Auswirkungen auf den Dax
Strategen setzen auf Regierungswechsel

Erstmals hat sich mit der Privatbank Sal. Oppenheim ein renommiertes Haus zu den konkreten Auswirkungen eines möglichen Wahlausgangs auf den deutschen Aktienmarkt geäußert.

FRANKFURT/M. Kommt es zu einem Wahlsieg von CDU/CSU und FDP, rechnen die beiden Aktienstrategen Matthias Jörss und Ralf Zimmermann für den Deutschen Aktienindex (Dax) mit einem Stand von 5200 Punkten bis zum Jahresende. Das entspräche einem Plus von aktuell über sechs Prozent in den verbleibenden vier Monaten des Jahres. Gestern notierte der Dax bei knapp 4900 Punkten.

Sollte es nach der Wahl zu einer großen Koalition aus CDU/CSU und SPD kommen, gehen die Experten von einem Verharren bei 4900 Punkten bis Ende 2005 aus. Bei einem Sieg einer Linkskoalition aus SPD, Grünen und der neuen Linkspartei rechnen sie bis dahin mit einem Rückgang auf 4600 Punkte, was einem Minus von aktuell über sechs Prozent entspräche.

Den einzelnen Szenarien billigen die beiden Experten jedoch unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten zu. Zu 70 Prozent rechnen sie mit einem Regierungswechsel hin zu einer von CDU/CSU und FDP geführten Regierung. Dabei stehen sie im Einklang mit einer Vielzahl internationaler Geldhäuser, die sich zuletzt zu den Konsequenzen der Wahl auf die Börse geäußert haben. Deren Meinungen gehen jedoch weit auseinander. Für „extrem wichtig“ bis zu „relativ gering“ reicht in der Zwischenzeit die Bandbreite der Einschätzungen. Auffällig ist jedoch, dass zumeist auch diejenigen, die den Einfluss der Wahl nicht allzu hoch hängen, von einem Regierungswechsel hin zu Schwarz-Gelb ausgehen. Fallende Kurse prognostiziert deshalb aus dieser Ecke niemand.

Zu den wenigen Ausnahmen zählen Gunnar Hamann und Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein, die eine große Koalition aus CDU/CSU und SPD als per se nicht schlecht bezeichnen. „Während die Märkte kurzzeitig mit Enttäuschung reagieren dürften, könnten sich anschließend doch einige unternehmensfreundliche Reformen einstellen“, heißt es von den beiden Experten.

Besonders die deutsche Konsumwirtschaft, die zuletzt stark unter der Kaufzurückhaltung der Bürger litt, dürfte profitieren, weil die erwarteten Belastungen für die privaten Haushalte wie beispielsweise eine höhere Mehrwertsteuer moderater ausfallen könnten als unter einer konservativen Regierung.

Knackpunkt in allen bisher veröffentlichten Prognosen ist jedoch die Frage: Wie verhalten sich die großen ausländischen Investoren, wenn es nicht zum erwarteten Regierungswechsel kommt? Zuletzt hatten diese sich unisono sehr positiv über den deutschen Markt geäußert. Immerhin war der Kursanstieg des Dax seit der überraschenden Ankündigung von Neuwahlen durch Bundeskanzler Gerhard Schröder am 22. Mai vor allem durch den immensen Nettozufluss von ausländischem Kapital an den deutschen Markt getrieben.

In den Monaten Mai und Juni – für sie gibt es aktuell lediglich Erhebungen – waren es rund 70 Mrd. Euro, die den Dax um 13 Prozent steigen ließen. So viel Geld floss zuletzt im Jahr 2002 in zwei aufeinander folgenden Monaten nach Deutschland.

„Basis der vorangegangenen Stärke des Dax und der hohen Nettokapitalzuflüsse aus dem Ausland sind die Erwartungen der Anleger, dass sich der Reformprozess nach einem Wahlsieg von CDU/CSU und FDP beschleunigt“, heißt es bei Sal. Oppenheim. Im Gegensatz zu ihren Kollegen von Dresdner Kleinwort Wasserstein rechnen sie bei einer großen Koalition mit deutlich reduziertem Reformtempo. In der Konsequenz führt das zwar nur zu marginal geringeren Unternehmensgewinnen, die politische Reformprämie würde sich aber verflüchtigen.

In Deutschland übergewichtete Investoren könnten so einen Teil ihrer Positionen abbauen, so Jörss und Zimmermann. Markant würde diese Entwicklung bei einer Linkskoalition. „Durch massive Auslandsverkäufe können wir uns dann sogar kurzfristig einen Dax unter 4600 Punkten vorstellen“, heißt es.

Top in Europa

Entwicklung: Seit Jahresanfang hat der Dax 16 Prozent an Wert gewonnen und damit mehr als alle anderen europäischen Leitindizes. Der britische FTSE 100 liegt seither zehn Prozent im Plus, der französische CAC-40-Index 15 Prozent.

Einschätzung: Große Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter in den USA sprechen inzwischen – getrieben durch die Aussicht auf weitere Reformen – von einem „Hype“ um deutsche Aktien.

Ausblick: Kommt es zu einem Wechsel zu CDU/CSU und FDP, rechnen die Strategen damit, dass der deutsche Aktienmarkt seine Vormachtstellung in Europa weiter festigen kann. Er dürfte sich besser entwickeln als der europäische Leitindex Euro Stoxx 50.

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