnisrechnung", sagte Finanzchef Joe Kaeser bei Vorlage der Jahreszahlen.

Dazu gehört auch, dass Deutschlands wertvollstes Unternehmen seine jährlichen Ausschüttungen ab sofort für jedermann berechenbar macht. 30 bis 50 Prozent des Nettogewinns will Siemens künftig auszahlen. Diesmal sind es bei einer Gesamtausschüttung 46 Prozent - oder 2,70 Euro pro Aktie, 70 Prozent mehr als für das vorige Geschäftsjahr.

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Höhe der Dividende von der Gönnerlaune des Vorstands und Aufsichtsrats abhängig sind. So wie Siemens öffnen sich die meisten deutschen Großkonzerne ihren Aktionären. Der Markenkonzern Henkel will 25 Prozent des bereinigten Gewinns ausschütten, der Chemie- und Pharmariese Bayer 30 bis 40 Prozent. 18 der 30 Dax-Konzerne haben sich nach Analyse des Handelsblatts feste Ausschüttungsquoten verordnet.

Feste Bandbreiten versetzen Aktionäre in die Lage, Dividenden vorab zu kalkulieren. Zwar schlagen die Firmenvorstände der Hauptversammlung erst im Frühjahr vor, wie viel sie für das abgelaufene Geschäftsjahr ausschütten wollen. Auswertungen der Quartalsbilanzen, feste Ausschüttungsquoten und Managementaussagen ermöglichen aber schon jetzt zuverlässige Prognosen.

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  • Schau besser über den Tellerrand: Ohne Aktionäre keine DAX-Konzerne. Ohne Aktionäre keine positive Entwicklung der Unternehmen. Wer investiert schon sein Erspartes in ein Unternehmen ohne an seiner investition zu verdienen? Kenne niemanden.
    Aktionäre tragen das Risiko (z.b. Wirtschaftskrise) und werden belohnt, weil sie zum Unternehmen stehen.
    Wenn du dein Geld zur Sparkasse bringst, bekommst du allemal dafür magere 1 Prozent. bei einer nicht risikolosen investition in ein Unternehmen bekommst du also mehr: Kurssteigerung und Dividende.
    Nich zu vergessen: Aktionäre schaffen Arbeitsplätze.
    Habe ich deinen Horizont etwas erhellt?

  • wenn die Konzerne die Gewinne ausschütten,
    ist dies ein klares Richtungszeichen.
    Und zwar: nach unten.

    ... bei einem KGV von 12 würde ich aus jedem Euro investition
    schließlich 12 Euro Wertanstieg generieren ...
    vorausgesetzt natürlich, jeder Euro dieser investition ist genauso rentabel wie das bereits investierte Kapital.

    Anscheinend sind sich die Manager der Dax-Konzerne
    ja dann wohl einig: Die Zukunft ist zu schlecht, um zu investieren...

    Das war ja auch absehbar.
    Nach dem Wegfall des "immobiliengesichertem-Konsum-auf-Pump" als Wachstumsmotor
    sprangen zwar sogleich die Nationalstaaten mit "Konjunkturpaketen-auf-Pump" in die Presche;
    aber wirklich nachhaltig ist diese Form der Nachfragefinanzierung natürlich auch nicht,
    wie die derzeitigen "Staatsfinanzkrisen" ja nun beweisen.

    Sollten sich im April die US-Republikaner -wie Paul Krugman schreibt- tatsächlich gegen eine weitere Verschuldung aussprechen, sind wir rucki-zucki im weltweiten double-dip.

    ...dann heißt es: "XL-Abwärtsspirale" ...

    ... und um dort wieder raus zu kommen dann wohl auch eines
    "XL-Währungsschnitts" ...


    Dank Entschuldung geht's dann auch wieder weiter wie gehabt,
    mit dem "immobiliengesichertem-Konsum-auf-Pump".


    ... anstatt die Dividenden auszuschütten,
    sollten sich die deutschen Konzerne besser auf die dann folgende Rohstoffknappheit einstellen ...

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