Banken arbeiten an Jahresausblicken 2008
Investoren wenden sich vom Dax ab

Der Deutsche Aktienindex (Dax) verliert bei internationalen Investoren seine Position als eines der beliebtesten Marktbarometer weltweit. Verstärkt wenden sich die Aktienstrategen bedeutender Banken und Vermögensverwalter vom Dax und den dort enthaltenen 30 größten deutschen Aktien ab und trauen ihm nur noch ein durchschnittliches Wachstum zu.

FRANKFURT. "Die Risiken für den Dax steigen“, begründet Peter Oppenheimer, Chefstratege bei Goldman Sachs in London, seine Herabstufung auf eine neutrale Position. In den vergangenen fünf Jahren zählte der Dax unter den wichtigsten Aktienmärkten weltweit zu den Top-Indizes. Eine konsequente Reformpolitik der Bundesregierung und immense Spar- und Umstrukturierungsbemühungen der Unternehmen führten dazu, dass Dax-Indexfonds und Einzeltitel überdurchschnittlich oft in den Musterportfolios führender Banken weltweit auftauchten.

Die spätestens für das kommende Jahr erwartete Rückkehr zur Normalität in diesem Bereich dürfte unter anderem daran liegen, dass die Unternehmen dann nicht mehr das immense Gewinnwachstum zeigen können, das sie noch in diesem Jahr wohl erreichen. Rechnet das Gros der Experten 2007 noch mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von über 20 Prozent, so dürfte sich diese Zahl 2008 halbieren. "Während der faire Wert des Dax derzeit bei 8 100 Punkten liegt, dürfte er bei einem um zehn Prozent niedrigeren Gewinnwachstum auf 7 500 Punkte sinken“, sagt Gunnar Hamann von Dresdner Kleinwort.

Ähnliche Tendenzen zeichnen sich inzwischen auch bei vielen anderen Banken ab. Die meisten sind gerade dabei, ihren Kapitalmarktausblick für das kommende Jahr fertigzustellen. Während die Prognosen in den vergangenen Jahren stets in vielen Aussagen ähnlich waren, so wird jetzt deutlich, dass die Erwartungen für das Jahr 2008 wegen der großen Verunsicherung an den Märkten deutlich voneinander abweichen werden.

"Das Risiko steigt, dass der Bullenmarkt dieser Dekade zu Ende geht“, sagt Teun Draaisma, Chef-Stratege für Europa bei Morgan Stanley in London. Seit Mitte August haben sich die Signale deutlich verändert. "Damals waren die Bewertungen attraktiv, die Anleger waren vorsichtig und die Fundamentaldaten riskant.“ Also insgesamt ein neutrales Bild. "Jetzt haben wir zunehmende Zweifel am fundamentalen Wachstum wegen der anhaltenden Finanzkrise und der ersichtlichen Abneigung der Zentralbanken, die Zinsen zu senken, falls sich Inflationsrisiken abzeichnen“, liefert Draaisma die Begründung. Sein Urteil für den Aktienmarkt hat er deshalb in dieser Woche von "übergewichten“ auf "neutral“ gesenkt, und er rät vor allem zum kurzfristigen Parken am Geldmarkt, bis sich neue Anhaltspunkte ergeben.

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