Trends
Autozulieferer schärfen ihr Profil

Die Unternehmen profitieren von der teilweiser Auslagerung der Produktion. Das kann sich auch auf die Aktien auswirken. Analysten bevorzugen Continental und Beru.

DÜSSELDORF. Den Start in der ersten deutschen Börsenliga hätte sich Continental-Vorstandschef Manfred Wennemer sicherlich positiver gewünscht. Am ersten Tag nach der Wiederaufnahme in den Deutschen Aktienindex (Dax) verlor die Aktie – belastet durch ein sehr schwaches Börsenumfeld – mehr als ein Prozent. Grämen braucht sich Wennemer dennoch nicht: Seit März hat sich der Wert des Autozulieferers an der Börse mehr als verdoppelt.

Dabei ist das Branchenumfeld nach wie vor ungünstig. 2003 – so viel steht jetzt schon fest – wird für die Autozulieferer kein gutes Jahr. Die Absatzschwäche der Kfz-Hersteller drückt weiterhin auch auf die Aufträge der Zulieferer. Mittelfristig, sagt Hendrik Emrich, Analyst der Berenberg Bank, wird sich das Umfeld für die Branche aber aufhellen. „Die Umsätze der Zulieferer werden in den kommenden Jahren deutlich stärker steigen als die der Hersteller“, ist Emrich überzeugt und begründet dies mit dem anhaltenden Trend zum Outsourcing bei den Autobauern. Studien zu Folge werden die Hersteller in den kommenden Jahren weitere Leistungen auslagern, so dass ihr Anteil an der Wertschöpfung im Automobilgeschäft von 25 % auf rund 20 % im Jahr 2010 zurückgehen werde.

Bis dahin wird nach Schätzungen zudem die Zahl der Zulieferer in Deutschland deutlich zurückgehen: „Der Trend zur Konzentration in der Branche wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen“, erwartet Roland Koenen, Analyst beim Bankhaus Lampe. Bereits in den vergangenen Monaten hätten Übernahmefantasien zum Teil zu deutlichen Kursgewinnen bei den Autozulieferern geführt. Andererseits basiert die gute Börsenentwicklung des Sektors auch auf den – trotz des schwachen Umfeldes – guten Fundamentaldaten. „Viele Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren erfolgreich restrukturiert und sind jetzt für einen Aufschwung gut positioniert“, sagt Koenen.

So wie Branchenprimus Continental: Der verfüge mittlerweile über ein „sehr gut integriertes Geschäftsmodell“, lobt Berenberg- Analyst Emrich. Neben dem traditionellen Reifengeschäft hat sich Conti in den vergangenen Jahren auch im Bereich Automobil- Elektronik stark verbessert und erzielt inzwischen 42 Prozent des Konzernumsatzes in diesem Segment, Tendenz steigend. „Gerade die Expertise bei Reifen und Bremsen lassen sich sehr gut kombinieren und versprechen hohe Synergien“, sagt Emrich. Er bewertet Continental mit „Kaufen“.

Positiv sehen Analysten auch die Ludwigsburger Beru AG. „Unter den deutschen Zulieferern hat Beru die höchste Profitabilität, was sich im Kurs aber noch nicht niederschlägt“, sagt Emrich. Hohes Wachstum verspreche vor allem der Bereich Reifendruckkontrollsysteme. Immer mehr Premiumkunden würden diese Systeme bei Beru nachfragen. Aber auch das Kerngeschäft, die Produktion von Glühkerzen für Diesel-Motoren, wachse kontinuierlich. Mit einem Anteil von 40 Prozent ist Beru in diesem Segment Weltmarktführer.

Weniger überzeugt ist Emrich von Leoni, die er mit „Halten“ bewertet. Nach der rasanten Kursentwicklung der vergangenen Monate müsse das Unternehmen jetzt zeigen, dass es die hoch gesteckten Ziele bis 2005 erreichen kann. Lampe-Analyst Koenen verweist dagegen auf die zahlreichen Großaufträge für Bordnetzsysteme, die Leoni für die kommenden Jahre bereits sicher hat, darunter Aufträge von BMW, Opel und Mercedes. „Schon jetzt ist klar, dass die Erträge einen Sprung machen werden. Damit hat der Aktienkurs langfristig sicherlich noch Potenzial“, sagt er.

Für den Ingenieurdienstleister Bertrandt und die Hamburger Phoenix AG sieht Koenen hingegen wenig Chancen auf weitere Kursgewinne. Auch Berenberg-Analyst Emrich rät von einem Kauf der beiden Aktien ab: „Für beide Unternehmen gilt, dass sie im Vergleich zu anderen Herstellern zu wenig differenziert sind und auch von der Management-Qualität zurückstehen“, sagt er. Unter den kleineren Zulieferern bevorzugt Emrich Elring Klinger. Der Hersteller von Dichtungen und Schaltisolierungen profitiere vom anhaltenden „Diesel-Boom“. Zu Gute komme dem Unternehmen zudem der hohe technologische Standard seiner Produkte. Für Emrich ist Elring Klinger daher ein klarer „Kauf“

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Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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